Mittwoch, 11. Dezember 2019

Im Supermarkt der Lebensstile

23. Januar 2012
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Ihr Kind stellt jetzt alle Normen, Werte und Regeln in Frage. Das muss es tun, um seinen eigenständigen, erwachsenen Weg zu finden. In der Auseinandersetzung mit Ihnen und seiner Umwelt findet Ihr Kind in den nächsten Jahren heraus, was seinem Leben Ziel und Sinn geben kann.

Illustration: Milan Ilic
Wer bin ich? Wie möchte ich sein? Woran glaube ich? Das sind die Fragen, die sich alle Teenager stellen. In der heutigen Gesellschaft gibt es vielfältige Antworten. Das Angebot an Weltanschauungen ist größer denn je. Gerade die Unterschiedlichkeit der Lebensstile, Überzeugungen und Ideologien macht eine Auswahl schwieriger. Mit Recht haben wir Überholtes (z.B. „der Mann geht arbeiten, die Frau bleibt bei den Kindern“) abgeschüttelt. Doch was geben wir heute unseren Söhnen und Töchtern stattdessen mit auf den Weg? Am besten die Fähigkeit, mit ihrem Leben gut umzugehen.

Jugendliche beschäftigen sich ganz von selbst mit den großen Fragen des Lebens. Sie setzen sich mit den unterschiedlichsten Werten, politischen und religiösen Ansichten auseinander. Antworten suchen sie bei Erwachsenen, Gleichaltrigen, in Büchern, Filmen und Liedern. Besonders fasziniert sind sie von Gegensätzlichem. Georg, 14, findet die Eltern seines Freundes „viel cooler, weil sie nicht so schrecklich spießig sind“. Woran man das denn merkt, will sein Vater wissen. Georg zählt einiges auf, was bei ihm daheim nicht üblich ist, wie etwa, dass alle Freunde ohne Vorankündigung dort übernachten können. „Das wäre mir nicht recht, ich möchte schon wissen, mit wem ich beim Frühstück am Tisch sitzen werde“, meint der Vater. „Ich verstehe aber auch, dass du als Freund das offene Haus dort zu schätzen weißt.“

Heranwachsende müssen alle ausgesprochenen und unausgesprochenen Werte hinterfragen, um zu prüfen, was für sie passt. Dazu brauchen sie eindeutige Aussagen. Sie müssen erleben, dass es Richtlinien gibt, um diese zu übernehmen oder zu verwerfen. Eine zu große Beliebigkeit („Alles ist egal …“) hilft ihnen nicht. Daher ist es wichtig, dass Sie als Mutter und Vater Ihrem Kind Ihre Überzeugungen und Werte mitteilen, begründen und vorleben. „So ist es für mich“, beschreibt Georgs Vater. Dabei will er ihn nicht überzeugen, sondern wünscht ihm nur: „… dass du für dich auch so etwas findest“.

Durch Diskussionen lernen Jugendliche, ihre Vorstellung vom Leben zu formulieren und für ihre Ansichten einzutreten. Dabei geht es um die Auseinandersetzung an sich, und nicht um richtig oder falsch. Bleiben Sie mit dem Nachwuchs im Gespräch, auch was herausfordernde Themen betrifft. Sich auf Werte-, Sinn- und Glaubensdiskussionen einzulassen, kann anstrengend, aber zugleich spannend sein.

„Ist Ehrlichkeit wichtig?“, will Leah, 12, von ihrem Vater wissen. „Selbstverständlich“, antwortet er. „Und warum lügst du dann dauernd? Als du Onkel Fredi nicht beim Übersiedeln helfen wolltest, hast du behauptet, du bist krank. Im Geschäft hast du die Krawatte umgetauscht und gesagt, du hast sie nie getragen“. Leahs Vater fühlt sich ertappt. Er könnte das abtun als „Notlügen, die doch niemandem schaden“. Doch lieber gibt er Leah Recht: „Gut beobachtet. Ich bin nachlässig geworden und gehe manchmal den bequemeren Weg. Das sollte ich nicht tun, weil mir Ehrlichkeit schon sehr wichtig ist. Ich werde jetzt mehr darauf achten.“

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Im Supermarkt der Lebensstile
Seite 2 Werte sind Vorstellungen, die uns Orientierung im Leben geben


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