Mein Geld, dein Geld, unser Geld

23. Januar 2012
Geld sichert die Existenzgrundlage. Daneben wird es als Zuwendung, Gewissensberuhigung, Dankbarkeit und Einfluss gesehen, oder auch eingesetzt. Bemühen Sie sich beim Familienbudget um Sachlichkeit!

Illustration: Carola Holland Ralph schiebt mit Zeigefinger und Mittelfinger zwei Euro-Münzen auf der Tischplatte hin und her. „Ist das dein Taschengeld?“, fragt Katrin. „Nein, seit ich ins Gymnasium gehe, bekomme ich jede Woche schon vier Euro. Die hier habe ich mir extra verdient, mit Babysitten bei meiner Halbschwester.“ Katrin wohnt neben Ralph und ist zwei Jahre jünger als er. Sie bekommt von ihrer Mutter zwei Euro pro Woche. Die Hälfte davon verschwindet im rosa Sparschwein, die andere Hälfte gibt sie meist sofort für Kaugummi oder Aufkleber aus. „Kann ich auch einmal babysitten?“, möchte Katrin wissen.

Über ein eigenes Einkommen in Form von Taschengeld zu verfügen steigert Selbstwert und Selbstständigkeit. Zusätzlich lernt Ihr Kind vorauszuplanen, sich das Geld einzuteilen, zu verzichten und zu warten. Für alle Kinder der Familie sollten die gleichen, klaren und berechenbaren Regeln gelten. Auch Belohnungen für zusätzlich übernommene Arbeiten gehören festgelegt. Bezahlen Sie nicht für die übliche Mitarbeit im Haushalt, sondern nur für Aufgaben, die Sie sonst gegen Geld an Dritte delegieren würden.

Ralph lacht: „Du kannst erst babysitten, wenn du auch elf bist. Außerdem muss ich noch viel verdienen, bis ich mir die coolen Fußballschuhe kaufen kann.“

Ralph lebt mit seiner Mutter, seinem Stiefvater und seiner vierjährigen Halbschwester Elisa zusammen. Mit dem Taschengeld spart er für Sonderwünsche, alles Übrige bezahlen noch seine Eltern. Mit stundenweise Babysitten, bestimmten Gartenarbeiten und Hilfe beim Autowaschen kann er sich ein paar Euro dazuverdienen. Außerdem belohnt seine Oma besonders gute Noten mit einer – auch mit den Eltern – vereinbarten Geldsumme. Eigentlich wollte sie ihm ja die Schuhe kaufen, aber seine Mutter hat gemeint: „Es ist gut, wenn Ralph selbst auf etwas spart.“

Ralphs Stiefvater Martin hat zwei Kinder aus erster Ehe, die bei ihrer Mutter leben. Die monatlichen Unterhaltszahlungen sind auf dem Kontoauszug deutlich zu sehen. Zwischen Martin und seiner Frau Sophia kommt es deshalb immer wieder zu Konflikten. „Ich muss sparen, damit deine Ex shoppen gehen kann“ oder „Für Elisa bleibt nichts mehr, sie ist schließlich auch dein Kind“, bekommt er dann zu hören.

Es ist sinnvoll, ab und zu in Ruhe über Geld zu reden und sich als Paar bewusst zu werden, welche materiellen Dinge jedem zustehen, was jedes Familienmitglied mit Geldbeträgen verbindet, und welche finanziellen Zukunftspläne man hat. Eine faire finanzielle Regelung ist wichtig und tut auch dem Klima zwischen allen beteiligten Erwachsenen gut.

Martin und seine Frau schaffen es in vielen Gesprächen, ihr Problem zu lösen. Sophia ist wegen der Unterhaltszahlungen nicht mehr eifersüchtig. Sie akzeptiert, dass Martin aus seiner vorigen Beziehung Verpflichtungen mitbringt. Schließlich wünscht sie sich einen verantwortungsbewussten Partner! Martin wiederum steht zur Trennung und zur neuen Beziehung. Wer kein schlechtes Gewissen hat, gerät nicht in Versuchung, es durch überhöhte Zahlungen zu beruhigen.

Tipps

Woran sie denken sollten:


Wussten Sie, dass ...

Wann enden Unterhaltsansprüche?
Ein Unterhaltsanspruch gegen den/dieEx-Ehepartner(in) erlischt durch Wiederverheiratung. Für die Dauer einer Lebensgemeinschaft ruht der Anspruch und lebt danach wieder auf. Ein Ende der Unterhaltsleistung ist auch aufgrund von „wesentlicher Änderung der anspruchsbegründenden Tatsachen“ (nach Klage) möglich. Solche Tatsachen sind z.B. ein deutlich niedrigeres Einkommen des/der Unterhaltspflichtigen, ein beruflicher Wiedereinstieg des/der Unterhaltsberechtigten, oder der Wegfall einer Sorgepflicht.

Der Anspruch auf Kindesunterhalt endet mit dem Eintritt der Selbsterhaltungsfähigkeit, also sobald das Kind seine gesamten Lebensbedürfnisse (gemessen an denen der Eltern) aus eigener Erwerbstätigkeit decken kann. Ein Studium schiebt diesen Zeitpunkt hinaus, zur Orientierung dient die durchschnittliche Studiendauer. Später kann der Unterhaltsanspruch bei Weiterbildung, Krankheit oder unverschuldeter Arbeitslosigkeit wieder aufleben.

Mehr zum Thema
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Autor: Mag.a Katharina Ratheiser


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