Montag, 16. September 2019

Mehr als nur ein Kommen und Gehen

25. Januar 2012
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„Besuch“ ist nicht das richtige Wort: Der getrennt lebende Elternteil ist nicht bloß Gast im Leben seines Kindes! In der Besuchszeit wird die Beziehung gepflegt.

Illustration: Carola Holland
Die vierjährige Viktoria übernachtet jeden Freitag bei ihrem Papa. Wenn Mama sie am Samstag abholt, ist sie oft unruhig und weinerlich. Unternehmungen in den Stunden nach dem Abholen sind anstrengend. Beim Einkaufen gibt es regelmäßig Trotzanfälle. Und wenn es auf ein Kinderfest geht, klammert sich Viktoria an ihre Mutter und weigert sich, zu bleiben.

Übergänge sind für Kinder immer mit etwas Stress verbunden. Sie haben das sicher schon beim Abliefern und Abholen im Kindergarten bemerkt, beim Schulbeginn nach den Ferien oder am Montagmorgen nach einem gemütlichen Wochenende.

So ist es ganz natürlich, dass auch Anfang und Ende der Besuchszeit kritische Momente sind. Manche Kinder sind aufgeregter und unruhiger als andere. Manche Kinder brauchen nach dem Besuch beim anderen Elternteil eine gewisse Zeit, um wieder in den gewohnten Alltag zu finden. Man spricht von Übergangsreaktionen.

Viktorias Eltern haben viel über die Besuchsregelung nachgedacht. Der Abstand zwischen den Besuchen, darüber waren sie sich einig, sollte nicht mehr als eine Woche sein. Außerdem sollte Viktoria bei ihrem Vater übernachten und nicht nur tagsüber zu Besuch sein. (So hatte ihre Mutter einen freien Abend.) Weiters wollte ihr Vater auch den Kontakt zum Kindergarten bewahren und seine Tochter von dort abholen. Der Freitag schien die optimale Lösung zu sein.

Erfordern Viktorias Probleme am Samstag nun eine Änderung der Regelung? Zum Glück haben die Eltern mittlerweile eine gute Gesprächsbasis miteinander. Sie wollen fürs Erste versuchen, diesen Tag besonders ruhig zu gestalten. Mama erledigt ihre Einkäufe allein und holt dafür Viktoria eine Stunde später ab. Papa lässt die gemeinsame Zeit daheim ausklingen und macht Pläne für den folgenden Freitag. Wenn Kinderfest ist, wird Viktoria ausnahmsweise in der Früh abgeholt und hat so bis zum Fest noch einige Stunden in Ruhe daheim, um den Übergang zu verarbeiten.

Mehr zum Thema
Papa wohnt nicht mehr bei uns von Sylvia Schneider und Mathias Weber, Betz Verlag

Tipps
  • Machen Sie sich als Mutter oder Vater bewusst, dass ein regelmäßiger Kontakt des Kindes zu beiden Eltern sehr wichtig ist.
  • Halten Sie Terminabsprachen ein und seien Sie pünktlich.
  • Geben Sie dem besuchsberechtigten Elternteil alle Informationen, die für eine gute Gestaltung der Besuchszeit wichtig sind.
  • Denken Sie daran, dass die Besuchszeit für Ihr Kind und Sie gedacht ist, und unternehmen Sie Dinge, die Ihrem Kind entsprechen.
  • Sprechen Sie Geschenke und größere Aktivitäten mit dem anderen Elternteil ab. So stellen Sie sicher, dass Ihr Kind das bekommt, was es wirklich braucht.
  • Gestalten Sie Übergänge möglichst stressfrei und lassen Sie dem Kind Zeit zum Ankommen.
  • Klären Sie Unklarheiten oder Konflikte, wenn Ihr Kind nicht anwesend ist.
  • Fragen Sie Ihr Kind über den anderen Elternteil, über dessen Lebensgewohnheiten, Beziehung usw. nicht aus.
  • Vermitteln Sie Ihrem Kind, dass es für Sie o.k. ist, wenn es den anderen Elternteil besucht, und dass Sie mit der freien Zeit etwas anfangen können.
  • Feste im Jahreskreis, z.B. Weihnachten, sollten Sie getrennt feiern. Ihr Kind macht sich sonst Hoffnung, dass Sie wieder ein Paar werden.
  • Feste, bei denen das Kind im Mittelpunkt steht – z.B. Geburtstag, erster Schultag, Erstkommunion – können gem einsam gefeiert werden, wenn das Kind sich das wünscht und sofern es ohne Konflikte möglich ist.

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