Sonntag, 31. Mai 2020

Kleine Kinder … kleine Probleme – große Kinder … auch nicht schlimm

24. Januar 2012
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Vorbild, Spielgefährte, Beschützer, Gesprächspartner, Reibebaum, Wegweiser … bei so vielen unterschiedlichen Rollen dürfen Mama und Papa schon einmal unsicher sein.

Illustration: Carola Holland
„Geh weg! Geh weg!“, schreit Bettinas 11-jährige Tochter Pia, während sie ihr gleichzeitig die Arme um den Hals schlingt und sich festklammert. Bettina muss lächeln, weil die Kleine – oder doch schon Große? – so gar nicht weiß, was sie will. Typisch Pubertät, denkt sie, und streicht ihr einfach ruhig über den Kopf.

Bettina konnte nicht immer so gelassen reagieren. Als sie mit 41 ihr erstes und einziges Kind bekam, war sie bei jeder Kleinigkeit verunsichert. „Pia war mit dem Krabbeln extrem spät dran. Ich habe das sofort darauf zurückgeführt, dass wir späte Eltern sind. Wir haben sie zu viel herumgetragen, dachte ich. Wahrscheinlich, weil wir nicht wissen, wie man heutzutage alles richtig macht.“ Erst als Bettina die um zehn Jahre jüngere Alleinerzieherin Martina kennen lernt, geht ihr ein Licht auf: „Martina wiederum hat jede Kleinigkeit damit erklärt, dass ihr Sohn ohne Vater aufwächst. Erst da ist mir aufgefallen, dass sich Kinder unabhängig von ihrer Familiensituation eben unterschiedlich entwickeln.“

Kinder folgen, egal wie alt die Eltern sind, einem einzigartigen inneren Entwicklungsplan. Das eine bekommt früher Zähne, und das andere lernt rascher gehen. Das dritte wird schneller selbstständig, während das vierte früher spricht. Vertrauen Sie darauf: Alles, was Sie brauchen, um gute Eltern zu sein, bringen Sie schon mit. Ihr Plus an Lebenserfahrung ist ein zusätzlicher Vorteil. Wenn in der Erziehung einmal nicht alles rund läuft, fragen Sie sich, wo Ihr Kind in seiner Entwicklung gerade steht. Beziehen Sie Probleme nicht auf sich selbst als späte Eltern!

Elena ist stolz darauf, nach ihrem 40. Geburtstag zweimal Mutter geworden zu sein. Ihr Sohn ist zwei Jahre alt, ihre Tochter zwei Monate. „Ich wollte die perfekte Mutter werden. Mein Leben war geordnet, ich hatte alles im Griff. Die Mutterschaft betrachtete ich als nichts anderes als einen neuen Job.“

Doch schon beim ersten Kind war die Realität eine große Überraschung: „Mein Sohn schrie viel, überall waren Wäscheberge, zum Kochen war keine Zeit, und um 12 Uhr Mittag war ich noch nicht einmal geduscht.“

Elena hat daraus gelernt. Bei ihrer Tochter ist es ihr gelungen, schon vor der Geburt ein Netz aus Helfern und Helferinnen aufzubauen. Die Omas helfen beim Bügeln, bringen öfter etwas zum Essen und passen auf den Sohn auf. Der Vater macht die Einkäufe, und sie leisten sich stundenweise eine Haushaltshilfe. Elena sagt: „Seit ich Unterstützung annehmen kann, bin ich viel entspannter. Das überträgt sich auf die Kleinen. Obwohl ich jetzt zwei Kinder habe, ist der Alltag weniger anstrengend, als er es mit nur einem Baby war.“

Tipps
1. Lebensjahr:
  • Vertrauen Sie darauf, dass die Natur Sie auf die Elternrolle vorbereitet hat.
  • Schaffen Sie für die erste Zeit mit dem Baby eine geschützte Atmosphäre, in der Sie sich störungsfrei aneinander gewöhnen können.
  • Verteilen Sie die Belastung durch Kind und Haushalt so, dass sie Ihnen beiden gerecht erscheint. So können Sie viele Konflikte vermeiden.
  • Versuchen Sie erst gar nicht, perfekte Eltern zu werden. Die gibt es nicht! Sie dürfen Fehler machen. Wichtig ist nur, dass Sie aus den Fehlern lernen.
  • Erfreuen Sie sich an Ihrem Kind und lassen Sie sich von ihm überraschen. Ihr Kind hat von sich aus das Bedürfnis, sich bestmöglich zu entwickeln. Es geht weniger darum, Ihrem Kind etwas beizubringen, sondern eher um eine liebevolle Begleitung.
  • Sie haben ein gutes Gespür, was Ihr Kind braucht. Sie werden bald herausgefunden haben, wann Ihr Kind Nähe und wann es Freiraum benötigt.
  • Planen Sie gegelmäßige Auszeiten. Einen 24-Stunden-Job, 7 Tage die Woche hält niemand durch.

Trotzalter:
  • Geben Sie Ihrem Kind die Möglichkeit, seine Eigenständigkeit zu üben. Lassen Sie es immer wieder kleine Entscheidungen selbst treffen.
  • Überlegen Sie genau, welche Grenzen nötig sind, um Ihrem Kind Schutz und Orientierung zu bieten, und bleiben Sie dabei.
  • Zu viele „Neins“ können Trotzreaktionen verstärken – genauso wie „unlogische“, weil ständig wechselnde Verbote.
  • Wenn Sie merken, dass sich ein Trotzanfall anbahnt, können Sie Ihr Kind vielleicht noch ablenken.
  • Aus einem Trotzanfall muss Ihr Kind selbst herausfinden. Sie können nur möglichst ruhig abwarten. Wenn alles vorbei ist, braucht Ihr Kind Zuwendung und eventuell Trost und Körperkontakt. Es muss sich verlassen können, dass es Ihre Liebe nicht verliert, wenn es selbstständig wird.

Übersicht zu diesem Artikel:
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