Samstag, 07. Dezember 2019

SEX - wie im Traum - Flucht aus dem Alltag

Ausgabe 2013/05
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Flucht aus dem Alltag. Wenn man so vor sich hinträumt, fantasiert man sich meist in der Realität völlig unerreichbare Geschichten zusammen, die aber – gerade bei Frauen – auch sehr romantisch sind und bei denen Sinnlichkeit eine große Rolle spielt. „Das ist ein Stück weit auch Flucht aus dem Alltag, ein Heraustreten aus dem eigenen konkreten sexuellen Erleben, das vielleicht gerade nicht so aufregend ist oder bei dem man sich zusätzliche erotische Reize wünscht“, erklärt Schmutzer.
Der deutsche Psychologe Prof. Ulrich Clement meint ergänzend: „Sexfantasien sind oft Wünsche, die nicht realisiert werden müssen. Sie können völlig absurd und weltfremd sein und müssen nicht von der Absicht zu handeln leben.“

Rezeptfreie Selbstmedikation. Offenbar bietet die Fantasie vielen Menschen die Möglichkeit, den Beschränkungen ihres Alltags zu entkommen und neue Partner und neue Techniken auszuprobieren – solche nämlich, zu denen ihnen im wirklichen Leben der Mut oder die Möglichkeiten fehlen. „Viele sexuelle Fantasien enthalten ein Element der Wunscherfüllung, wobei der Orgasmus nur erreicht werden kann, indem der Wunsch in Erfüllung geht“, fand der britische Wissenschaftler Brett Kahr in einer großen  Studie zum Thema heraus (siehe Kasten auf Seite 76). Tatsächlich ermöglichen uns sexuelle Fantasien die Erholung von Alltagsproblemen und führen zu sofortiger körperlicher Entspannung wie auch zu psychischer Erleichterung, wenn uns Ängste, Konflikte oder auch Depressionen zu überrollen drohen. Sie stehen uns sozusagen als rezeptfreie Selbstmedikation zur Verfügung und sind eine Art Weiterentwicklung kindlicher Spiele.

Tabubrüche sind völlig normal. Allerdings gehen manche dieser Fantasien auch weit über die Grenzen des „Erlaubten“ hinaus und erschrecken den oder die Träumer/in. So stellen sich viele Frauen öfter einmal vor, vergewaltigt zu werden, und sie empfinden dabei Lust und Erregung. Und Männer, die das in der Realität niemals tun würden oder wollten, träumen mitunter davon, eine Frau einmal „so richtig ranzunehmen“. Muss man sich deshalb Sorgen machen? Schmutzer kalmiert: „Das ist völlig normal. Fantasie kennt keine Grenzen, und wenn wir auch manchmal versuchen, sie zu kontrollieren, werden dabei doch oft auch Kräfte frei, die diese Kontrolle sprengen.“ Der Sexualpädagoge empfiehlt, diese Fantasien einfach anzunehmen und sie auch zu genießen. Allerdings können extreme Fantasien auch „gefährlich“ sein bzw. einen tiefen, nicht aufgearbeiteten Konflikt oder ein Kindheitstrauma anzeigen. Übrigens: Inhalt und Struktur unserer Fantasien hängen stark von unseren Erfahrungen in Kindheit und Jugend ab, und: Bei durch traumatische Erlebnisse geprägten Menschen können sie auch zerstörerisch auf die eigene Psyche und die Beziehungen zu anderen wirken.

Es fließen lassen. Doch in den meisten Fällen sind Sexfantasien – wie dargestellt – etwas ganz Normales, und sie können auch eine ganzheitlich gelebte Sexualität fördern. Begreift man Lust und Sex mit allen Sinnen, so wird das rein körperliche Miteinander auf ganz natürliche Weise auch Bilder auslösen und umgekehrt. „Es fließen lassen“ ist das von Experten empfohlene Motto!

 

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 SEX - wie im Traum
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