Dienstag, 04. August 2020

Endlich über 45!

Ausgabe 03/2013

Die Angst vor dem Älterwerden ist völlig unbegründet. Behauptet zumindest Bestsellerautorin Margaret Heckel. Denn ab 45 beginnt das Leben erst so richtig – und wir sind glücklicher und zufriedener als je zuvor.


Foto: Can Stock Photo Inc. - wacker

Wenn Frauen und Männer ihre Lebensmitte erreicht haben, dann ist vielen zum Weinen zumute. Nicht erreichte Ziele machen oft zu schaffen. Wir ziehen Bilanz und denken über vergangene Zeiten nach. Wo stehe ich gerade und wo möchte ich noch hin? Psychologen sprechen von einer Midlife-Crisis, also der Krise in der Mitte des Lebens. Dieser Zustand wird gerne Männern zugeschrieben, die sich in ihren „besten Jahren“ plötzlich einen Sportwagen oder eine jüngere Freundin zulegen. Aber selbstverständlich trifft es die Frauen ebenso. Im Gespräch mit GESÜNDER LEBEN erklärt Margaret Heckel, warum wir keine Angst vor der zweiten Lebenshälfte haben müssen. Im Gegenteil: Sie ermuntert alle, sich auf das Älterwerden zu freuen!

GESÜNDER LEBEN: Warum haben wir vor dem Älterwerden so Angst?
Margaret Heckel: Bis jetzt diskutieren wir das Älterwerden ausschließlich mit negativen Begriffen. Wir werden schwächer, unsere Gehirnfunktion lässt nach, wir werden vergesslicher. Und: Das ist jetzt die gute Nachricht, das stimmt alles nicht. Das sind Vorurteile, die die Wissenschaft inzwischen widerlegt hat. Wenn wir uns körperlich fit halten, können wir sehr wohl auch mit 70 noch Marathon laufen. Aber auch unsere kognitiven Fähigkeiten können wir trainieren. Wir lernen zielgerichteter, als wir das in der Jugend gemacht haben.

GL: Sie schreiben, dass man mit 46 Jahren am Glückstiefpunkt angekommen ist. Müssen wir uns davor fürchten?
Heckel: Nein, das ist nur eine statistische Zahl. Man hat weltweit Tausende Menschen befragt und es hat sich herausgestellt, dass diese in ihrer zweiten Lebenshälfte wesentlich glücklicher und zufriedener sind als die Jüngeren. Also, ich würde sagen, jeder, der älter als 46 ist, kann sich freuen, weil es jetzt bergauf geht.

GL: Warum ist das Leben ab dem 50. Lebensjahr viel spannender als in jungen Jahren?
Heckel: Weil man mit 50 Jahren nochmals 20, 30 oder 40 schöne Jahre vor sich hat. Wenn Sie sich überlegen, was sie alles Neues anfangen können – und das bei voller Gesundheit, finde ich das sehr beglückend. Vor allem sind wir mit 50 sehr viel erfahrener und gelassener als noch mit 30 Jahren.

GL: In unserer Gesellschaft werden ältere Menschen aber oft aus dem Arbeitsprozess gedrängt …
Heckel: Man hat älteren Menschen oft eingeredet, dass sie nicht mehr so leistungsfähig und belastbar wären. Neueste Studien konnte dies nicht bestätigen. In Betrieben, in denen ältere Mitarbeiter Wertschätzung erfahren, sind diese genauso produktiv, teilweise sogar produktiver als ihre jüngeren Kollegen. Auch das Vorurteil, dass Ältere häufiger krank werden, stimmt nicht.

GL: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.“ Stimmt das?
Heckel: Nein, das stimmt überhaupt nicht, Hans kann sehr wohl lernen und auch sehr gerne lernen, aber er muss ein Ziel haben. Kinder lernen wie ein Schwamm, die saugen alles auf, was sie hören und sehen. Ältere lernen zielgerichteter.

GL: Welche Wohnmodelle gibt es für ältere Personen?
Heckel: Es gibt inzwischen viele Wohnmodelle. Zum Beispiel das gemeinschaftliche Wohnen, wo jeder seine Wohnung hat, aber sich gegenseitig unterstützt. Sehr viele Familienhäuser sind einfach für das Alter nicht geeignet, weil sie nicht altersgerecht sind und manchmal auch in einem Umfeld liegen, wo es schwer ist, soziale Kontakte zu halten.

GL: Macht ein Wohnungswechsel nicht Angst?
Heckel: Ja. Und weil man diese Angst hat, macht man meistens gar nichts und fällt in eine Angststarre. Man bleibt so lange in der gewohnten Umgebung, bis auch die letzte Freundin gestorben ist, dann kommt der berühmte Oberschenkelhalsbruch und dann das Unweigerliche – das Pflegeheim. Darum ist es wichtig, rechtzeitig nach einer passenden Wohnmöglichkeit Ausschau zu halten.

GL: Das Ende des Jugendwahns – was sagen Sie dazu?
Heckel: Wir haben definitiv ein Ende des Jugendwahns. Es geht heute um die Entdeckung des Lebensabschnitts zwischen 50 und 70 Jahren. Immer mehr Menschen wollen länger arbeiten. Und nicht 30 Jahre lang im Ruhestand sein. Wir können doch nicht 30 Jahre den Rasen mähen, den Gartenzaun streichen oder auf Kreuzfahrt gehen. Das ist langweilig! Das heißt, dass wir länger arbeiten werden und nicht auf die Unterstützung der Gesellschaft angewiesen sind.

 

Buchtipp: Midlife-Boomer

Nie zuvor hatten wir die Chance, so gesund und so lange zu leben. Und doch haben die meisten Menschen Angst vor dem Älterwerden. Viele denken, dass es nur mehr bergab geht. Das stimmt nicht, meint die Journalistin und Buchautorin Margaret Heckel. Die Wissenschaft beweist, das ältere Gehirn ist so leistungsfähig wie das von Jüngeren. Und Statistiken belegen: Jenseits der 50 sind die Menschen glücklicher und zufriedener als je zuvor in ihrem Leben. Es wird Zeit, mit Ängsten und Vorurteilen aufzuräumen.
Edition Körber Stiftung, 218 Seiten, € 18,50

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2020-07-08 130x173Aktuelles Heft 07-08/2020

Die nächste Ausgabe erscheint am 4. September

 

Unsere Ausgabe 06/2020 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Welche Erfahrung haben Sie mit Mobbing/Hass im Internet?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information