Samstag, 14. Dezember 2019

Das ABC der Liebe

Ausgabe 05/2010
Was Sie immer schon über Sex wissen wollten, aber nie zu fragen wagten. Ein Aufklärungsstück in mehreren Akten.

Foto: George Mayer - istockphoto.com

Wonach wir suchen?
Nach Traumfrauen, Märchenprinzen, nach Liebesräuschen in der Endlos- Schleife und Beziehungen, die dem Ideal der ewigen Liebe noch eines draufsetzen. Im Aufbauen von Erwartungen sind wir Spitze, im Enttäuschtwerden und -sein leider auch. Das gilt für das Leben im Allgemeinen und fürs Sexualleben im Speziellen.

Gibt es überhaupt den perfekten Sex? Auf diese Frage gibt die Ärztin, Psycho- und Sexualtherapeutin Dr. Elia Bragagna, Leiterin der neuen Online Plattform Sexmedpedia, gerne folgende Antwort: „Ja, wenn es der Sex ist, der zu mir passt.“ Eine(r) braucht den Orgasmus, andere Zärtlichkeit, andere wieder wilde Turnübungen: Was jede(r) will, ist höchst unterschiedlich. In der Sexualtherapiepraxis hat Bragagna auch festgestellt, dass die Erwartungshaltungen oftmals durch Welten getrennt sind. „Viele Männer denken: Ist der Sex gut, ist die Beziehung gut.“ Bei vielen Frauen verhalte es sich genau umgekehrt: Ist die Verbindung gut, ist es auch der Sex. Die Konsequenz für Spezialistin Bragagna: „Bei diesem Thema reden Frauen und Männer häufig völlig aneinander vorbei.“ Falls Sie überhaupt reden. Gesünder Leben dechiffriert für Sie die wichtigsten Begriffe von A bis Z. Möglicherweise hilft Ihnen das ja ein wenig auf die Liebessprünge.

A wie Antikörper
Sex stärkt das Immunsystem: Wie Schweizer Wissenschaftler herausgefunden haben, erhöht Sex die Anzahl der weißen Blutkörperchen. Sie haben Männern vor und nach dem Orgasmus Blut abgenommen. Fazit: Die Anzahl der weißen Blutkörperchen war danach doppelt so hoch. Wie die Medizin Sex noch wirkt? Sex hellt die Stimmung auf, lindert Stress, und die Ausschüttung von Endorphinen soll auch Schmerzen stillen.

B wie Bindungsfaktor
Sex bindet und kann wie Kitt für eine Beziehung wirken. Vorausgesetzt, es wird das Hormon Oxytocin freigesetzt. Das wird beim Sex gebildet und wirkt sich nachhaltig auf das Treueverhalten aus.

C wie Chlamydien
Sie gelten als eine der häufigsten Geschlechtserkrankungen. Gehören unbedingt bei beiden Geschlechtspartnern behandelt. Wie? Mit Antibiotika.

E wie Erektile Dysfunktion
Auch wenn die Pharmaindustrie es uns gerne so verkaufen würde: „Erektile Dysfunktion war nie die häufigste Sexualstörung bei Männern“, sagt Bragagna und verweist auf das häufigere Problem des vorzeitigen Samenergusses.

F wie Flirten
Flirten lässt das Adrenalin schäumen und versetzt unseren Körper in eine Stresssituation. Das ist unverkennbar. Wer anbandelt, hat weit geöffnete Pupillen, Blutdruck und Herzschlag sind erhöht und die Wangen gerötet. Das ist aber noch nicht alles. Merken wir, dass der ‚andere anbeißt, dann geht’s erst richtig los: Der Dopamin-Spiegel in den Belohnungszentren unseres Gehirns steigt.

G wie G-Punkt
1950 wurde der deutsche Gynäkologe Ernst Gräfenberg bei seinen Nachforschungen nach dem Lustzentrum der Frau fündig. Der nach dem Wissenschaftler benannte G-Punkt soll etwa vier bis fünf Zentimeter vom Scheideneingang hinter der Scheidenvorwand positioniert und für besonders intensive Orgasmen verantwortlich sein. Als gesichert gilt, dass jede Frau einen G-Punkt hat, jedoch nicht jede dessen Stimulation als erregend empfindet.

H wie Hahnenkamm
Die Herren des Mittelalters verspeisten für langes Durchhaltevermögen Hoden und Kamm vom Hahn, in Honig, Zimt und Kurkuma eingelegte Eidechsen oder getrocknete Stier- oder Hirschhoden in ein Glas Wein verrührt. Gott sei Dank können wir unserer Libido heute anders auf die Sprünge helfen: mit Vanille, Chili, Kardamom oder Ingwer zum Beispiel.

I wie Intimpflege
Sprays, Gels, Tücher: Die Industrie predigt Reinheit der weiblichen Vagina. Gynäkologen warnen jedoch: Die Duftstoffe und Co solcher Produkte greifen ein gesundes, also saures Scheidenmilieu mit einem ph-Wert unter 4,5 deutlich an. Die Extraportion Hygiene schadet mehr, als sie hilft, sie kann die Scheide austrocknen und Viren und Bakterien Eingang gewähren, die die Milchsäurebakterien im Normalfall abwimmeln würden.

K wie Kopfarbeit
Sex stimuliert nicht nur unterhalb der Gürtellinie, sondern auch unser Hirn. Was dort passiert? Sind wir auf dem Gipfel, werden Neurotransmitter ausgeschüttet, das Belohnungszentrum

L wie Lustlosigkeit
„Jede vierte Frau klagt über Lustlosigkeit“, so Bragagna. In puncto Ursachen tappt man noch im Dunkeln. Krankheiten wie Leberzirrhose, Schilddrüsenunterfunktionen, Nierenleiden, Alkoholismus oder Depressionen können die Libido bremsen. Aber auch Dauerstress und übertriebene Perfektion dämmen die Lust.

M wie Maiglöckchenduft
Spermien sind wild nach ihm: dem Duft nach Maiglöckchen, den weibliche Eizellen verbreiten. Sie sollen, nehmen sie diesen Duft wahr, dann sogar ihre Geschwindigkeit verdoppeln. Ob das in irgendeinem Zusammenhang mit den Frühlingsgefühlen steht, ist nicht überliefert.

N wie Norm
Die Größe zählt: zumindest bei Kondomen, denn auch die sind, typisch EU, genormt. Seit 2002 lautet das Kürzel: EN ISO 4074. Das Kondom muss demnach mindestens 16 Zentimeter lang sein und je nach Breite ein bestimmtes Mindestvolumen garantieren. Als medizinisch normal gelten Penisse, die im erigierten Zustand zwischen 11 und 16 Zentimeter messen. Errechneter Durchschnittswert: 13,5 Zentimeter.

O wie Orgasmus
Sekundenrausch, Ekstase oder kurzes Zucken: Wer Sex hat, strebt nach dem Höhepunkt: dem Orgasmus. Sexualforscher haben Phasen definiert: Erregung, anhaltende starke Erregung, Orgasmus, Entspannung. Alles kann aber auch ganz anders laufen. Was neben allen Mythen belegt ist: Sind wir erregt, weiten sich die Blutgefäße, und Blut strömt in die Schwellkörper. Penis und Klitoris schwellen an, die Brustwarzen bäumen sich auf, die Vagina wird feucht. Der Orgasmus rückt näher.

P wie Pornografie
Die Auswirkungen der Internetpornografie sind bereits spürbar: „Für viele junge Mädchen ist Analsex bereits eine gängige Praxis. Das ist eine der häufigsten Anfragen junger Mädchen, die unrealistischen Bildern und Klischees nacheifern, die sie im Grunde gar nicht wollen“, warnt die Sexualtherapeutin.

R wie Rechnen
Bragagna: „Sinnlichkeit lässt sich nicht in Zahlen messen.“ Pfeifen Sie auf Statistiken wie drei Mal pro Woche sind super. „Auch wenn jemand nur alle paar Wochen Sex hat, kann der gut sein und man sich sexy fühlen.“ Und: Je öfter heißt ja nicht zwangsläufig desto besser.

S wie Selbstbefriedigung
Langsam verabschiedet sich das Tabuthema aus dem Graubereich. „Ich frage jeden Mann und jede Frau, die in meine Praxis kommen, ob sie sich selbst befriedigen – und damit auch, ob sie ihren eigenen Körper annehmen, akzeptieren und kennen“, betont Ärztin Bragagna.

T wie Trockene Scheide
Es ist für viele Frauen wie ein Teufelskreis: Bleibt die Scheide zu trocken, kann ihre sensible Schleimhaut wundgerieben werden. Die Folge: Ihre Schutzwirkung versagt, alle möglichen Keime finden Eingang, und es kann zu Entzündungen kommen. „Das kann sehr schmerzhaft sein“, warnt die Sexualtherapeutin. Was passiert? „Der Schmerz wird gespeichert, und Frauen vergeht die Lust auf Sex.“ Was hilft? Ursachen abklären lassen und mit Gleitcremen oder medizinischen Präparaten nachhelfen.

U wie Unterdrückung
Wünsche und Vorlieben sollten angesprochen und nicht hinterm Busch gehalten werden. Wer ein erfülltes, gleichberechtigtes Sexualleben führen will, kommt an der Kommunikation über Sex mit dem Partner nicht vorbei.

V wie Vorzeitiger Samenerguss
Ist die häufigste männliche Sexualfunktionsstörung, alleine in Österreich sollen 700.000 Männer, also ungefähr jeder Dritte, daran leiden. Die Symptome: frühzeitige Ejakulation und in Folge, häufig hoher Leidensdruck. „Vorzeitiger Samenerguss kann medikamentös behandelt werden“, beruhigt die Sexualtherapeutin.

W wie Weibliche Ejakulation
Nicht immer muss es der Mann sein, der Spuren am Laken hinterlässt. Auch die Frau kann ejakulieren. Warum manche ein Sekret absondern, ist noch nicht genau erforscht. Man geht jedoch davon aus, dass die weißliche Flüssigkeit in den so genannten paraurethralen Drüsen gebildet wird. Weil diese der männlichen Prostata ähneln, nennt man sie weibliche Prostata.

Z wie Zwangserkrankung
Wer frisch verliebt ist, pendelt zwischen rosa Wolke und zu Tode betrübt. Wie die italienische Psychiaterin Donatella Marazziti herausgefunden hat, machen uns Liebesgefühle völlig besessen von dieser einen Sache. Dabei handelt es sich um einen Zustand, der – in Gehirnscans erforscht – einer akuten Zwangserkrankung nicht unähnlich ist.

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