Freitag, 13. Dezember 2019

Das Kind wird gehen, die Liebe bleibt

24. Januar 2012
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Kinderbetreuung und Erwerbsarbeit bringen unterschiedliche Erlebnisse mit sich. Wichtig ist, dass Ihre Welten nicht auseinanderdriften.

Illustration: Carola Holland
Roland versteht die Welt nicht mehr. Seine Frau Dorothea und er haben sich so sehr eine „richtige Familie“ gewünscht. Beide haben geschiedene Eltern und wollten deshalb zuerst eine stabile Beziehung, dann Kinder. Nach 10 Jahren fanden sie den Zeitpunkt richtig, und seit kurzem sind sie Eltern der kleinen Theresa.

Obwohl Dorothea mit 36 Jahren als späte Mutter galt, war die Schwangerschaft völlig unkompliziert und für beide eine Zeit, die sie bewusst der unbeschwerten Zweisamkeit widmeten. Doch seit Theresa da ist, wird Rolands Frau zunehmend unzufriedener. Aus seiner Sicht hat sie alles, was sie immer wollte: ein gemütliches Zuhause, einen verlässlichen Ehemann und einen liebevollen Vater für ihr Kind.

Als er nicht mehr weiter weiß, wendet sich Roland an eine Beratungsstelle. „Haben Sie denn schon miteinander über dieses Problem geredet?“, ist die erste Frage der Psychologin. Ja, aber die Gespräche enden immer in einer Sackgasse: Dorothea sagt, „du hast ja keine Ahnung“, und zieht sich schmollend zurück.

„Versetzen Sie sich doch einmal in Ihre Frau hinein“, rät die Psychologin. Und Roland wird nachdenklich. An Dorotheas Stelle würde er sich wohl isoliert fühlen, er würde sich nach seinem Bürojob und den Kollegen sehnen und nach der Möglichkeit, spontan etwas mit Freunden zu unternehmen. Er würde sich ärgern, dass er als Hausmann auch noch für die Hausarbeit zuständig wäre, die früher fair aufgeteilt war. Er wäre gereizt, wenn seine Frau abends nach einem zwar anstrengenden, aber auch abwechslungsreichen Tag unter Erwachsenen heim käme. Dann würde er vielleicht sogar eine Umarmung als Forderung missverstehen.

An diesem Abend überrascht Roland seine Frau: „Am Samstag kommt meine Mutter babysitten und ich habe einen Tisch in unserem Lieblingslokal reserviert. Dort ist es übrigens verboten, über Babys zu reden.“ Dorothea lächelt. Er meint weiter: „Ich möchte mit dir über unsere Zukunft sprechen. Wir haben lange auf diese Familie gewartet. Trotzdem ist sie nicht die Endstation. Wir haben aufgehört, Pläne zu machen, und das ist nicht gut.“

Ein Kind ist ein lebendiges Zeichen der Liebe zwischen seinen Eltern. Zugleich stellt es eine Herausforderung für diese Liebe dar. Auch und gerade dann, wenn Sie sich spät dazu entschlossen oder geduldig darauf gewartet haben.
 

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Das Kind wird gehen, die Liebe bleibt
Seite 2 Veränderungen
Seite 3 Aus der Praxis


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