Mittwoch, 20. November 2019

Wie kann ich einem betroffenen Kind helfen?

26. Januar 2012
Seite 1 von 3
Wie kann ich sexuelle Gewalt an Kindern erkennen?


Kinder sprechen nicht über sexuellen Missbrauch. Missbrauchstäter/innen versuchen die Kinder zum Schweigen zu bringen und die Kinder haben Angst vor den Folgen, wenn sie sich jemandem anvertrauen, da sie sich oft schuldig und verantwortlich für das Geschehene fühlen und Zweifel haben, ob ihnen geglaubt wird. Hat der Missbrauch sehr früh begonnen, verstehen sie noch nicht, was mit ihnen passiert. Selbst wenn sie schon etwas älter sind, fehlt es ihnen meist an den Ausdrucksmöglichkeiten, um zu erklären, was mit ihnen geschieht.

Obwohl jedes Kind anders auf sexualisierte Gewalt reagiert ist es möglich zu erkennen, dass ein Kind sexuell missbraucht wird, da es durchaus Reaktionen zeigt, die als offene oder verdeckte Hilferufe auf Gewalterfahrungen hinweisen können.

Mögliche Symptome bei missbrauchten Kindern im Alltag ...
  • Sie klammern sich stark an die Bezugsperson/Mutter.
  • Sie wollen nicht mehr allein zu Hause bleiben.
  • Sie wollen nicht mehr allein schlafen.
  • Sie haben Schlafstörungen und Albträume.
  • Sie zeigen plötzliche Verhaltensänderungen.
  • Sie haben Konzentrationsstörungen und Schulleistungsabfall.
  • Sie nehmen an Gewicht ab oder zu oder entwickeln Essstörungen.
  • Sie waschen sich oft oder gar nicht mehr.
  • Sie nässen oder koten wieder ein.
  • Sie lehnen Zärtlichkeiten ab.
  • Sie laufen von zu Hause weg.
  • Sie erzählen sexuelle Geschichten oder benutzen sexuelle Ausdrücke, die ihrem Alter nicht entsprechen und zeigen teilweise sexualisiertes Verhalten.
  • Buben haben Angst, homosexuell zu sein.

Die Schwierigkeit, sexuellen Missbrauch zu „erkennen“, liegt darin, dass es kein so genanntes „Missbrauchs-Syndrom“, d. h. eine Mindestanzahl bestimmter Symptome oder eindeutige Auffälligkeiten gibt, die bei allen betroffenen Kindern auftreten.

Manchmal vertraut sich ein Kind jemandem an, obwohl es sein kann, dass nur ein Teil der Erfahrungen bzw. in der dritten Person darüber erzählt wird. Wichtig ist immer, die Bereitschaft zu zeigen, dass zugehört wird und es der Selbstbestimmung des Kindes/Jugendlichen zu überlassen, wann, mit wem und worüber gesprochen wird.

Grundsätzlich gilt, dass Kinder von sich aus kaum Lügen über sexuellen Missbrauch erfinden.

Wie kann ich bei Verdacht reagieren?
Wir alle neigen in dieser Situation zu Panik: Instinktiv wollen wir das betroffene Kind möglichst schnell und sicher beschützen und vor weiteren Übergriffen bewahren.

Doch Ruhe und Besonnenheit sind in fast allen Fällen wichtig, insbesondere bei „bloßem“ Verdacht. Überreaktion, ungeplantes und in seinen Folgen nicht durchdachtes Vorgehen führt in den meisten Fällen zu weiteren Belastungen des betroffenen Kindes und dazu, dass das Kind nichts mehr sagt, wodurch eine Beendigung des Missbrauchs noch schwieriger wird. Auch kann das Äußern einer voreiligen Vermutung gegen eine falsche Person eine Familie nachhaltig ins Chaos stürzen.

Je nach dem, ob wir für das Kind verantwortlich sind bzw. wie eng der Kontakt zu ihm ist, unterscheiden sich die Möglichkeiten für unser Handeln.

Wesentlich ist es, sich selbst fachliche und emotionale Unterstützung
zu holen! Ein Kinderschutzzentrum oder eine spezielle Beratungsstelle haben Erfahrung in der Beratung bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch.

Wenn Sie als Nachbar/in, Bekannte/r, Verwandte/r der Familie, Tagesmutter oder Leiter/in einer Kinder- oder Jugendgruppe etc. weder „einfach wegschauen“ noch gleich zur Polizei gehen wollen, ist eine Meldung beim Jugendamt eine gute Möglichkeit, eine Abklärung einzuleiten. Das Jugendamt muss Meldungen nachgehen und kann professionell die Situation einschätzen und handeln. Es kann dem Kind bzw. der Familie Hilfe anbieten, wird das Kind nur als letzte Möglichkeit aus der Familie herausnehmen und muss auch nicht unbedingt Anzeige erstatten.

Woher kommt mein Verdacht – wie kann ich ihn beurteilen?
Wenn einem eine besorgniserregende Abweichung des Verhaltens eines Kindes im Umfeld auffällt und man keine plausible Erklärung dafür finden kann, oder wenn man ein ungewöhnliches Geschehen mit einem Kind beobachtet, dann ist es wichtig, dies nicht einfach auf sich beruhen zu lassen.

Wenn diese Beobachtung nun gemeldet werden soll – dem Jugendamt, wenn es in erster Linie um den Schutz des Kindes geht oder der Polizei bzw. der Staatsanwaltschaft, wenn strafbares Verhalten beobachtet wurde –, dann ist es wichtig, möglichst konkrete Angaben machen zu können. Je mehr Fakten den Verdacht abstützen, desto erfolgreicher kann eingegriffen werden.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Wie kann ich einem betroffenen Kind helfen?
Seite 2 Die Vorgangsweise bei Verdacht
Seite 3 Die eigene Betroffenheit und der Umgang damit


logo

Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend
www.eltern-bildung.at
Bestellen Sie weitere Elternbriefe und Tipps für Eltern kostenlos hier

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2019-11 130x173

Aktuelles Heft 11/2019

Die nächste Ausgabe erscheint am 6. Dezember

 

Unsere Ausgabe 10/2019 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Advent/Weihnachten/Jahreswechsel bedeutet für viele Stress pur. Wie gehen Sie damit um?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information