Donnerstag, 23. Mai 2019

Wenn der Kinderwunsch unerfüllt bleibt

Ausgabe 04.2015
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Kinder zu haben, ist ein zentraler Wunsch vieler Menschen. Was aber, wenn es mit der Schwangerschaft nicht klappt? Welche Möglichkeiten gibt es, damit der Kinderwunsch nicht unerfüllt bleibt? gesünder leben hat bei Betroffenen und Experten nachgefragt.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - Ostill

Wir müssen leise sein, das Interview in gemäßigter Lautstärke führen. Denn der kleine Markus, gerade mal zarte zwei Monate alt, ist gerade am Einschlafen. Am Arm seiner Mama, die ihn behutsam wiegt, streichelt und an sich drückt. Blähungen quälen den Kleinen, ansonsten aber ist alles okay, es geht ihm gut. Nicht nur für ihn, auch für seine Mama Christina (31 Jahre) und seinen Papa Simon (30 Jahre) ist die Welt rundherum neu. „Wir sind sehr glücklich“, strahlen die frischgebackenen Eltern.  „Ein Baby zu haben, ist ein Wunder“, ist Christina überzeugt. „Und bei uns sogar ein doppeltes. Das ist uns sehr wohl bewusst.“ Denn Markus kam mittels der IVF-Methode, also der künstlichen Befruchtung, auf die Welt. Auf natürlichem Weg, das hat bei Christina und Simon nicht geklappt.

Selbsthilfe

Leichter schwanger? So geht‘s!

• Halten Sie regelmäßige Schlafrhythmen ein!
• Meiden Sie Alkohol, Kaffee, Cola und Energy-Drinks!
• Achten Sie auf Ihre Ernährung: Nehmen Sie ausreichend Vitamine und Spurenelemente zu sich. Achten Sie auf genügend Eiweiß.
• Vermeiden Sie Stress und rauchen Sie nicht!
• Vermeiden Sie Über-, aber auch Untergewicht!
• Betreiben Sie zwei- bis dreimal die Woche Sport.
• Frauen: Achten Sie auf Störungen Ihres Menstruationszyklus!
• Männer: Hitze am Hoden (enge Hosen, Sauna, heiße Bäder etc.) schadet den Spermien!

Tabuthema. 10 bis 15 Prozent der österreichischen Paare haben einen unerfüllten Kinderwunsch. Ein Thema, über das nicht gerne gesprochen wird. „Paare, die für die Schwangerschaft auf fremde Hilfe zurückgreifen und danach gefragt werden, fühlen sich oftmals in ihrer Privatsphäre verletzt“, weiß die Klinische- und Gesundheitspsychologin Mag. Andrea Ertl (www.andrea-ertl.at) aus Wiener Neustadt bzw. Wien. „Die Betroffenen fürchten die Reaktionen aus ihrem sozialen Umfeld, die tatsächlich nicht immer sehr feinfühlig sind. Sie haben Angst, allzu private Fragen beantworten zu müssen, und schützen sich somit selbst, wenn sie verschweigen, sich in diesem Bereich ärztliche Hilfe geholt zu haben.“ Klappt es nicht mit der herkömmlichen Schwangerschaft, sprechen Experten von einer „Subfertilität“, also einer eingeschränkten Empfängnisbereitschaft bzw. einer eingeschränkten Fähigkeit, eine Schwangerschaft austragen zu können. „Es ist sehr selten, dass eine Schwangerschaft vollkommen ausgeschlossen und somit gar nicht möglich ist“, betont (und beruhigt) Dr. Rudolf Rathmanner, Gynäkologe und Kinderwunschexperte sowie Leiter der Kinderwunschklinik Tiny Feet in Wiener Neustadt (www.tinyfeet.at). Die Ursachen, wieso es trotz intensiven Bastelns (Experten sprechen von mindestens 12 Monaten) nicht klappen will, sind vielfältig. „Das Hauptproblem ist der Trend zum späten ersten Kinderwunsch“, betont Rathmanner. „Die Erkrankungen, die oftmals Ursache für die Subfertilität sind, wachsen mit den Jahren heran. Dieselbe Frau hätte vielleicht mit 20 Jahren noch nicht die gleichen Probleme gehabt wie mit 45.“ Die Fertilitätsrate bei Frauen sinkt bereits mit 33 Jahren. Zudem ist aus internationalen Studien bekannt, dass in allen Industriestaaten die Samenqualität der Männer immer mehr abnimmt. Gründe dafür sind u. a. steigende Umweltbelastungen sowie eine ungesunde Lebensweise.

Die Frau. Laut Studien liegt in etwa 40 Prozent der Fälle die Ursache beim Mann, in 40 Prozent bei der Frau und in 20 Prozent bei beiden. Bei Frauen mit unerfülltem Kinderwusch finden sich häufig, so Rathmanner, Störungen der Eileiter: Diese können verklebt, verwachsen (als Folge von Eierstock- und Eileiterentzündungen) oder gar verschlossen sein. Ein häufiges Problem: Endometriose, woran rund 15 Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter leiden. Bei dieser gutartigen Erkrankung tritt Gewebe, ähnlich dem der Gebärmutterschleimhaut, im Unterleib auf und siedelt sich an den Eierstöcken, Eileitern, Darm, Blase oder dem Bauchfell an. „Viele Frauen wissen nicht, dass sie an Endometriose leiden, da man dies nur mittels einer Bauchspiegelung feststellen kann“, gibt Rathmanner zu bedenken. „Wenn man allerdings an sehr starken Menstruationsbeschwerden leidet, ist dies oft ein Anzeichen dafür.“ Apropos: „Tritt der Zyklus sehr unregelmäßig auf, kann dies auf ein Polyzystisches Ovar-Syndrom hindeuten. Dies ist eine der häufigsten weiblichen Hormonstörungen und erschwert eine Schwangerschaft erheblich.“ Selten sind dagegen genetische oder anatomische Störungen, wie zum Beispiel eine Chromosomenanomalie oder Vernarbungen bzw. Myome in der Gebärmutter.

Der Mann. Hier können Störungen der Spermienreifung oder/und des Spermientransports mögliche Ursachen für einen unerfüllten Kinderwunsch sein, auch Krampfadern im Hodensack oder ein Hodenhochstand sind nicht selten. Mitunter sind die Ursachen auch genetisch bedingt – wie im Fall von Simon. Nach sehr vielen Untersuchungen und der Erstellung eines Spermiogramms war die Diagnose gestellt: „Bei mir ist von Geburt an kein Samenleiter vorhanden. Ein Gendefekt.“ Ein großer Schock war es nicht, wie er erzählt, eher die Bestätigung eines jahrelang gehegten Verdachts. „Ich habe von Beginn an geahnt, dass es an mir liegt, weil mein Sperma niemals weiß, sondern stets durchsichtig war.“ Daraufhin unterzog sich das Paar einer Hormontherapie, die Befruchtung fand schließlich mittels der IVF-Methode (In-Vitro-Fertilisation) statt: „Das Ziel ist, dass nicht nur ein Eibläschen bzw. Eizelle wächst, sondern mehrere“, erklärt Rathmanner. Mittels Follikelpunktion werden unter Ultraschallsicht reife Eizellen der Frau entnommen und unter dem Mikroskop in einer Nährlösung mit den aufbereiteten Spermien des Mannes zusammengebracht. Diese befruchten Eizellen werden mehrere Tage in einem Brutkasten kultiviert und die sich am besten entwickelte wird schließlich der Frau in die Gebärmutter injiziert, wo sich der Embryo im günstigsten Fall in die Schleimhaut einnistet. „Das erste Mal hat es bei uns nicht geklappt“, erzählt Christina. „Dafür aber gab’s beim zweiten Mal keine Probleme!“

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Wenn der Kinderwunsch unerfüllt bleibt
Seite 2 Vielfältige Methoden

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