Sonntag, 31. Mai 2020

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26. Januar 2012
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Wer sind die Täter/innen?


Überwiegend (zwischen 80 und 98%) wird sexueller Missbrauch von Männern begangen.

Mädchen werden beinahe ausschließlich von Männern sexuell missbraucht:
  • Rund die Hälfte der Täter sind Vaterfiguren oder Verwandte: Stiefväter, Väter, ältere Brüder, Großväter, Freunde/Lebensgefährten der Mutter, Onkel, Cousins ...
  • Fast die Hälfte der Täter sind nahe Bezugspersonen: Freunde der Eltern, Nachbarn, Lehrer, Babysitter, Erzieher in Heimen, Jugendgruppenleiter, Therapeuten, Ärzte, Pfarrer, Bademeister ...
  • Nur 6–15% sind Fremde, den Mädchen unbekannte Männer.
Auch Buben werden hauptsächlich von heterosexuellen Männern sexuell missbraucht. Meist sind es männliche Verwandte oder nahe Bezugspersonen.

Die Täter
Die Täter kommen zwar aus allen gesellschaftlichen Schichten, haben aber den noch einiges gemeinsam: Sie leben ein perfektes Doppelleben, handeln und denken primär egozentrisch, haben ihre Impulse teilweise gut unter Kontrolle, sind selten im psychiatrischen Sinne in ihrer Persönlichkeit gestört, haben auch nach ihren Delikten kein Schuldgefühl und leugnen und verharmlosen prinzipiell, was sie getan haben. Die Hälfte der Täter beginnt mit den sexuellen „Übergriffen“ bereits als Jugendlicher. Missbrauchstäter finden zu keiner reifen, altersadäquaten Sexualität und missbrauchen daher abhängige Kinder und Jugendliche zur Befriedigung ihrer sexualisierten Machtbedürfnisse.

Aus Untersuchungen kennen wir folgende Tätertypen:
  • Vergewaltigende Missbrauchstäter erleben nur in der aggressiven Sexualität mit Kindern wirkliche Lust.
  • Exhibitionistische Täter lieben die Fantasie, vor Kindern und Frauen ihre Überlegenheit zu beweisen. In Parks oder auf Kinderspielplätzen haben etliche Täter ihre „ersten Erfahrungen“ gesammelt.
  • Pädosexuelle Täter haben eine fixierte sexuelle Orientierung auf Kinder. Sie wollen meist selbst wie Kinder sein.
  • Inzesttäter planen ihre Taten oft jahrelang, überwinden dabei Hindernisse beim Kind, schaffen Gelegenheiten (z. B. dass die Frau aus dem Haus muss) und bringen Kinder in die Situation, sich schuldig zu fühlen. Sie deuten den Missbrauch um und nennen es „verwöhnen“, „die Liebe erklären“ oder „eine besondere Beziehung“.
  • Prädisponierte Täter waren selbst Opfer von psychischem/physischem und/oder sexuellem Missbrauch und richten ihre unverarbeiteten Erlebnisse als sexuelle Gewalt gegen Kinder.

Die Täterinnen
Sexuell missbrauchende Frauen sind innerhalb des Tabuthemas „sexuelle Gewalt“ besonders tabuisiert. Gewalttätige und v. a. sexuelle Übergriffe passen nicht zu einem Rollenbild, das Frauen als fürsorglich, einfühlsam und zärtlich beschreibt. Viele können sich daher nur schwer vorstellen, dass auch Frauen Kinder sexuell missbrauchen. Der Missbrauch ist oft nur schwer zu erkennen, weil Täterinnen sexualisierte Gewalt häufig in Pflegehandlungen (waschen, eincremen etc.) einbinden.

In einer Untersuchung wurden drei unterschiedliche Typen von Täterinnen festgestellt:
  • die ausbeuterische Verführerin – sie benutzt ihre überlegene Position zur ausbeuterischen Verführung von Kindern und Jugendlichen. Diese Form des Missbrauchs, z. B. wenn eine „erfahrene Frau“ einen Heranwachsenden „in die Liebe einführt“, wird sehr oft als Liebesverhältnis missverstanden.
  • die prädisponierte Täterin – sie war meist selbst Opfer von sexuellem Missbrauch und richtet ihre unverarbeiteten Erfahrungen als sexuelle Gewalt gegen Kinder.
  • die vom Mann gezwungene Täterin – sie steht unter dem Einfluss eines oft gewalttätigen Mannes, der sie zwingt, Kinder sexuell zu missbrauchen.

Das Wissen über Täterinnen ist noch sehr gering, weil mit der Forschung zur Thematik erst vor relativ kurzer Zeit begonnen worden ist.


Was sind ihre Strategien?

Sexueller Missbrauch ...
... wird vom Täter vorher geplant, die Opfer haben nur selten eine Chance, sich diesem Vorhaben zu entziehen.
... wird vom Täter so getarnt, dass das Kind nicht weiß, was mit ihm passiert.
... beginnt häufig mit „zufälligen“ sexuellen Berührungen, die vom Täter entweder nicht kommentiert oder als Spiel und Ausdruck großer Zuneigung bezeichnet werden.

Der Täter versucht den sexuellen Missbrauch geheim zu halten:
  • Er versucht beim Opfer ein Gefühl von Gegenseitigkeit herzustellen: Fragen wie „Macht dir das Spaß?“ oder „Findest du das schön?“ geben dem Opfer das Gefühl, für das Geschehene verantwortlich zu sein.
  • Die vom Täter geforderte Geheimhaltung wird mit Drohungen untermauert, die im Opfer Schuldgefühle entwickeln: „Deine Mutter wird krank, wenn sie das erfährt“, „Ich bringe mich um, wenn du das jemandem erzählst“, „Ich komme ins Gefängnis und du in ein Heim“.

Manche Kinder fragen sich, ob sie sich den Missbrauch nur eingebildet haben: Die bisher bekannte Bezugsperson wird durch das unverständliche Verhalten ein stöhnender, bedrohlicher Fremder – der sich nachher noch durch die Erklärung „Niemand wird dir glauben“ – was sich oft bewahrheitet – absichert.

Der Geheimhaltungsdruck ist einer der Gründe für die Sprachlosigkeit und Handlungsunfähigkeit des Opfers.

Geheimhaltung ist eines der zentralsten Merkmale des Missbrauches – auf unterschiedlichsten Ebenen.

Das Geheimnis hinterlässt selten sofort sichtbare Spuren am Körper: Bei 85% der Missbrauchsopfer wird nach außen hin nichts sichtbar, wie es etwa bei Schlägen oder anderen Misshandlungen der Fall wäre.

Die zweite Ebene der Geheimhaltung ist die intrapsychische: Missbrauchte Kinder versuchen so zu tun, als ob ihnen der Missbrauch nicht passiert oder als ob sie nicht dabei wären. Der Missbrauch ist ein traumatisches Erlebnis, d. h., es kommt zu Ereignissen, die ihre Sinne nicht mehr fassen können, Ereignissen, die sie eigentlich nicht mehr aushalten können ...

Um so eine Situation überleben und ertragen zu können, sind Kinder so kreativ, dass sie sich „wegbeamen“ – oder dissoziieren, wie der Fachausdruck lautet: Wenn der Missbrauch beginnt, dann ist es so, als ob sie aus sich selber herausgehen und zur Decke schweben. Dann bleibt unten eine andere Person, und das Kind sieht nicht einmal zu ...

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Zeig mir wie lieb Du bist!
Seite 2 Geheimhaltung
Seite 3 Typische Rechtfertigungen von Tätern


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