Dienstag, 22. Oktober 2019

Auch Spaß muss sein!

Ausgabe 03/2013

Lachen ist gesund – dafür gibt es auch viele medizinische Beweise. GESÜNDER LEBEN zeigt, warum es sich für Körper und Geist lohnt, der Welt mit einem Lächeln zu begegnen.


Foto: Can Stock Photo Inc. - wacker

Dass Lachen die beste Medizin sei, ist ein seit Jahrhunderten ungeschriebenes Gesetz des Volksmunds, dem einige vielleicht mit einem verlegenen Augenzwinkern begegnen. Doch: Das Sprichwort ist nicht nur ein leichtfertig dahingesagter Trostspender, sondern hat durchaus seine Berechtigung. Haben Sie beispielsweise gewusst, dass es seit über fünf Jahrzehnten einen eigenen Forschungszweig gibt, der sich mit der Lehre des Lachens beschäftigt? Die sogenannte „Gelotologie“ (von griech. „gelos“ = lachen) untersucht, welche körperlichen und seelischen Auswirkungen das Lachen auf uns Menschen hat. Als Urvater der Lachwissenschaft gilt der Psychiater William F. Fry, der in den 1960er-Jahren an der Stanford University und an seinem eigenen Institut damit begann, auf dem Gebiet zu forschen.

Lachen. Die Fakten.
  • Kinder lachen etwa 300- bis 400-mal pro Tag; Erwachsene nur mehr 15- bis 20-mal.
  • In den 1950er-Jahren wurde täglich noch ca. 18 Minuten gelacht, heute sind es nur mehr knapp sechs Minuten. Analog dazu stieg die Depressionsrate um das Zehnfache an.
  • Verhaltensforscher unterscheiden 18 verschiedene Lach-Arten. Aber nur eine einzige Variante ist Ausdruck ehrlichen Vergnügens.
  • Männer lachen mit mindestens 280 Schwingungen pro Sekunde, Frauen mit mindestens 500.
  • In Gesellschaft lachen wir bis zu 30-mal mehr als alleine.
  • Frauen lachen häufiger als Männer; Führungskräfte seltener als deren Personal.

Training für Atmung und Muskulatur. Worüber wir lachen, ist eine äußerst individuelle Angelegenheit. Nicht jede Situation, nicht jeder Mitmensch und nicht jeder Witz bürgt für generellen Lacherfolg. Fest steht nur, dass das Lachen angeboren ist und nicht erlernt werden muss. „Das erste Lächeln, häufig auch ,Engelslächeln‘ genannt, ist ein Reflex, den Babys nicht bewusst steuern können. Ab dem zweiten Lebensmonat stellt sich das sogenannte ,Vorlächeln‘ ein und wird meist durch den Anblick vertrauter Personen ausgelöst. Zwischen dem fünften und siebten Lebensmonat kann man dann wirklich von einem spezifischen, ursachebedingten Lachen sprechen“, erklärt die Wiener Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie sowie Vorstandsmitglied des österreichischen Vereins CliniClowns, Dr. Suzanne Rödler. Dieses voll ausgeprägte Lachen hinterlässt ein befreiendes Gefühl, das augenscheinlich wird, wenn wir etwas von Herzen lustig finden. Warum, ist nicht weiter verwunderlich: Schließlich passiert während eines Lachanfalls so viel im Körper, das zur anhaltenden Entspannung und damit zu gesundheitlichem Wohlbefinden führt. „Bis zu 300 verschiedene Muskeln werden bei einem Lachvorgang aktiviert“, so Rödler. Allein im Gesicht werden bis zu 17 Muskeln angespannt. Und nicht nur das: Ein herzlicher Freudentaumel verändert auf natürliche Weise den Blutdruck. „Das Herz-Kreislauf-System wird aktiviert, wodurch zunächst der Herzschlag beschleunigt wird, um sich anschließend deutlich zu verlangsamen. Somit wird der Blutdruck gesenkt“, meint die Wiener Lachtrainerin Martha Tanzberger (www.fitlachmit.at).

Lachen Sie sich gesund! Der Puls normalisiert sich und die Bewegung des Zwerchfells bringt Kreislauf und Stoffwechsel in Schwung. Weiters wird die Atmung, die sich vervielfacht und vertieft, enorm angeregt, wodurch es zu einem verstärkten Austausch von verbrauchter, sauerstoffarmer mit frischer, sauerstoffreicher Luft kommt. Tanzberger: „Lachen ist Atem und Atem ist Leben. Die Atmung beim Lachen ist gekennzeichnet durch schnell aufeinander folgende Atemstöße beim Ein- und Ausatmen, bei denen die Luft schon einmal mit bis zu 100 km/h durch die Lungen schießen kann.“ Die Folge dieser „Atemkur“: Verbrennungs- und Verdauungsvorgänge im Körper werden in Gang gesetzt, Cholesterin wird verstärkt ausgeschieden, der Blutzucker gesenkt und die Durchblutung der Muskulatur gefördert. Außerdem wird durch herzliches Gekichere die Immunabwehr gestärkt, da die „körpereigene Polizei“ aktiviert wird. So stellte in den 1990er-Jahren der US-Immunologie Lee S. Berk fest, dass bei lachenden Personen die Produktion von körpereigenen Abwehrstoffen wie Gamma-Interferon und Killer-T-Zellen, die bereits infizierte Zellen vernichten, deutlich ansteigt und noch Tage danach (z. B. nach einem lustigen Kabarettabend oder einem witzigen Film) erhöht feststellbar ist.

Ein Tor zu allen Gefühlen. „Lachen reduziert die Produktion der Stresshormone Adrenalin und Kortisol“, weiß Rödler. „Es ändert die Stimmungslage und gibt neuen Mut; es vertreibt Angst, hebt die Lebensqualität und schafft Freunde.“ Wer oft und gerne lacht, mindert also Stress und wirkt losgelöster. Wissenschaftler haben sogar festgestellt, dass optimistische und fröhliche Menschen weit weniger gefährdet sind, einen Herzinfarkt zu erleiden, als pessimistische. Zurückführen lässt sich diese These auf den angesprochenen Stressabbau, der durch Lachen forciert wird. „Im Gegenzug werden die für den Menschen positiv wirkenden Hormone aktiviert“, betont Dietmar Frey, diplomierter Pädagoge und Lachtrainer bei „smileworks“, der Grazer Agentur für Humor, positive Gefühle und Ich-Entwicklung. „Dabei handelt es sich um das menschliche Wohlfühlhormon Serotonin, das Antriebshormon Dopamin, Endorphine und die ,Mutterdroge‘ Oxytocin, welche die Beziehungsbereitschaft enorm stärkt.“ Diese Hormone haben auch entscheidenden Einfluss auf unsere Gedankenmuster. Sie werden flexibler; neue Perspektiven und Lösungen können leichter erkannt werden. „Wir können alte Verhaltensmuster ablegen und über diesen Weg neue, positive Erfahrungen machen; also auf einfache Weise Dinge in unserem Leben verändern, die uns vielleicht schon lange belasten“, so Frey.

Fünf beste Lachtipps
  • Bringen Sie einmal täglich jemanden zum Lachen.
  • Überraschen Sie jemanden einmal in der Woche mit einer humorvollen Geste.
  • Schauen Sie sich einmal die Woche einen lustigen Film an.
  • Definieren Sie einmal im Monat, welches Lied Sie fröhlich stimmt.
  • Überlegen Sie, was Sie in einer Woche alles zum Schmunzeln und Lachen gebracht hat.

Einfach glücklich. Manche Gelotologen sind der Meinung, dass durch das Wechselspiel der muskulären An- und Entspannung Glückshormone wie Endorphine und Enkephaline produziert werden, die auch schmerzstillende Wirkung haben. Laut einer Studie der Stanford University werden die überraschendsten Erfolge der Lachtherapie bei chronisch kranken Schmerzpatienten durch gezielt eingesetztes Lachtraining erzielt. Britische Forscher der Universität Oxford sind zudem im Rahmen eines Experiments zu dem Ergebnis gekommen, dass 15-minütiges Lachen die Schmerzempfindlichkeit um ein Zehntel reduziert. Die Ursache: ausgeschüttete Endorphine.

Lachen ist ansteckend. Ein weiterer Bereich, in dem Lachen als Medizin dient, ist das Krankenhaus. Spätestens seit dem Film „Patch Adams“ sind uns die Klinik-Clowns, die den oft tristen Spitalsalltag mit gezielt eingesetzten Humor-Visiten aufheitern, ein Begriff. Und: Patch Adams gibt es wirklich. Mit vielen außergewöhnlichen Methoden munterte der amerikanische Arzt Dr. Hunter Doherty in den 70er-Jahren seine Patienten auf, nahm ihnen die Angst, brachte sie zum Lachen und veränderte durch sein Verständnis das US-Gesundheitssystem. Die Stunde der Klinik-Clowns wurde eingeläutet. „Die von Patch Adams angewandten Techniken wie ,Paradoxe Intervention‘ und ,Provokative Therapie‘ basieren darauf, die Patienten aus ihrer Opferrolle zu holen und ihnen zu ermöglichen, wieder über sich selbst zu lachen“, erläutert Lachtrainerin Tanzberger. Und CliniClowns-Vorstandsmitglied Rödler ergänzt: „Eine fröhliche Umgebung beschleunigt den Heilungsprozess. Die Clini-Clowns in Österreich setzen ebenfalls auf diese heilende Kraft des Lachens. 2004 wurde ihr ,Nutzen‘ evaluiert, um zu bestätigen, dass ihre Wirkung bis zu einer Woche anhält.“

Lachen ist ansteckend. Grund genug für viele Mediziner und Psychologen, aber auch für viele Lachtrainer, sich mit der therapeutischen Anwendung von Humor zu beschäftigen und diesen in ihre Behandlungen bzw. Seminare/Kurse zu integrieren. Schließlich ist Lachen ansteckend. „Schon wenn wir ein Lachen hören, werden die Gesichtsmuskeln stimuliert. Lachen ist auch dann ansteckend, wenn wir den Anlass dafür gar nicht kennen“, gibt Tanzberger zu bedenken. Die Antwort nach dem „Warum“ ist erst seit 2006 bekannt, als britische Forscher um Jane Warren entdeckten, dass im Gehirn der prämotorische Cortex – eine Region, in der sogennante „Spiegelneuronen“ platziert sind – stimuliert wird bzw. aktiv ist, wenn wir lächeln. „Wir hängen als Menschen und Menschheit evolutionär bedingt eng zusammen. Wenn wir andere Menschen lachen sehen, wird automatisch ein Gruppengefühl erzeugt. Der US-Komiker Craig Robinson beispielsweise ist ein Spezialist darin, durch sein Auftreten und sein Aussehen andere Menschen zum Lachen zu bringen“, meint auch Mag. Sonia Laszlo, Autorin und Mitglied im Institut für Europäische Glücksforschung in Wien. Insofern beinhaltet Lachen auch eine extrem wichtige soziale Komponente. Wer oft und gerne in Gesellschaft anderer seine Freude laut kundtut, fühlt sich gut und strahlt eine Ausgeglichenheit aus, die auch andere Menschen anzieht.

Bitte lächeln! All die positiven Auswirkungen auf die Gesundheit und unser Wohlbefinden führen dazu, dass Lachen unsere Lebensenergie und die Fähigkeit, gelassen und fröhlich zu sein, erhöht. Es ist Entspannungs- und Atemtraining, Schmerzmittel, Immunstimulanz und Antidepressivum in einem, kostet nichts, ist stets verfügbar und hat noch dazu keine Nebenwirkungen. In diesem Sinne: bitte lächeln!

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