Sonntag, 25. Oktober 2020

Wer bietet Hilfe und Unterstützung an? - Beratungs-/Unterstützungseinrichtungen

27. Januar 2012
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Beratungs-/Unterstützungseinrichtungen
Beratungsstellen und Kinderschutzzentren bieten ein breites Spektrum an Unterstützung mit unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkten und Ansätzen sowie unterschiedlichen Zielgruppen an. Der Schwerpunkt ihrer Tätigkeit ist die Begleitung von langfristigen Prozessen bei den Betroffenen.

Die Angebote sind für die Opfer und den nicht missbrauchenden Elternteil – oder die Vertrauensperson des Opfers – zum Teil unentgeltlich und können zeit lich so lange wie notwendig durchgeführt werden. Die Finanzierung erfolgt im Wesentlichen durch staatliche Subventionen.

Für Opfer, Familienangehörige, Vertrauenspersonen des Opfers und den nichtmissbrauchenden Elternteil umfasst das Angebot

  • telefonische und persönliche Beratungsgespräche
  • medizinische und rechtliche Informationsgespräche
  • psychosoziale, psychologische und psychotherapeutische Unterstützung,
  • Krisenintervention,
  • Aufdeckungsgespräche,
  • kurz- und langfristige Einzel- sowie Gruppentherapien,
  • geleitete Selbsthilfegruppen,
  • Prozessvorbereitung und Prozessbegleitung.

 

Für professionelle Helfer/innen werden weiters Fall-/Helfer/innenkonferenzen und Supervision angeboten.

Daneben kümmern sich auf sexuelle Gewalt an Kindern spezialisierte Einrichtungen um Präventionsarbeit im weiteren Sinne. Sie veranstalten Schulungen für relevante Berufsgruppen und Interessierte und stehen für Referate und Vorträge zur Verfügung. Im schulischen und außerschulischen Bereich werden Workshops für Kinder angeboten, um mit ihnen zu erarbeiten, wie sie auf Grenzverletzungen reagieren können, und um ihre eigenen Fähigkeiten, sich zu wehren, zu stärken.

Die Kinderschutzzentren helfen unmittelbar, unbürokratisch, niederschwellig und kostenlos in akuten Krisen und bei allen Formen von Gewalt gegen Kinder. Einige bieten auch langfristige Beratungen und Psychotherapie für alle Betroffenen an und unterstützen Personen, die Gewalt an Kindern oder Jugendlichen wahrnehmen und verhindern möchten.

Die Kinder- und Jugendanwaltschaften setzen sich für die Wahrung der Rechte von Kindern und Jugendlichen ein und vermitteln bei Konflikten mit Erwachsenen und Behörden. Sie stehen den Kindern vor allem in sehr schwierigen Situationen wie Gewalt, Missbrauch und Diskriminierung zur Seite.

Einige Beratungsstellen, insbesondere Männerberatungsstellen, bieten Informationsgespräche, Beratungen und Therapie für Täter an.

Psychotherapeutische Einrichtungen
Psychotherapie für Opfer von Missbrauch

Wunden heilen bedeutet, wieder vertrauen zu lernen

Durch sexuellen Missbrauch ist nicht nur ein Kind missbraucht worden, sondern

  • auch die Mutter ist oft in ihrer Sexualität, ihrer Beziehung zum betroffenen Kind und den anderen Kindern, in ihrer eigenen Rolle und dem Verhältnis zum Partner und vielleicht zu Männern im Allgemeinen erschüttert.
  • es haben sich die Familienbeziehungen verändert und verändern sich durch die Aufdeckung neuerlich: Die Familiengeschichte muss uminterpretiert werden.
  • auch das Verhältnis des missbrauchten Kindes zur Mutter/zu den Eltern ist
    gestört:

 

In der Psychotherapie geht es um die emotionale und kognitive Einordnung des Geschehenen und oft auch um das Verstehen, was da passiert ist.

Psychotherapie übernimmt eine Mittelrolle zwischen Gesellschaft und dem Einzelnen bzw. der Familie, der/die zur Therapie kommt. Therapeut/innen unterstützen die Betroffenen beim Zurückfinden in gesellschaftlich akzeptable Formen von Nähe und Sexualität. In der Theorie geht es um Neukonstruktion von Beziehungen und im Speziellen um Familienbeziehungen, weil die Familie lernen muss, damit umzugehen.

Die immer wieder auftretenden Themen in der Psychotherapie sind:

  • die gemachten Erfahrungen aussprechen: Die heimliche Geschichte zu fassen und dabei ein Stück begreifbarer zu machen, was da passiert ist.
  • ein Gefühl für Gefahr, für Schutz, für Grenzziehungen und sichere Formen von Nähe und Intimität zu entwickeln: das Erfassen der Schwierigkeit zwischen Nähe und gefährlicher Nähe, von guter und schlechter Berührung. Bei länger dauerndem Missbrauch ist dies oft zusätzlich dadurch erschwert, dass die Körpergefühle „abgedreht“ wurden und nun erst wieder eine Beziehung zum eigenen Körper aufgebaut werden muss.
  • die Verunsicherung des Kindes beseitigen: Verheimlichung und doppelte Moral – das Besonders-Sein und gleichzeitig Verdammt-Werden – hinterlässt Spuren. Nach der Aufdeckung wird wiederum vieles in ein anderes Licht gestellt. Das führt zu Verunsicherung in Wahrnehmung, Bewertung und Verhalten.
  • der innere Schutz: Schutz ist eine innere Sache, das psychologische „Sichsicher-Fühlen“ folgt anderen Kriterien als gesetzlichen Bestimmungen: Auch ein Täter, der eingesperrt ist, kann eine Bedrohung für ein Kind sein.


Parteiliche Beratung
Dabei wird mit den Beteiligten getrennt gearbeitet. Die räumliche Trennung von Täter und Opfer ist nach diesem Modell Voraussetzung für die Aufarbeitung des Missbrauchs. Die Gefahr, dass der Täter die Familie während der Beratung weiter manipuliert und den Missbrauch fortsetzt, soll auf diese Weise verhindert werden. Psychotherapie ist immer ein langwieriger Prozess, eine Hilfe für innere Prozesse der Klienten, für das Verstehen und Lernen von alternativen Beziehungselementen.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Wer bietet Hilfe und Unterstützung an?
Seite 2 Beratungs-/Unterstützungseinrichtungen
Seite 3 Krankenhäuser, Ärzte und Ärztinnen


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