Pubertät

07. Februar 2012
Jeder Mensch verändert sich kontinuierlich. Der Körper genauso wie die Psyche. In manchen Lebensphasen passiert aber besonders viel in kurzer Zeit. Zu solchen Lebensphasen gehören die Veränderungen während der Pubertät, aber auch während der Schwangerschaft und während der Wechseljahre. Die äußerlichen Veränderungen werden von anderen deutlicher wahrgenommen. Dies kann manchmal angenehm, aber auch lästig sein.


Körperlich wird als Beginn der Pubertät bei Burschen der erste Samenerguss und bei Mädchen die erste Regelblutung gesehen. All das sagt aber nichts über die weitere körperliche Entwicklung und die innere Reife aus. Konkret heißt das: Bei jedem/jeder läuft diese Zeit anders ab. Auch wenn andere glauben, über dich alles zu wissen, lass dich dadurch nicht aus dem Konzept bringen. Du bist auf deinem eigenen Weg. Vielleicht kann es ja auch mal ganz angenehm sein, in so manchen Fragen von anderen unterstützt zu werden. Deine Meinung bildest du dir dann aber selbst.

Jede körperliche Entwicklung ist durch Erbfaktoren festgelegt und kann durch nichts beeinflusst werden. Auch nicht durch sexuelle Erfahrungen wie Selbstbefriedigung oder Petting, wie so oft und gern erzählt wird.

Was sich wann und wie verändert, läuft bei jedem Menschen anders ab. Es gibt auch keine genauen Regeln, wie der Körper dann aussehen wird. Manchmal kann es verunsichern, wenn man merkt, dass bei den anderen die Dinge anders laufen als bei einem selbst. Was bei allen gleich verläuft, sind hormonelle Umstellungen im Körper, die sich in vielen kleinen Veränderungen zeigen.

Wie ist das bei Mädchen?
In der Pubertät beginnt der Busen zu wachsen. Wie sich der Busen entwickeln wird und wann er zu wachsen beginnt, ist bereits von Geburt an festgelegt und kann von dir durch nichts beeinflusst werden. Bei einigen beginnt das Wachstum in der Volksschule, bei anderen viel später. Es kann sein, dass sich die Brüste unterschiedlich schnell entwickeln. Auch wenn das Busenwachstum abgeschlossen ist, können die Brüste unterschiedlich groß sein.

Hüften und Po werden runder und geben dem Körper sein weibliches Aussehen. Schamhaare und Achselhaare beginnen zu wachsen. Manche Mädchen rasieren sich Achsel- und Schamhaare. Aus hygienischen Gründen ist das aber nicht notwendig. Auch das Geschlechtsorgan entwickelt sich weiter: Die Haut wird dunkler und die Form der Labien (=Schamlippen) verändert sich.

Das Einsetzen der ersten Regel erfolgt meist zwischen 10. und 16. Lebensjahr. Einige Zeit vor der ersten Regelblutung kommt es bei den meisten Mädchen zu einem glasig-weißlichen Ausfluss (sog. Weißfluss) aus der Scheide. Es kann auch sein, dass die Regelblutung bereits das erste Mal eingesetzt hat und dann Monate auf sich warten lässt. Wenn sich die Regel bis zum 16. Lebensjahr nicht eingestellt hat, rede mit einem/einer Frauenarzt/-ärztin.


Wie ist das bei Burschen?
In der Pubertät beginnen Penis und Hoden zu wachsen. Ab wann und wie Penis und Hoden zu wachsen beginnen ist ganz unterschiedlich, von Geburt an festgelegt und kann von dir durch nichts beeinflusst werden. Während des Wachstums kommt es zu Hautveränderungen des Penis. Die Haut sieht an manchen Stellen etwas dunkler aus, und es können sich kleine weiße Punkte bilden.

Die Körper- und Schambehaarung sowie der Bartwuchs setzen ein. Durch die Vergrößerung des Kehlkopfes kommt es zum so genannten Stimmbruch.  Die Stimmbänder verlängern sich, und die Stimme wird tiefer. Bis diese Entwicklung abgeschlossen ist, wechselt die Stimmlage immer wieder plötzlich von tief auf hoch.

Bei den meisten Burschen kommt es zwischen dem 11. und 16. Lebensjahr zum ersten Samenerguss. Das kann während des Schlafens geschehen oder z.B. bei der Selbstbefriedigung.

LABIEN, KITZLER UND JUNGFERNHÄUTCHEN
Die großen (äußeren) Lippen umschließen die kleinen (inneren) Lippen. Dort wo die inneren Lippen zusammengewachsen sind, gibt es einen Bereich, der Klitoris, auch Kitzler genannt wird. Die Klitoris ist der sensibelste Bereich für lustvolle Berührungen. Die Klitoris umfasst aber nicht nur diesen kleinen Bereich, sondern erstreckt sich nicht sichtbar nahezu um den gesamten Scheideneingang (sog. Klitorisschwellkörper und -schenkel). Unterhalb der sichtbaren Klitoris befindet sich die Harnröhrenöffnung, danach die Scheidenöffnung, die größer ist als die Öffnung der Harnröhre. Der Scheideneingang ist vom so genannten Jungfernhäutchen (Hymen) teilweise verschlossen.

SCHEIDE
Die Vagina (Scheide) ist etwa 10 cm lang und wird von Teilen der Beckenbodenmuskulatur umgeben. Die Scheidenwände liegen daher immer eng aneinander an. Bei körperlicher sexueller Erregung kann die Vagina den Penis aktiv aufnehmen. Am Ende der Scheide befindet sich der Muttermund, der untere Teil der Gebärmutter. Die winzige Öffnung des Muttermundes ist nur für Samenzellen durchgängig, die Scheide ist daher ein abgeschlossener Höhlenraum.

GEBÄRMUTTER, EILEITER UND EIERSTÖCKE
Die Gebärmutter hat etwa die Größe und Form einer kleinen Birne, deren schmäleres Ende nach unten gerichtet ist. Vom oberen Ende der Gebärmutter führt rechts und links je ein Eileiter zu einem Eierstock. In jedem der beiden Eierstöcke eines Mädchens sind bereits vor der Geburt etwa 200.000 noch unreife Eizellen vorhanden. Ab der Pubertät reift jeden Monat in einem der beiden Eierstöcke eine Eizelle heran.

Sexuelle Lust bei Mädchen
Sexuelle Lust bedeutet, dass die Lust im Geschlechtsorgan spürbar wird. Dadurch kommt es zu einer körperlichen Erregung. Die Scheide wird feucht, weich und kann den Penis aktiv aufnehmen. Manchmal ist keine Lust im Geschlechtsorgan spürbar, obwohl Lust in den Gedanken vorstellbar und auch vom Liebesgefühl her gewünscht ist. Dann kann es angenehm sein, die Nähe des Anderen zu genießen, direkte Berührung an der Scheide ist dann meist nicht passend. Sexualität, bei der die Scheide beteiligt ist, ist daher nur möglich, wenn genau dort die Erregung auch spürbar ist. Voraussetzung für Sex ist ein Zusammenspiel von Kopf, Gefühl und Körper. Wenn die körperliche Lust in einer bestimmten Situation fehlt, kann sie nicht durch den Kopf erzwungen werden und es sagt nichts über die Echtheit der Gefühle aus. Sexuelle Lust ist daher nicht planbar und kann auch nicht als Liebesbeweis eingesetzt werden.

Lust kannst du am ganzen Körper spüren, das Zentrum der Lust ist der Kitzler (Klitoris). Wenn dieser durch Berührung besonders erregt wird, kannst du so auch zum Höhepunkt (Orgasmus) kommen.


Jungfernhäutchen
Das Jungfernhäutchen – auch Hymen genannt – liegt direkt beim Scheideneingang. Meist ist es lediglich ein dünner Hautring, der den Eingang der Scheide kaum verkleinert. Aus diesem Grund reißt das Jungfernhäutchen bei der Mehrzahl aller Frauen beim Geschlechtsverkehr gar nicht ein. Nur wenn dieser Hautring stärker ausgeprägt ist, kann das Jungfernhäutchen beim ersten Mal einreißen und bluten. Ist die Scheide sexuell erregt, wird dies wenig spürbar sein.
love

Wenn das Mädchen beim ersten Mal nicht blutet, kann man daraus nicht schließen, dass das Mädchen schon einmal mit jemandem geschlafen hat.

Was passiert beim „Zyklus“?
Den Zeitraum zwischen dem ersten Tag der Regelblutung und dem letzten Tag vor der nächsten Regelblutung bezeichnet man als Zyklus. Hat sich dieser einmal eingespielt, so beträgt die Zykluslänge zwischen 25 bis 35 Tagen. Bei Mädchen, die erst seit kurzem die Regel haben, schwankt die Zykluslänge oft sehr. So kann es sein, dass die nächste Regel zwei Monate auf sich warten lässt oder schon nach zwei Wochen wieder kommt.

zyklusIn jedem Zyklus, egal ob kürzer oder länger, läuft aber dasselbe ab:
Nach etwa vier bis fünf Tagen Regelblutung (Menstruation) hören die Blutungen auf. Dann beginnt in einem der beiden Eierstöcke eine Eizelle heranzureifen. Zuerst ist sie samt ihrer schützenden Hülle etwa so klein wie eine Stecknadelspitze, doch in einigen Tagen füllt sich das Eibläschen mit Flüssigkeit und wird größer – bis zu 2 cm Durchmesser.



Während dieser Zeit spielt sich unbemerkt einiges im Körper ab: Die Gebärmutterschleimhaut – die zuvor bei der Regelblutung abgestoßen wurde – wird wieder aufgebaut. Der Schleimpfropfen (Zervixschleim), der den Gebärmuttermund verschlossen hat, verflüssigt sich, und dadurch wird der Weg in die Gebärmutter für die Samenzellen frei. Damit beginnen die Tage, an denen das Mädchen bei einem Geschlechtsverkehr schwanger werden könnte – die fruchtbaren Tage!

Zirka 12-16 Tage vor dem Einsetzen der nächsten Regelblutung platzt das reife Eibläschen – das ist der „Eisprung“: Der Zeitpunkt des Eisprungs kann sich mit dem Zyklus verschieben und ist daher nie vom ersten Tag der Regelblutung an berechenbar. Das Ausrechnen der fruchtbaren Tage ist kein sicherer Schutz vor Schwangerschaft.
 
Wenn du nicht schwanger bist, wird die aufgebaute Gebärmutterschleimhaut wieder abgestoßen – eine neue Regelblutung und damit ein neuer Zyklus beginnt. Die Blutmenge (plus der aufgelösten Gebärmutterschleimhaut und Flüssigkeiten aus der Scheide und Gebärmutter) beträgt pro Regelblutung etwas weniger als 1/8 Liter, davon fast die Hälfte am ersten Tag. Die Farbe kann ganz unterschiedlich sein, hell oder dunkel, rötlicher oder mehr braun.

blutungDas ist kein „schlechtes Blut“, wie man durch Jahrhunderte glaubte, sondern ganz normales, vermischt mit Teilen der Gebärmutterschleimhaut und verschiedenen Körperflüssigkeiten.

Stichwort Regelblutung
Während der Regel brauchst du dich nicht anders zu verhalten als sonst (das gilt auch für den Sex). Es sei denn, du möchtest es. Regelmäßig mit klarem Wasser zu waschen ist für den äußeren Scheidenbereich die gesündeste Lösung, weil dadurch die empfindlichen Schleimhäute am wenigsten angegriffen werden.

Das immer wieder genannte „Unwohlsein“ ist weniger ein Problem der Hygiene, sondern vielmehr eine Sache des persönlichen Wohlbefindens. Wichtig für die Hygiene während der Regel ist der richtige Blutungsschutz. Womit du dich selbst am wohlsten fühlst, musst du ausprobieren.

Binden gibt es in verschiedenen Stärken und Größen. Auf der Unterseite befindet sich ein Klebestreifen, damit sie im Slip nicht verrutschen. Wie oft ein Mädchen eine Binde wechselt, hängt von ihrem persönlichen Wohlbefinden und der Stärke der Blutung ab, doch sollte man sie zumindest alle paar Stunden wechseln. Am Ende der Regel, wenn die Blutung schwächer ist, verwenden viele Mädchen lieber eine Slipeinlage als eine Binde oder einen Tampon.

Tampons sind fingerdicke Wattestifte, die direkt in die Scheide geschoben werden, um das Menstruationsblut aufzusaugen. Dabei ist es wichtig, den Tampon so tief wie möglich mit dem Finger nach hinten und oben in die Scheide einzuführen, damit dieser beim Gehen oder Sitzen nicht reibt. Tief in der Scheide spürt man den Tampon beim Tragen nicht. Es gibt Tampons in verschiedenen Größen. Sie haben am Ende einen Baumwollfaden, so kann man sie wieder leicht aus der Scheide holen. Das Entfernen des Tampons sollte behutsam geschehen. (Übrigens: Im Körper können sie nicht verloren gehen!)


Ein zu häufiges Wechseln führt jedoch zum Austrocknen der Scheide und das Einführen und Wechseln kann dadurch schmerzhaft sein; deshalb sollte man sie auch nicht nur gegen Ausfluss verwenden. Wie oft ein Tampon gewechselt wird, hängt von der Stärke der Regelblutung und dem persönlichen Wohlbefinden ab. Ob du lieber einen Tampon oder eine Binde verwendest, bleibt dir selbst überlassen und ist unabhängig davon, ob du schon einmal Sex hattest oder nicht.

Penis
Das Aussehen des Penis kann ganz unterschiedlich sein – wobei die verschiedenen Formen und Größen alle normal sind. Unabhängig davon, wie lang, dick, dünn oder gekrümmt dein Penis ist, wirst du sexuelle Befriedigung empfinden können.

Der Penis ist zwar im Körperinneren von Muskeln umgeben, besteht aber selbst nicht aus Muskeln, sondern aus drei Schwellkörpern, die bei Erregung mit Blut gefüllt werden. Er kann daher auch nicht durch Übungen oder Training in Größe und Stärke verändert werden. Im Wesentlichen besteht er aus zwei Teilen: dem Penisschaft und der abgerundeten Spitze, der Eichel. Dieser besonders empfindliche Körperteil ist durch die Vorhaut geschützt. Die Unterseite der Eichel ist bei sexueller Erregung besonders empfindsam für Berührungen. Dort befindet sich auch ein Bändchen (=Frenulum), das die Eichel mit der Vorhaut verbindet. In ganz seltenen Fällen ist dieses Bändchen zu weit an der Eichel angewachsen und kann bei der Selbstbefriedigung oder beim Geschlechtsverkehr einreißen. Es blutet dann etwas, verheilt aber im Normalfall gut. Entzündet es sich oder reißt es wieder ein, sollte man einen Arzt aufsuchen.

Vorhaut
Die Vorhaut bedeckt die Eichel ganz oder teilweise. Im Übergang zwischen Eichel und Penisschaft können sich weißliche Absonderungen (Smegma) ansammeln, die man beim täglichen Waschen entfernen sollte, da es sonst zu Jucken und Brennen oder zu Entzündungen kommen kann. Übrigens können diese Entzündungen beim Geschlechtsverkehr weitergegeben werden. Aus religiösen, kulturellen oder aus hygienischen Gründen wird die Vorhaut manchmal entfernt. Dies nennt man Beschneidung. Sollte die Vorhaut so weit zugewachsen sein, dass sie sich nicht über die Eichel zurückschieben lässt (Phimose), dann sollte unbedingt ein Arzt (Urologe) aufgesucht werden.

mennHoden und Hodensack
Die beiden Hoden liegen im Hodensack, sind unterschiedlich groß und liegen unterschiedlich hoch. Je nach Temperatur und bei sexueller Erregung verdickt sich der Hodensack oder ist schlaff. Ab der Pubertät ist es die Aufgabe der Hoden, die männlichen Samenzellen und das männliche Geschlechtshormon Testosteron zu produzieren.

Durch das regelmäßige Abtasten deiner Hoden und des Hodensackes kannst du auch bemerken, wenn sich an den Hoden etwas verändert, dass sie z.B. hart werden oder etwas wächst, was vorher dort nicht gewachsen ist. Dann solltest du zur Sicherheit einen Arzt aufsuchen.


Erektion
Schon bei Babys und Kleinkindern wird der Penis manchmal steif, in der Pubertät erfolgt dies noch viel häufiger, oft auch in Situationen, in denen es dir gar nicht recht ist. Erektionen haben nicht immer mit sexueller Lust zu tun, z.B. die Erektion am Morgen nach dem Aufwachen. Die Versteifung erfolgt nicht durch Muskeln, sondern durch drei Schwellkörper im Penis, die sich bei sexueller Erregung mit Blut füllen. Sind die Schwellkörper unterschiedlich groß, steht der erigierte Penis steil nach oben oder biegt sich etwas in eine Richtung. Aber das ist ganz normal, und die Größe und Form der Schwellkörper ist bereits von Geburt an festgelegt.

Samenerguss
Ab der Pubertät werden in den Hoden Samenzellen gebildet. Bei einem Samenerguss werden die Samenzellen von den Nebenhoden durch den Samenleiter transportiert und mit der Flüssigkeit aus der Vorsteherdrüse (Prostata) und den Samenbläschen vermischt. Der Samenleiter mündet bei der Prostata in die Harnröhre, und die Samenflüssigkeit tritt aus der Eichel, als so genanntes Ejakulat (= Samenerguss) aus. In einem Samenerguss befinden sich 100 bis 700 Millionen Samenzellen. Bei der Ejakulation wird automatisch die Blase des Mannes verschlossen, damit kein Urin aus der Harnröhre austreten kann. Die Hoden des Mannes produzieren ab der Pubertät bis ins hohe Alter Samenzellen, ohne eine Begrenzung auf eine bestimmte Anzahl von Samenergüssen.

Sexuelle Lust bei Burschen
Bei sexueller Erregung wird nicht nur der Penis steif, sondern auch die Haut des Hodensacks verdickt und spannt sich an. Auch die Hoden vergrößern sich durch die vermehrte Blutzufuhr. Bevor es zu einem Samenerguss kommt, tritt aus der Eichel eine glasklare Flüssigkeit heraus. Diese Flüssigkeit wird Lusttropfen genannt und dient dazu, die Harnröhre auf den Samenerguss vorzubereiten. Bereits der Lusttropfen kann einige Samenzellen enthalten, dies solltest du beim Thema Verhütung unbedingt im Kopf haben. Aber du kannst sexuelle Lust nicht nur mit den Geschlechtsorganen, sondern am ganzen Körper empfinden.

Wie kommt die Samenzelle zur Eizelle? Und was passiert dort?
Ein Mädchen kann nur dann schwanger werden, wenn Samenflüssigkeit durch Petting oder Geschlechtsverkehr in die Scheide oder direkt zum Scheideneingang gelangt und sie gerade ihre fruchtbaren Tage hat.

An den unfruchtbaren Tagen ist den Samenzellen der Weg von der Scheide durch den Muttermund in die Gebärmutter und zu den beiden Eileitern versperrt. Der fest gewordene Zervixschleim verschließt sozusagen wie ein Korken den Eingang in die Gebärmutter. Deshalb können die Samenzellen nicht weiterwandern und bleiben in der Scheide. Zudem vertragen sie das Milieu in der Scheide nicht und verlieren dort nach kurzer Zeit (4-8 Stunden) ihre Befruchtungsfähigkeit.

Einige Tage vor dem Eisprung wird dieser Zervixschleim aber flüssiger, und der Weg für die Samenzellen ist frei. Das Mädchen ist nun in ihren fruchtbaren Tagen. Der Zervixschleim ernährt gewissermaßen die Samenzellen und stellt das „Transportmittel“ für diese dar. Gelangt während der fruchtbaren Tage Samenflüssigkeit in die Scheide, wandern die Samenzellen durch die Gebärmutter bis zum obersten Drittel einer der beiden Eileiter, wo die Vereinigung von Ei- und Samenzelle stattfinden kann.

Eizellen können nach dem Eisprung 12–18 Stunden befruchtet werden, Samenzellen können 3–6 Tage in der Gebärmutter überleben. Somit kann ein ungeschützter Geschlechtsverkehr bis zu 6 Tage vor und 18 Stunden nach einem Eisprung zu einer Befruchtung und damit zu einer Schwangerschaft führen.

Im Vorhinein kannst du die fruchtbaren Tage nicht berechnen! Daher musst du verhüten, um nicht schwanger zu werden.


Wann zur Frauenärztin?
Grundsätzlich solltest du zur Frauenärztin gehen, wenn du Beschwerden hast – egal wie alt du bist (z.B. ein Jucken, Brennen, gelblich verfärbter Ausfluss oder Schmerzen im Unterbauch). Außerdem ist es notwendig, eine Frauenärztin aufzusuchen, wenn du die Pille verschrieben haben möchtest. Ab dem Zeitpunkt, wo du regelmäßig mit jemandem Geschlechtsverkehr hast, solltest du einmal im Jahr zur Frauenärztin gehen. Du musst dich nicht beim ersten Frauenarztbesuch untersuchen lassen, du kannst auch einfach zuerst einmal ein Gespräch mit der Ärztin/dem Arzt führen. Wenn dir etwas nicht klar ist, wenn du nicht weißt warum eine bestimmte Untersuchung gemacht wird, wenn durch das Gespräch Fragen auftreten – dann sprich diese aus! Für die Frauenärztin/den Frauenarzt gehören solche Gespräche zum Berufsalltag und werden von der Ärztin/vom Arzt daher auf keinen Fall als peinlich oder ungewöhnlich betrachtet.

Wenn du nicht genau weißt zu welcher Ärztin/welchem Arzt du gehen sollst, dann bekommst du auf der Seite der Mädchensprechstunde Informationen über Ärztinnen und Ärzte, die sich in ihrer Ordination besonders für junge Frauen engagieren: www.maedchensprechstunde.info

Wenn du glaubst, dass du schwanger sein könntest oder wenn du Beschwerden hast, dann brauchst du einen sofortigen Termin in einer frauenärztlichen Ordination. Sofort bedeutet, dass du am selben Tag oder am nächsten Tag einen Termin benötigst – sollte dies nicht möglich sein, dann wende dich an eine gynäkologische Ambulanz in einem Krankenhaus.

WICHTIG: Für den Besuch einer Frauenärztin braucht man die e-card oder eine Überweisung vom Hausarzt/Hausärztin. Wenn du dich ohne e-card untersuchen lassen möchtest, kannst du dich an „First Love“-Stellen wenden.

Logischerweise ist man bei der Ärztin dann doch ein wenig aufgeregt. Da ist es gut, sich schon vorher eine Checkliste aufzustellen, was man alles fragen und wissen will. Markiere dir immer den ersten Tag der Regelblutung im Kalender, um einen besseren Überblick über deinen Zyklus zu haben, auch die Frauenärztin benötigt diese Information.

Untersuchung bei der Frauenärztin
Vor der ersten Untersuchung hat die Gynäkologin einige Fragen an dich, wie z.B. den Zeitpunkt der ersten Regel, wie oft und wie stark die Regelblutungen sind, ob du schon Sex gehabt hast, ständig Medikamente nimmst, Allergien hast oder schon Operationen hattest. All diese Fragen werden gestellt, um deinen aktuellen Gesundheitszustand fest zu stellen, aber auch um zu wissen welche Untersuchungen notwendig sind. Wenn dir etwas unklar ist, dann frag bitte nach. Die Ärztin/der Arzt sind auf deine Fragen angewiesen, nur so kann sie/er wissen, welche Informationen für dich persönlich wichtig sind.

Für die Untersuchung musst du Hose, Strumpfhose und Unterhose ausziehen. Einen Rock kannst du, wenn es dir angenehm ist, anbehalten und hochschieben.

Bei der gynäkologischen Untersuchung liegt man mit gespreizten Beinen auf dem Stuhl. Auf diese Weise kann die Ärztin den Scheideneingang, die Scheide und am Ende der Scheide den Gebärmutterhals gut sehen. Bei einer Routineuntersuchung wird ein Abstrich vom Scheidensekret und dem Gebärmutterhals gemacht. Dabei wird ganz vorsichtig etwas Scheidensekret genommen. Mit einer Art Wattestäbchen wird sanft über den Gebärmutterhals gestrichen – dies nennt man dann Krebsabstrich, da die so entnommenen Zellen ins Labor zur Untersuchung geschickt werden. Die Scheidenwände werden während der Untersuchung mit einem speziellen Instrument auseinandergehalten. Das fühlt sich ungewöhnlich an, soll aber nicht weh tun.


Das ist auch alles möglich, ohne das Jungfernhäutchen zu verletzen. Anschließend erfolgt die Tastuntersuchung, bei der die Ärztin Gebärmutter, Eileiter und Eierstöcke abtastet. Dazu legt sie einen Finger in deine Scheide und die zweite Hand auf deinen Bauch. Damit ist die Untersuchung beendet.

Die Tastuntersuchung der Brust ist eine Früherkennungsmöglichkeit für Brustkrebs. Sie muss in deinem Alter noch nicht routinemäßig durchgeführt werden; wenn du aber Fragen hast oder befürchtest, dass mit deiner Brust etwas nicht o.k. ist, bitte die Ärztin um eine Untersuchung deiner Brust.

Du kannst dich darauf verlassen, dass für die Frauenärztin die Untersuchung des Geschlechtsbereiches genauso normal ist wie für die Zahnärztin die Untersuchung der Mundhöhle. Für dich ist vor allem die erste Untersuchung etwas Besonderes – für die Ärztin ist es eine Untersuchung, die sie zigmal am Tag durchführt.

Stichtwort Männerarzt
Bis jetzt sind die Fachärzte für Urologie oder Dermatologie (Hautärzte) für die Geschlechtsorgane des Mannes zuständig.

Bei Entzündungen der Vorhaut und der Eichel, wenn es beim Urinieren brennt, bei Ausfluss aus der Harnröhre oder Schmerzen und Veränderungen an den Hoden solltest du unbedingt einen Arzt aufsuchen. Es muss nicht immer eine Geschlechtskrankheit sein, die diese Beschwerden hervorruft, aber der Arzt kann feststellen, was der Grund dafür ist.

FACTS!

Einwilligungen in medizinische Behandlungen können Jugendliche selbst erteilen, wenn sie urteils- und einsichtsfähig sind, das wird bei Jugendlichen über 14 Jahren grundsätzlich angenommen. D.h. du brauchst für den Besuch beim Arzt oder bei der Ärztin wie auch für die Verschreibung von Medikamenten wie der Pille nicht die Zustimmung deiner Eltern.


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