Mittwoch, 22. Mai 2019

Mein Geld, dein Geld, unser Geld

23. Januar 2012
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Geld sichert die Existenzgrundlage. Daneben wird es als Zuwendung, Gewissensberuhigung, Dankbarkeit und Einfluss gesehen, oder auch eingesetzt. Bemühen Sie sich beim Familienbudget um Sachlichkeit!

Illustration: Carola Holland Ralph schiebt mit Zeigefinger und Mittelfinger zwei Euro-Münzen auf der Tischplatte hin und her. „Ist das dein Taschengeld?“, fragt Katrin. „Nein, seit ich ins Gymnasium gehe, bekomme ich jede Woche schon vier Euro. Die hier habe ich mir extra verdient, mit Babysitten bei meiner Halbschwester.“ Katrin wohnt neben Ralph und ist zwei Jahre jünger als er. Sie bekommt von ihrer Mutter zwei Euro pro Woche. Die Hälfte davon verschwindet im rosa Sparschwein, die andere Hälfte gibt sie meist sofort für Kaugummi oder Aufkleber aus. „Kann ich auch einmal babysitten?“, möchte Katrin wissen.

Über ein eigenes Einkommen in Form von Taschengeld zu verfügen steigert Selbstwert und Selbstständigkeit. Zusätzlich lernt Ihr Kind vorauszuplanen, sich das Geld einzuteilen, zu verzichten und zu warten. Für alle Kinder der Familie sollten die gleichen, klaren und berechenbaren Regeln gelten. Auch Belohnungen für zusätzlich übernommene Arbeiten gehören festgelegt. Bezahlen Sie nicht für die übliche Mitarbeit im Haushalt, sondern nur für Aufgaben, die Sie sonst gegen Geld an Dritte delegieren würden.

Ralph lacht: „Du kannst erst babysitten, wenn du auch elf bist. Außerdem muss ich noch viel verdienen, bis ich mir die coolen Fußballschuhe kaufen kann.“

Ralph lebt mit seiner Mutter, seinem Stiefvater und seiner vierjährigen Halbschwester Elisa zusammen. Mit dem Taschengeld spart er für Sonderwünsche, alles Übrige bezahlen noch seine Eltern. Mit stundenweise Babysitten, bestimmten Gartenarbeiten und Hilfe beim Autowaschen kann er sich ein paar Euro dazuverdienen. Außerdem belohnt seine Oma besonders gute Noten mit einer – auch mit den Eltern – vereinbarten Geldsumme. Eigentlich wollte sie ihm ja die Schuhe kaufen, aber seine Mutter hat gemeint: „Es ist gut, wenn Ralph selbst auf etwas spart.“

Ralphs Stiefvater Martin hat zwei Kinder aus erster Ehe, die bei ihrer Mutter leben. Die monatlichen Unterhaltszahlungen sind auf dem Kontoauszug deutlich zu sehen. Zwischen Martin und seiner Frau Sophia kommt es deshalb immer wieder zu Konflikten. „Ich muss sparen, damit deine Ex shoppen gehen kann“ oder „Für Elisa bleibt nichts mehr, sie ist schließlich auch dein Kind“, bekommt er dann zu hören.

Es ist sinnvoll, ab und zu in Ruhe über Geld zu reden und sich als Paar bewusst zu werden, welche materiellen Dinge jedem zustehen, was jedes Familienmitglied mit Geldbeträgen verbindet, und welche finanziellen Zukunftspläne man hat. Eine faire finanzielle Regelung ist wichtig und tut auch dem Klima zwischen allen beteiligten Erwachsenen gut.

Martin und seine Frau schaffen es in vielen Gesprächen, ihr Problem zu lösen. Sophia ist wegen der Unterhaltszahlungen nicht mehr eifersüchtig. Sie akzeptiert, dass Martin aus seiner vorigen Beziehung Verpflichtungen mitbringt. Schließlich wünscht sie sich einen verantwortungsbewussten Partner! Martin wiederum steht zur Trennung und zur neuen Beziehung. Wer kein schlechtes Gewissen hat, gerät nicht in Versuchung, es durch überhöhte Zahlungen zu beruhigen.

Tipps
  • Machen Sie für Ihre Familie und für sich persönlich einen Finanzplan.
  • Gibt es kein gemeinsames Konto, muss die Frage geklärt werden, wer was bezahlt. Die großen Posten sind Miete, Strom, Kinderbetreuung, Auto, Essen, Telefon, Internet, Urlaub. Bemühen Sie sich um einen Aufteilungsschlüssel, der Unterschiede im Einkommen berücksichtigt.
  • Geben Sie Ihren Kindern ab dem Schulalter Taschengeld und unterstützen Sie sie bei der Entwicklung finanzieller Kompetenz.
  • Überlegen Sie immer wieder, wo jedes Familienmitglied beim Familiensparprogramm mitmachen kann, damit Sparen ohne Qualitätsverlust möglich ist.
  • Achten Sie beim Telefonieren auf die Kosten.
  • Überprüfen Sie laufende Abos, Versicherungen usw. in regelmäßigen Zeitabständen auf Ihre Notwendigkeit.
  • Berücksichtigen Sie rechtliche Bestimmungen, die finanzielle Auswirkungen haben.
  • Beruhigen Sie schlechtes Gewissen nicht mit Geschenken, sondern überlegen Sie, wie Sie auch kurze Zeitspannen für qualitätsvolle Beziehungszeit nutzen können.

Woran sie denken sollten:
  • Wenn Sie in eine gemeinsame Wohnung ziehen,wird zur Berechnung verschiedener Sozialleistungen (z.B. Notstandshilfe, Wohnbeihilfe, Alleinerzieherabsetzbetrag, Zuschuss zum Kinderbetreuungsgeld, Kinderbetreuungsbeihilfe) Ihr gemeinsames Einkommen herangezogen. Melden Sie die Änderung der Situation rechtzeitig, sonst kann es zu Rückforderungen kommen.
  • Erkundigen Sie sich über finanzielle Beihilfen, wenn Ihr Familieneinkommen sehr gering ist oder Sie in eine finanzielle Notsituation gekommen sind.
Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Mein Geld, dein Geld, unser Geld
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