Samstag, 07. Dezember 2019

Weniger ist mehr!

Ausgabe 2015.09
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Ist von Bescheidenheit die Rede, kommen uns meist Worte wie Verzicht, Einschränkung oder Entbehrung in den Sinn.  Doch was, wenn man dadurch gerade Gegenteiliges erreicht: Glück, Zufriedenheit und Freiheit? Ein Wegweiser von GESÜNDER LEBEN.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - Hallgerd

Anfang des Jahres haben die meisten von uns mit „weniger“ kaum ein Problem. Denn zu dieser Zeit haben wir wieder unsere Neujahrsvorsätze – wollen weniger essen, um vielleicht doch noch in die enge Jeans zu passen, oder weniger rauchen, weniger Alkohol trinken. Wir versuchen immer wieder aufs Neue, gewisse Laster mit Vorsätzen los- zuwerden. Doch oft bleibt es beim Gedanken. Viele scheitern am Alltag, am Stress, an Verpflichtungen. Keine Zeit, konsequent an den Vorhaben zu arbeiten. Doch stimmt das tatsächlich? Kann es sein, dass wir Zeit haben, eine Zigarette zu rauchen, aber keine Zeit, uns zwischendurch einen gesunden Snack zu gönnen? Sklave unseres Handys zu sein, jederzeit erreichbar, aber keine Zeit, uns eine halbe Stunde am Tag aktiv zu bewegen, einen Spaziergang in freier Natur zu unternehmen, um unserer Seele Gutes zu tun?

Falsche Prioritäten bestimmen sehr oft unser Leben.  Stress verbreitet sich wie eine Seuche. Selbst Menschen, die eigentlich Zeit hätten, ihr Leben zu genießen, sind infiziert. Wer keinen Stress hat, wird in der Gesellschaft geradezu als Außenseiter abgestempelt. Konfuzius, ein chinesischer Philosoph (551–479 v. Chr.), bringt es mit einer seiner Aussagen auf den Punkt: „Das Leben ist einfach, aber wir bestehen darauf, es kompliziert zu machen.“ Und genau darin liegt das Grundübel. Wir haben verlernt, das Leben in seiner Einfachheit zu genießen. „Schneller, höher, weiter“ ist die Devise. Besitz und Erfolg das ersehnte Ziel. Um es einmal noch besser zu haben, wird das gegenwärtige Leben oft zugunsten eines zukünftigen geopfert. Leider verstehen viele dabei nicht, dass ein hoher Lebensstandard nicht automatisch auch mit einer hohen Lebensqualität einhergeht.
Das Wesentliche im Leben. Wäre es nicht eher erstrebenswert, wieder ein gewisses „back to basics“-Gefühl zu erlangen, verloren geglaubte Traditionen wiederzuentdecken? Sich mit Fragen zu beschäftigen wie: „Was sind die wesentlichsten Dinge im Leben?“ Ist ein Denken, ausgerichtet auf Erfolg und Geld der richtige, sinnvolle Weg? Hat Luxus wirklich immer nur mit materiellem Wohlstand zu tun? Kann jemand, der ein bescheidenes, selbstbestimmtes Leben führt, sich nicht ebenfalls als reich bezeichnen? Materielles hinter sich zu lassen, bedeutet nicht automatisch, arm zu sein. Es bedeutet vielmehr einen Neubeginn, den Nährboden für immateriellen Wohlstand zu schaffen. Ist es wirklich so schwer, mit weniger glücklich zu sein? Wäre unser Leben dadurch nicht freier, unbelasteter, selbstbestimmter? Stellen Sie sich vor, Sie hätten keinen Fernseher und kein Radio. Sie würden, statt Werbung schauen, lieber Freunde treffen, sich unterhalten. Sie würden, statt sich von den neusten Hits berieseln zu lassen, selbst singen und musizieren. Klingt diese Vorstellung für Sie tatsächlich nach Entbehrung und Verzicht oder doch eher nach Freude und Unbeschwertheit? Selbst kleine Schicksalsschläge können, so seltsam es klingen mag, oft befreiend wirken. Denn gerade dann, wenn nicht alles so reibungslos verläuft, wie man es sich wünscht, beginnen viele über ihr Leben nachzudenken. Und genau solche Situationen können einem die verloren geglaubte Kraft geben, einen neuen Lebensweg einzuschlagen. Sich neu kennenzulernen. Vergessene Talente wiederzuentdecken. Dinge, für die früher keine Zeit war, endlich anzugehen. Sich von Sachen zu trennen, die schon lange belastend waren.

Einfachheit und Sinnsuche. Der eigentliche Hintergedanke sollte aber sein, nicht generell mit weniger zu leben, sondern vielmehr durch eine gewisse Einfachheit im Leben mehr Sinn und Befriedigung zu finden. Die Macht der Gewohnheit teilweise durch neue Lebensphilosophien zu ersetzen. Kann weniger nicht manchmal besser sein, die Schönheit des Lebens in der Bescheidenheit gefunden werden? Das klingt jetzt schon fast philosophisch, aber machen Sie sich trotzdem die Mühe, einmal über all die vorher gestellten Fragen im Stillen nachzudenken. Mehr Besitz macht nicht automatisch zufriedener, das haben Studien mittlerweile bewiesen. Trotzdem horten wir oft Sachen, die wir schon seit Jahren nicht mehr verwendet haben.

Weg mit dem Ballast! Doch gerade die jüngere Generation setzt neue Trends in Richtung Minimalismus. Online-Portale wie „ebay“ oder „willhaben“ boomen. Doch oft nicht, um damit Geld zu verdienen, sondern vielmehr, um Sachen loszuwerden. Es wird verkauft, getauscht, verschenkt. Die Befriedigung sehen viele darin, dass die eigenen Sachen anderen Menschen Freude bereiten. Epikur, ein griechischer Philosoph (341–271 v. Chr.), meinte einst: „Wenn du einen Menschen glücklich machen willst, dann füge nichts seinen Reichtümern hinzu, sondern nimm ihm einige von seinen Wünschen.“ Unser rastloses Streben nach Geld und Besitz, der tägliche Kampf um Anerkennung und Erfolg, der gnadenlose Stress der modernen Welt, lenken uns vom Wesentlichen ab, nämlich dem Leben selbst und der Freude daran. Wir leiden an seelischer und körperlicher Erschöpfung. Versuchen verbissen, am Wochenende oder im Urlaub der verlorenen Zeit nachzujagen, die innere Leere mit Unnötigem zu befriedigen. Solange wir einfach nur „funktionieren“, nehmen wir kaum wahr, welche Bedeutung und Auswirkung die seelische Gesundheit auf unser Leben hat und wie es sich anfühlt, sie nicht mehr zu besitzen.

Wo wohnt das Glück? Eine amerikanische Studie ist einmal der Frage nachgegangen, in welchen Teilen der Erde die Menschen am glücklichsten sind. Das Ergebnis war eindeutig – in armen Ländern, wo Sätze wie „Wer weiß, was morgen ist?“ nicht nur geflügelte Worte, sondern beinharte Realität sind. Dort, wo nicht Besitz und Reichtum dominieren, teilt man, sorgt man sich um den anderen, ist füreinander da. Eine alte Weisheit sagt: „Nicht Besitz macht reich, sondern Freunde.“ In den vergangenen Jahren konnte auch in Europa ein gewisser Trend in diese Richtung beobachtet werden. Eine neue Lebenshaltung. Teilen, statt zu besitzen, Zufriedenheit statt Karrierewahn. Eines der Schlagwörter: „share economy“. Die Idee dahinter: der Umweltbelastung zum Beispiel durch Car-Sharing, der Ressourcenverschwendung und Überproduktion durch Food-Sharing entgegenzuwirken. Gute Ansätze, die hoffentlich bei vielen Menschen einen Umdenkprozess in Gang setzen.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Weniger ist mehr!
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