Montag, 26. Oktober 2020

Wer bietet Hilfe und Unterstützung an? - Krankenhäuser, Ärzte und Ärztinnen

27. Januar 2012
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Krankenhäuser, Ärzte und Ärztinnen
Auch Ärzt/innen können Ansprechpersonen bei einem Missbrauchsverdacht sein. Ärzt/innen sind grundsätzlich zur Verschwiegenheit verpflichtet. Ergibt sich jedoch für den Arzt/die Ärztin der Verdacht, dass eine minderjährige Person misshandelt, gequält, vernachlässigt oder sexuell missbraucht worden ist, so hat er/sie Anzeige an die Polizei und Meldung an den zuständigen Jugendwohlfahrtsträger  zu erstatten.


Richtet sich der Verdacht gegen einen nahen Angehörigen, so kann die Anzeige an die Polizei so lange unterbleiben, als dies das Wohl des Minderjährigen erfordert und eine Zusammenarbeit mit dem Jugendwohlfahrtsträger und gegebenenfalls eine Einbeziehung einer Kinderschutzeinrichtung an einer Krankenanstalt erfolgt. Wenn der verdächtige Angehörige nicht (mehr) kooperativ ist, muss der Arzt/die Ärztin Anzeige erstatten.


In den Fällen einer vorsätzlich begangenen schweren Körperverletzung hat der Arzt/die Ärztin auf bestehende Opferschutzeinrichtungen hinzuweisen.

 

Kinderschutzgruppen in den Spitälern
Die Aufdeckung von Gewalt an Kindern und die Einleitung von adäquaten Schutzmaßnahmen sind komplexe Aufgaben. Ein multiprofessioneller Zugang erleichtert es, körperliche, psychische und sexuelle Gewalt am Kind frühzeitig zu erkennen und bei hoher emotionaler Beteiligung im Umgang mit Opfern von Gewalt sachlich zu bleiben. Kinderschutzgruppen als Teil einer Kinderabteilung (Pädiatrie, Kinderchirurgie, Kinder- und Jugendpsychiatrie) haben auch das Ziel, zur Sensibilisierung, Weiterbildung und zu fachlichem Austausch beizu tragen.


Mit dem Bundesgrundsatzgesetz zum Krankenanstaltenrecht (2004) wurden die Länder verpflichtet, in jeder Krankenanstalt, in der eine Kinderabteilung geführt wird, eine Kinderschutzgruppe einzurichten und ihre Aufgaben festgelegt.

 

Kinderschutzgruppen sind informelle, multidisziplinär zusammengesetzte Gruppen an Krankenanstalten, in denen Vertreter/innen verschiedener medizinischer Berufe (Ärzt/innen, Pflegepersonal, MTA, Röntgenassistent/innen etc.), Psychologen/ innen und Sozialarbeiter/innen zusammenarbeiten. Aus juristischer Sicht ist eine KSG ein beratendes Gremium, welches im Auftrag der zuweisenden stationsführenden Ärzt/innen Anamnese und Befunde erhebt, eine Diagnose stellt, eine Einschätzung der Gesamtsituation erarbeitet und einen abschließenden Befundbericht abgibt, der – rechtlich betrachtet – einem Gutachten entspricht. Die Mitglieder der Kinderschutzgruppen treffen sich regelmäßig, wobei die Frequenz von der Anzahl der Verdachtsfälle abhängt. In Krisensituationen wird das Team ad hoc einberufen.

 

Polizei
Erfolgt eine Anzeige wegen sexuellen Missbrauchs von einem Kind bei der Polizei, übernimmt meist eine erfahrene Kriminalbeamtin (die manchmal auch ausgebildete Sozialarbeiterin ist) den Fall.

Zunächst versucht sich die Beamtin ein Bild der Situation zu verschaffen und lädt das Opfer mit einer Vertrauensperson zu einem Gespräch ein. Das Kind kann meist wählen, ob die Vertrauensperson bei dem Gespräch anwesend sein soll oder nicht.

Wichtig ist, dass es der Beamtin gelingt, eine Vertrauensbasis zu dem Kind aufzubauen – das Gespräch wird also mit harmlosen Dingen beginnen und sich vorsichtig dem eigentlichen Thema nähern. Dem Kind bleiben aber unangenehme Fragen in vielen Details nicht erspart. Denn die Basis für das weitere Vorgehen stellt die Glaubwürdigkeit der Antworten dar.

Ist es zu Geschlechtsverkehr gekommen, oder werden körperliche Spuren - etwa von Gewaltan wendung – vermutet, erfolgt eine gynäkologische Untersuchung bzw. eine Untersuchung durch den Amtsarzt/die Amtsärztin. Erhärtet sich für die Kriminalbeamtin der Verdacht, dass sexueller Missbrauch vorliegt, informiert sie die Staatsanwaltschaft und das Gericht (auch während des Journaldienstes), die gegebenenfalls einen Haftbefehl gegen den Täter ausstellen.

Übersicht zu diesem Artikel:
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