Freitag, 13. Dezember 2019

So gesund ist Sex!

Ausgabe 05.2015

Sex macht nicht nur Spaß, sondern trägt auch zu einem gesunden Leben bei. Wir verraten Ihnen, was in unserem Körper vor sich geht, wenn wir Lust, Liebe und Leidenschaft empfinden.


Foto: Can Stock Photo Inc. - konradbak

Als in der Redaktion von GESÜNDER LEBEN die Entscheidung fiel, einen Artikel zum Thema „So gesund ist Sex!“ zu verfassen, entschlossen wir uns, eine kleine – natürlich nicht repräsentative – Umfrage zu starten: „Wieso ist Sex gesund?“, wollen wir wissen. „Sex steigert das soziale Gefüge der Menschheit!“, ist sich ein junger Mann zum Beispiel sicher. „Sex wirkt besser als die meisten Pillen, Therapien und Entspannungstechniken“, ist eine Dame überzeugt. „Für mich wirkt Sex vor allem entspannend“, war außerdem eine beliebte Antwort auf die Frage, wie Sex auf den eigenen Körper wirkt. Die beste Zusammenfassung der kleinen Umfrage liefert aber folgende Antwort, die, vielleicht nicht ganz überraschend, von einem Mann stammt: „Nichts ist gesünder als Sex – außer Zitronen vielleicht!“

Wissenschaftlich bewiesen. In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche internationale Studien veröffentlicht, die sich mit der Frage auseinandersetzten, wie gesund Sex (ob mit einem Partner oder auch alleine) wirklich ist. Was geht in unserem Körper vor, wenn wir das Gefühl haben, nur noch aus Lust, Leidenschaft und Liebe zu bestehen? Die Ergebnisse waren eindeutig: Sex ist ein wesentlicher Faktor für ein gesundes und langes Leben. Dass Sex eine derart nachhaltige Wirkung auf unser körperliches Wohlbefinden hat, ist eigentlich nicht überraschend, war doch schon Sigmund Freud der Meinung, dass wir Menschen vor allem von zwei Trieben gesteuert werden: dem Selbsterhaltungstrieb und dem Sexualtrieb. Und der eine ist nicht schwächer ausgeprägt als der andere.

Übersexualisierung. Fragt man bei Experten nach, fällt auf, dass die Frage „Wie gesund ist Sex?“ doch nicht so einfach zu beantworten ist. „Ein bisschen bin ich die Frage leid“, gibt die Grazer Sexualmedizinerin Dr. Elia Bragagna (http://eliabragagna.at/) zu. „Prinzipiell ist Sex sehr gesund, jedoch muss man darauf achten, dass man hier nicht noch mehr Druck ausübt, als bei dieser Thematik ohnehin schon vorhanden ist.“ So fände sie es „schockierend“, dass immer mehr junge Frauen eine sexuelle Lustlosigkeit empfinden und bereits viele junge Männer über Erektionsstörungen klagen. Den Grund sieht die Expertin in der „Übersexualisierung“ unserer Zeit, weshalb „Sex ein Gleichgewicht braucht, um gesundheitsfördernd zu sein“.

Sexuelles Wohlbefinden. Ähnlicher Meinung ist der Linzer Sexualmediziner Dr. Georg Pfau (www.maennerarzt-linz.at): „Sexuelles Wohlbefinden bedeutet sexuelle Zufriedenheit.“ Diese sexuelle Zufriedenheit setzt sich, so Pfau, aus drei Dimensionen zusammen, die untrennbar miteinander verbunden sind. So beschreibt die biologische Dimension der Sexualität, wie man sich als Mann oder Frau im biologischen Sinne wahrnimmt und wie man vom bevorzugten Geschlecht wahrgenommen wird. Die psychologische sexuelle Gesundheit wiederum beschreibt die Ausgestaltung der sexuellen Identität (die sexuelle Diskrepanz zwischen Natur und Kultur, Lust und Realität, Erleben und Handeln). Die dritte Dimension schließlich ist die Sozio-Sexualität, die aus den Erfahrungen, die wir in Beziehungen machen, besteht. „Kommt es zu Problemen in einer oder mehreren dieser Dimensionen und ist somit die sexuelle Zufriedenheit nicht gewährleistet, kann es zu Krankheiten verschiedenster Art kommen“, erklärt Pfau. So sind zum Beispiel psychosomatische Erkrankungen, die durch eine fehlende sexuelle Gesundheit ausgelöst werden, nicht selten.

Keine Normen. Wichtig ist, dass es in Sachen Sex „keine Normen“ gibt, wie beide Experten betonen. „Als einzige Norm gilt, dass man sich beim Sex wohl und angenommen fühlt“, ist Bragagna überzeugt. Zwar sprechen Experten und Wissenschafter gerne davon, dass man mindestens drei-, wenn nicht gar viermal pro Woche Sex haben sollte, und das mindestens 20 Minuten lang, sodass sich der gesundheitliche Aspekt auch tatsächlich entfalten kann, jedoch „sollte man aus dem Liebesspiel keinen Liebessport machen“, wie es Pfau ausdrückt. Und er fügt hinzu: „Nur wenn man sich fallen lassen kann, funktioniert die Liebesheilung.“ Den Spruch „Willst du gesund sein, dann hab Sex!“ will auch Bragagna so nicht stehen lassen, vor allem deshalb, um nicht noch mehr Druck zu erzeugen: „Sex ist immer dann gut, wenn die Dosis stimmt. Zweimal wöchentlich guter Sex ist mehr wert als fünfmal unbefriedigender.“ Für die Expertin gilt vor allem folgende Grundregel: „Sex plus Sport plus gesunde Ernährung ist am gesündesten!“
Sex schützt das Herz. Wobei: Streng genommen ist Sex eine Art von Sport. Bragagna: „Sex wirkt wie ein Softtraining auf den Körper: die Atem- und Herzfrequenz steigt, die Durchblutung im gesamten Körper wird gefördert, allen voran die des Herzens.“ Allgemein wird beim Sex das Herz-Kreislauf-System angeregt, womit das Liebesspiel eine Art Prävention vor Herzkrankheiten ist: Mehrere US-amerikanische Studien konnten nachweisen, dass sexuell aktive Menschen um bis zu 50 Prozent weniger häufig tödlich verlaufende Herzerkrankungen erleiden. Einer der Gründe ist die während des Sex stattfindende Produktion von Stickstoffmonoxid, das nicht nur für die Erektion des Mannes verantwortlich ist, sondern eben auch Herz-Kreislauf-Krankheiten vorbeugt. Und wenn wir schon beim Gleichnis „Sex ist Sport“ sind: Beim Sex wird durch die Aktivität Fett verbrannt, bei Männern wirkt sich der Akt positiv auf den Muskelaufbau aus. Studien zufolge verbraucht man beim Sex rund 350 kcal, bei einem leidenschaftlichen Zungenkuss circa 20 kcal. Sowohl Bragagna als auch Pfau zweifeln diese Zahlen allerdings an.

Sex schützt vor Grippe und Erkältungen. „Es ist eindeutig belegt, dass Sex das Immunsystem aktiviert und stärkt“, erklärt Pfau. „Durch den Austausch an Körpersäften wird unser Immunsystem mobil und schickt Abwehrzellen gegen mögliche Erreger des Partners aus.“ Schweizer Wissenschafter stellten fest, dass sexuelle Aktivität die Anzahl der weißen Blutkörperchen und der körpereigenen Killerzellen verdoppelt. Auch der Level von Immunglobulin A, das vor Infektionen schützt, erhöht sich durch den Sexualakt. Beim Küssen wird zudem der Speichelfluss angeregt, was sich wiederum positiv auf die Zahngesundheit auswirkt (unter anderem Schutz vor Parodontose).

Sex hebt die Stimmung. Nicht überraschend: Sex macht glücklich und stärkt das Selbstbewusstsein. Grund dafür sind hier verschiedene Botenstoffe, die „dabei“ ausgeschüttet werden, u. a. die „Glückshormone“ Endorphine oder das „Kuschelhormon“ Oxytocin. Pfau nennt aber noch andere Gründe: „Die Aktivierung des Nucleus accubens, des Belohn- und Wohlfühlzentrums, führt zu einer Stimmungsaufhellung. Mit dem Bewusstsein, begehrt zu sein, steigt das Selbstwertgefühl und die Zufriedenheit mit sich selbst.“ Auch ist erwiesen, so der Experte, dass sexuell aktive Personen eher dazu bereit sind, auf ihr Äußeres zu achten, als Personen, die keinen oder nur sehr selten Sex haben – inklusive der Bereitschaft, mehr Sport zu treiben und sich gesünder zu ernähren. Ähnlich wie Sport wirkt Sex zudem antidepressiv und beugt Burn-out vor: Die aktivierten Endorphine sorgen für ein Stimmungshoch. „Menschen mit einem glücklichen Sexualleben haben ein geringeres Risiko, an Depressionen zu erkranken“, so Pfau.

Sex entspannt. Nach dem Sex fühlt man sich vollends entspannt. Unter anderem sorgt der Botenstoff Dopamin dafür, dass Stressgefühle abnehmen. Auch die Wirkung des Stress auslösenden Hormons Cortisol lässt nach dem Orgasmus nach. Die Entspannung wirkt sich auch positiv auf den Körper aus: Studien zufolge ist Sex ein gutes Mittel gegen schmerzhafte Muskelverspannungen. Pfau: „Dank der Endorphine, die ähnlich wie Opioide wirken, hat Sex auch eine schmerzlindernde Wirkung, zum Beispiel gegen Gelenks- und vor allem Kopfschmerzen.“ Eine US-amerikanische Studie fand zudem heraus, dass sexuell aktive Frauen ein deutlich geringeres Risiko für Monatsbeschwerden, aber auch für Osteoporose haben.

Sex verringert Krebsrisiko. Bei Männern senkt Sex laut Studien die Gefahr eines Schlaganfalls (bei drei bis vier Akten pro Woche), und auch Prostatabeschwerden werden durch häufige Ejakulationen reduziert. Einer großen australischen Studie zufolge, an der Männer zwischen ihrem 20. und 50. Lebensjahr teilnahmen, wurde das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, um ein Drittel gesenkt, wenn die Teilnehmer mindestens viermal in der Woche ejakulierten. Auch die Wahrscheinlichkeit einer Prostataentzündung (Prostatitis) wird dadurch verringert. Der Grund: Beim Orgasmus wird die Prostata sozusagen entleert, was diese elastisch hält. Oder um es mit den Worten der Studienleiter auszudrücken: „Je öfter die Leitungen durchgespült werden, umso weniger bleibt darin hängen, was die Zellen schädigen könnte.“

Sex hilft beim Einschlafen. Auch dies betrifft vor allem die Männer: Sex macht schläfrig. „Das durch den Orgasmus aktivierte Hormon Vasopressin lässt Männer schon zwei bis drei Minuten nach dem Akt tief schlafen“, erklärt Pfau. „Der Orgasmus bedeutet für den Mann ein Energieverlust, weshalb er dieses Hormon produziert, das ihm nach dem Sex als Ausgleich in den Schlaf wiegt und für Erholung sorgt.“ Bei Frauen ist das Gegenteil der Fall: Sex wirkt für viele Frauen aufpushend, nach dem Akt verspüren sie ein stärkeres Bedürfnis zu kuscheln als Männer.

Sex macht schön, schlau – und jung. Das nach dem Sex verstärkt ausgeschüttete weibliche Hormon Östrogen (das auch Männer in geringerer Menge besitzen) verbessert die Regenerationsfähigkeit der Zellen und fördert die Bildung von Kollagen, wodurch die Haut länger schön bleibt. Und jung: denn die Östrogene schützen auch vor den freien Radikalen, die für den Alterungsprozess der Haut verantwortlich sind. Auch das Bindegewebe wird gestärkt, was zu weniger Cellulite führt. Zudem hilft häufiger Sex bei Kinderwunsch – und das nicht nur aufgrund der offensichtlichen Gründe: „Studien belegen“, so Pfau, „dass die Samenqualität bereits nach ein bis zwei Tagen ohne Ejakulation sinkt, was sich natürlich auf die Fertilität auswirkt.“ Beim Sex werden auch die Hirnanhangsdrüse und die Zirbeldrüse angeregt, wodurch das Gehirn besser durchblutet wird. Zudem wird beim Orgasmus, erklärt Pfau, das kognitiv-aktivierende Hormon Prolaktin ausgeschüttet. Zum Beispiel wird die Konzentrations- und Gedächtnisleistung durch regelmäßigen Sex verbessert, auch die Kreativität wird angeregt.

Sex verbindet. Zum Abschluss ein bisschen Romantik: Laut Studien sind sexuell aktive Beziehungen stabiler als jene, in denen Sex keine große Rolle spielt. Für Pfau keine Überraschung: „Die Aktivierung des Kuschelhormons Oxytocin führt zu einer Festigung der Partnerschaftsbeziehung und zu einer vertraulichen Bindung zwischen zwei Menschen.“ Und eine glückliche Beziehung ist schließlich grundlegend für körperliche Gesundheit!

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