Freitag, 13. Dezember 2019

Wie kann sexuelle Gewalt an Kindern verhindert werden?

27. Januar 2012
Seite 1 von 2
Vorbeugung durch Erziehung


Trotz der Thematisierung des sexuellen Missbrauchs bestehen Mythen und Klischees, die aufgelöst werden müssen.

Die traditionelle, aber unzureichende Aufklärung
  • warnt Kinder vor „bösen Fremden“, macht die Täter zu psychisch kranken Männern und enthebt sie so weitgehend der Verantwortung.
  • überträgt die Verantwortung für den Missbrauch weitgehend den Kindern und ihren Müttern.
  • spricht nicht aus, was ihnen die „gefährlichen Fremden“ antun können. Die traditionellen Verhaltensregeln – „nimm keine Süßigkeiten von einem Fremden“ – schränken nur die Bewegungsfreiheit und Selbstständigkeit der Kinder ein, ohne ihnen zu ermöglichen, Ansätze von Gefahr rechtzeitig zu erkennen.

 

Das größte Risiko stellt das sexualfeindliche Klima dar, in dem über Körper und Sexualität nicht gesprochen wird, weil den Kindern die Worte und die Voraussetzungen fehlen, Gefahren zu erkennen, sich gegen Übergriffe zu wehren und rechtzeitig Hilfe zu suchen. Als zweites Risiko tritt die autoritäre Erziehung hinzu, die es dem Kind unmöglich macht, gegenüber Erwachsenen „NEIN“ zu sagen.

 

Sexualerziehung als Aufbau einer Barriere gegen Grenzüberschreitungen
Erziehung gestaltet sich durch Beziehung – besonders, wenn es um Vermittlung von Wissen über den eigenen Körper, den Intimbereich geht.

Sexualerziehung kann somit v. a. auf der Basis tiefen Vertrauens erfolgen, der „professionelle“ Raum von Schule oder Kindergarten allein ist da zu wenig.

Ehrlichkeit, Glaubwürdigkeit und Verständlichkeit sind die Maximen:

  • Ehrlichkeit unter Berücksichtigung des eigenen Intimitätsanspruches.
  • Glaubwürdigkeit durch behutsame Auswahl von Ort, Zeit und Anlass eines Gespräches über Sexualität und deren Natürlichkeit, Sinn und Ästhetik –aber auch deren möglichen Missbrauch und sexuelle Gewalt.
  • Verständlichkeit durch kindgerechte Wort- und Satzwahl.

 

Sexualerziehung wird zu einer Maßnahme der Prävention gegen Missbrauch, wenn sie – als Teil der Erziehung verstanden – Kindern und Jugendlichen von Anfang an jene Beziehung zum eigenen Körper mit all seinen Organen vermittelt, die ihnen Selbstbestimmung auf dem Weg zum Du in all seinen Facetten, auch der erotisch sexuellen, ermöglicht. Dieser früh entwickelte Mut zu Selbstsicherheit und damit auch Verteidigung der Integrität des eigenen Körpers kann Missbrauch und Misshandlung zwar nicht verhindern, er kann aber zumindest eine Barriere gegen Grenzüberschreitung darstellen.

 

Starke und unabhängige Kinder

  • Präventative Arbeit muss Kindern helfen, zu selbstbewussten und selbstständigen Persönlichkeiten zu werden.
  • Unterstützung der Kinder, ihr Recht auf körperliche, psychische und sexuelle Integrität wahrzunehmen und mit Hilfe Erwachsener zu verteidigen: die Stärke der Kinder, ihre Unabhängigkeit und ihre Freiheit zu vergrößern.
  • Vermittlung von Handlungsstrategien stärken ihr Selbstbewusstsein und lehren sie, Situationen zu erkennen, die ihre Rechte bedrohen und verletzen.
  • Prävention fordert Erwachsene. Sie müssen sich das Machtgefälle zwischen Erwachsenen und Kindern bewusst machen. Neinsagen lernen als Präventionsstrategie setzt voraus, dass die Erwachsenen ein NEIN von Kindern akzeptieren und respektieren können.

 

Prävention ist keine punktuelle Maßnahme, sondern eine grundlegende Erziehungshaltung.

 

Lernen, sich zu behaupten: 7 Botschaften an Kinder

Über deinen Körper bestimmst du allein!
Du hast das Recht, zu bestimmen, wie, wann, wo und von wem du angefasst werden möchtest.
Erwachsene müssen lernen, den Körper von Kindern zu respektieren: Oft werden Kinder von Erwachsenen angefasst, geküsst oder hochgehoben, ohne dass auf ihre verbalen oder nonverbalen Zeichen geachtet wird. Ein Kind darf auch ein Geschenk annehmen, ohne dass es dafür Onkel oder Tante umarmen und küssen muss. Kindern muss vermittelt werden, dass sie einzigartig und liebenswert sind. Wenn Kinder auf ihren Körper stolz sind, können sie ihr „kostbares Gut“ besser schützen.

 

Deine Gefühle sind wichtig!
Du kannst deinen Gefühlen vertrauen. Es gibt angenehme Gefühle, da fühlst du dich gut und wohl. Unangenehme und seltsame Gefühle sagen dir, dass etwas nicht stimmt. Es ist gut, wenn du mit uns über deine Gefühle sprichst, auch wenn es schwierige Gefühle sind.
Kinder müssen wissen, dass sie anders fühlen können und dürfen als ihre Eltern. Mit diesem Wissen und dem Ernstnehmen der eigenen Gefühle fällt es ihnen leichter, sich unangenehmen Berührungen mit deutlichen Worten zu entziehen, weil sie nicht befürchten müssen, dass sie deswegen auch von den Eltern oder ihrer Vertrauensperson abgelehnt werden. Wenn Kinder unangenehme Gefühle beachten und ausdrücken können, ist das eine Stufe zum Schutz vor sexuellem Missbrauch.

 

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Wie kann sexuelle Gewalt an Kindern verhindert werden?
Seite 2 Es gibt angenehme und unangenehme Berührungen


logo

Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend
www.eltern-bildung.at
Bestellen Sie weitere Elternbriefe und Tipps für Eltern kostenlos hier

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2019-12 130x173

Aktuelles Heft 12/2019-01/2020

Die nächste Ausgabe erscheint am 7. Februar

 

Unsere Ausgabe 10/2019 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Wie sieht es mit Ihrem Zuckerkonsum aus?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information