Samstag, 07. Dezember 2019

Wunder Wald

Ausgabe 2016.10
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Japanische Wissenschafter haben nachgewiesen: Wer sich in einem Wald aufhält, der verbessert die Elastizität seiner Arterien, Schmerzen und Stresshormone werden weniger. Lesen Sie hier alles zum „Biophilia-Effekt“.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - leungchopan

Die Baumkronen wiegen sich sachte im Wind, das Sonnenlicht bricht durch das dichte Geäst. Kühl ist die Luft inmitten der Bäume, weich sind die Schritte auf Waldboden und Mooshügeln. Vogelstimmen schmeicheln dem Ohr. Wen interessiert eigentlich Fifty Shades of Grey, wenn es noch viel mehr Schattierungen von Grün gibt? All diese und noch viele weitere Eindrücke lassen sich im Wald sammeln, wenn man sich mit allen Sinnen einlässt auf diesen geheimnisvollen Kosmos. Die Japaner tun das bereits seit Jahrzehnten. Schon 1982 hat das japanische Ministerium für Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei dafür den Begriff „Shinrin-Yoku“ geprägt. Übersetzt bedeutet dies so viel wie „Baden in der Waldluft“. Diese Waldtherapie hat in der japanischen Gesundheitsvorsorge einen festen Platz – und das nicht ohne Grund. Während Naturliebhaber und Pflanzenversteher lange Zeit allenfalls als esoterische Baumumarmer belächelt wurden, hat die Wissenschaft längst bewiesen, dass bereits ein einstündiger Aufenthalt im Wald positive Folgen für unsere Gesundheit hat. Der Blutdruck senkt sich signifikant, die Elastizität der Arterien verbessert sich, die Lungenkapazität erhöht sich, während sich die Ausschüttung von Stresshormonen verringert. Dafür reicht bereits ein Blick in Richtung Wald. Diese Erkenntnisse verdanken wir Dr. Qing Li, Professor der Waldmedizin an der Nippon Medical School in Tokio und Waldpionier der ersten Stunde. Seine Untersuchungen zeigten ebenso, dass Schmerzpatienten weniger Schmerzmittel benötigen, wenn sie im Wald sind, dass sich der Blick auf einen Wald positiv auf die Stimmungslage von Häftlingen auswirkt und dass Schüler besser lernen, wenn es vor den Klassenfenstern grünt. Der Wald hat so viele positive Auswirkungen auf den Menschen, dass diese bereits unter einem eigenen Namen zusammengefasst werden: Biophilia-Effekt.

Zurück zum Ursprung. Warum aber tut uns der Wald so gut? Zunächst einmal deshalb, weil wir so geschaffen wurden, dass wir in eine natürliche Umgebung passen. Seit Tausenden von Jahren gewährten Wälder Menschen Schutz, sie ernährten sie mit ihren Früchten, spendeten Schatten und boten geschützte Schlafplätze in sicherer Höhe. Unser limbisches System, der älteste Teil unseres Gehirns, reagiert auch heute noch mit einem Signal der Entspannung, wenn wir in Berührung mit Bäumen kommen. Doch nicht nur die Bäume sorgen im Wald für unser Wohlbefinden. Die kleinen Pflanzen und Blümchen sind es, die als Booster für unser Immunsystem fungieren und einen Waldbesuch zu einer Präventivmaßnahme für die Erhaltung unserer Gesundheit machen. Die Pflanzen geben nämlich spezielle Duftstoffe ab, die unter dem wissenschaftlichen Begriff „Terpene“ berühmt wurden. Sie dienen unterschiedlichen Zwecken: So werden sie freigesetzt, um Schädlinge abzuhalten, vor Sonneneinstrahlung zu schützen oder Insekten anzulocken. Doch auch der menschliche Körper reagiert auf diesen Wunderstoff der Natur. Terpene, die wir beim Waldbaden einatmen, aktivieren die Bildung und Aktivität von Killerzellen. Sie helfen uns, Krankheitserreger abzuwehren, und kämpfen sogar gegen Krebszellen an.  Die Waldluft ist also wie ein bioaktiver Cocktail, der uns nachhaltig davor schützt, krank zu werden.

Auszeit für Körper und Seele. Auch unser Seelenleben profitiert von der Ruhe und Kraft des Waldes. In einer immer schneller und hektischer werdenden Zeit gewinnt diese Ruheinsel der Natur immer mehr an Bedeutung. Das sieht auch Erwin Thoma so. „Je mehr wir uns durch eine moderne Lebensweise von der Natur entfernen, desto wichtiger wird ein Ausgleich, der uns Zugänge zur Lebenskraft dort draußen schafft“, sagt der Salzburger Unternehmer und Buchautor. Warum der Ausgleich gerade im Wald so gut funktioniert? „Unser Unterbewusstsein ist ein ganz exaktes und feines Messsystem, das permanent die Umwelt wahrnimmt. Im Wald bekommt das Unterbewusstsein die Rückmeldung: ‚Hier ist alles in Ordnung, keine gefährlichen oder unbekannten Botenstoffe liegen in der Luft, keine verdächtigen Stressauslöser liegen vor!‘ So gelingt es dem Körper, unter Bäumen ganz tief in den Entspannungsmodus zu gehen und die beste Regeneration, die heilendste Entspannung zu finden.
Thoma sammelte in mehrfacher Hinsicht Erfahrungen mit dem Wald. „Bereits als Kind erlebte ich den Wald als Ort der Geborgenheit, an dem wir immer gut aufgehoben waren.“ Ein Ort, der sich auch wie ein roter Faden durch das weitere Leben des Salzburgers zieht: Er wird Förster, lebt mit Frau und Kindern in einem Blockhaus im Wald und widmet diesem Ort zahlreiche Bücher, die allesamt zu Bestsellern mutieren. „Holzwunder. Die Rückkehr der Bäume in unser Leben“, „Bäume für die Seele – Welches Holz stärkt mich?“ und „Die geheime Sprache der Bäume“ nennen sich diese. In ihnen erfahren wir, dass jeder Baum ein elektromagnetisches Feld aufbaut und dass Bäume mit allen sie umgebenden Lebewesen interagieren: „Sie holen Insektenfresser, wenn sie vom Borkenkäfer bedroht werden, sie verständigen sich gegenseitig über Wassermangel und Gefahren und sie benützen viele schlaue Strategien, um Wildschwein und Co für sich als Boten zu verwenden“, erklärt Thoma. Auch wir Menschen empfangen unbewusst ganz unterschiedliche Botschaften vom Holz. Diese Botschaften zu entschlüsseln, bezeichnet Thoma als die wichtigste Fremdsprache, die man lernen kann. „Die Sprache lernen heißt, sich darauf einzulassen.“ Das gelinge auch, wenn man den Wald in Form von Holz in sein Zuhause holt. Toma: „Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass jeder Mensch pro Nacht eine Stunde Herzarbeit in einem chemisch unbehandelten Vollholzhaus einsparen kann. Das stärkt unsere Gesundheit und lässt uns länger leben.“ Am besten, Sie beginnen mit dem Schlafzimmer. „Boden, Wandverkleidung und eventuell die Decke mit reinem Holz gestalten und bei den Möbeln nur Vollholz verwenden – keinen Lack und keinen Leim. Sie werden über die neue Schlafqualität staunen!“

 

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Wunder Wald
Seite 2 Ein Bad im Walde

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