Dienstag, 12. November 2019

Wer bietet Hilfe und Unterstützung an?

27. Januar 2012
Seite 1 von 3
Niemand kann sexuellen Missbrauch alleine aufdecken, beenden und allein die Folgen abfangen: Daher gibt es eine Reihe von staatlichen und privaten Stellen, die, von verschiedenen Ansatzpunkten her, kindlichen Opfern sexueller Gewalt, anderen Betroffenen und den Tätern zur Verfügung stehen. Die verschiedenen Einrichtungen sind vernetzt und arbeiten zunehmend zusammen.

Je nach Phase der Aufdeckung des Missbrauches bieten folgende Stellen Unterstützung an:
  • das Jugendamt – unter verschiedenen Bezeichnungen,
  • Kinderschutzzentren und andere spezialisierte Beratungs- und Unterstützungseinrichtungen
  • therapeutische Einrichtungen
  • Ärzte/Ärztinnen und Krankenhäuser (Kinderschutzgruppen)
  • Polizei

Die Zielsetzung ist allen gleich: den Opfern so viel Schonung wie möglich zukommen zu lassen, erneute Traumatisierungen zu verhindern und den betroffenen Kindern optimalen Schutz zu gewähren.

Jugendamt
Zuständig für die Jugendwohlfahrt sind die Magistrate und Bezirkshauptmannschaften. Wesentliche gesetzliche Grundlage für die Arbeit der sog. „Jugendämter“ (die je nach Bundesland unterschiedlich bezeichnet werden) ist das Jugendwohlfahrtsgesetz von 1989 – mit den Ausführungsgesetzen in den neun Bundesländern.

Die Jugendämter beraten und unterstützen die Familien bei der Erfüllung ihrer Aufgaben in der Pflege und Erziehung minderjähriger Kinder. Sie haben jedenfalls dann die Verpflichtung einzuschreiten, wenn und insoweit die Erziehungsberechtigten das Wohl des Minderjährigen nicht gewährleisten, wobei in familiäre Bereiche und Beziehungen grundsätzlich nur insoweit einzugreifen ist, als dies zum Wohl der Minderjährigen notwendig ist. Dies ist besonders dann der Fall, wenn zur Durchsetzung von Erziehungszielen Gewalt angewendet oder körperliches oder seelisches Leid zugefügt wird.

Im Wesentlichen bestehen die Möglichkeiten des Jugendamtes in

  • Beratungsgesprächen,
  • Hausbesuchen,
  • psychologischen Interventionen bis hin zur
  • Fremdunterbringung, d. h. Herausnahme des Kindes aus der Familie.

Von den zur Verfügung stehenden Mitteln ist die jeweils gelindeste, noch zum Ziele führende Maßnahme zu treffen.

Das Jugendamt hat Meldungen über den Verdacht der Vernachlässigung, Misshandlung oder des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen, welche gemäß § 37 JWG (siehe Anhang Gesetzestexte) oder aufgrund berufs rechtlicher Ermächtigungen oder Verpflichtungen an den Jugendwohlfahrtsträger erstattet werden, personenbezogen zu erfassen und unverzüglich zu überprüfen.

Was geschieht beim Jugendamt?
Die meisten Meldungen über sexuellen Missbrauch kommen als anonyme Anzeigen aus der Umgebung des Kindes, aus der Familie, oft aber auch von Lehrer/innen, Kindergärtner/innen etc. Meldet eine Person dem Jugendamt einen Missbrauchsverdacht, so wird diese zunächst unterstützt, den Kontakt zum Kind zu erhalten, da jemand, der Missbrauch „bemerkt“ oder vermutet, meist eine wichtige Vertrauensperson für das betroffene Kind ist. Die äußeren Verdachtsmomente werden hinterfragt, und über weitere Schritte bzw. Hilfsangebote wird beraten.


Bevor Maßnahmen gesetzt werden, sieht das Jugendwohlfahrtsgesetz vor, dass das Kind angehört wird. Das über 10-jährige Kind ist auf jeden Fall, das unter 10-jährige Kind ist nach Maßgabe seiner Entwicklungsreife zu hören. Erhärtet und bestätigt sich dabei der Verdacht, wird gehandelt:

  • Nach Möglichkeit wird eine intensive Zusammenarbeit mit der Mutter angestrebt (bei innerfamiliärem Missbrauch meist nach intensiven Gesprächen, um sie in ihrer Verantwortung dahingehend zu stärken, ihr Kind künftig vor weiteren Übergriffen zu schützen).
  • In vielen Fällen wird eine Helfer/innenkonferenz organisiert, in der es darum geht, diverse Kontaktpersonen des Kindes (Kindergärtner/in, Lehrer/in bis etwa hin zur Leiter/in der Jugendgruppe) und Professionist/innen (Psycholog/innen, Psychotherapeut/innen, auch von den freien Trägern) in ihrem weiteren Vorgehen zur Unterstützung des Kindes zu koordinieren.
  • Unter bestimmten Umständen (§ 84 StPO) kann das Jugendamt von einer polizeilichen Anzeige absehen. Dies geschieht insbesondere dann, wenn die Anzeige und ein Gerichtsverfahren dem Kind absehbar mehr schaden als nützen würden, der Täter sich zu seiner Tat bekennt, die Verantwortung dafür übernimmt und bereit ist, sich einer Therapie zu unterziehen. Diese Vereinbarungen werden schriftlich festgehalten und durch das Jugendamt kontrolliert.
  • Parallel dazu erfolgen Maßnahmen zur Verhinderung weiterer Übergriffe: getrennte Wohnarrangements, Kontakte mit dem Kind ausschließlich in Anwesenheit Dritter, völliges Kontaktverbot, wenn dies vom Opfer gewünscht wird. Wenn es notwendig ist, auch – zumindest vorübergehende – Unterbringung des Kindes außerhalb der Familie.
  • In der Mehrzahl der Fälle erfolgt jedoch eine Anzeige, da im Hinblick auf das Verhalten der Täter nicht davon abgesehen werden kann. Auch und gerade dann ist primär der Schutz des Kindes zu sichern.
  • Trotz der rechtlichen Bestimmungen zum Schutz der Opfer stellt eine Gerichtsverhandlung eine massive Belastung dar, sodass die Betroffenen dabei einer umfassenden Begleitung und Unterstützung bedürfen. Opfer und die übrigen Mitglieder des Familiensystems brauchen von Anfang an eine professionelle therapeutische Unterstützung. Trotz des Angebotes des Jugendamtes übersteigt der Bedarf in vielen Fällen die Ressourcen, sodass eine enge und gut koordinierte Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen (Beratungsstellen) hilfreich und zielführend ist.

 

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Wer bietet Hilfe und Unterstützung an?
Seite 2 Beratungs-/Unterstützungseinrichtungen
Seite 3 Krankenhäuser, Ärzte und Ärztinnen


logo

Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend
www.eltern-bildung.at
Bestellen Sie weitere Elternbriefe und Tipps für Eltern kostenlos hier

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2019-11 130x173

Aktuelles Heft 11/2019

Die nächste Ausgabe erscheint am 6. Dezember

 

Unsere Ausgabe 10/2019 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Advent/Weihnachten/Jahreswechsel bedeutet für viele Stress pur. Wie gehen Sie damit um?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information