Dienstag, 12. November 2019

Das bin ich mir wert!

Ausgabe 2016.03
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Mauerblümchen oder Narziss? Der Selbstwert bestimmt, wie man sich fühlt und wie man sich gibt. Die gute Nachricht: Wer an einem geringen Selbstwert leidet, kann daran arbeiten. Dafür ist es nie zu spät. Der Lohn der Arbeit: Wohlbefinden und Zufriedenheit.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - aksakalko

Ein stabiles Selbstwertgefühl ist ein Fundament für Wohlbefinden und psychische Gesundheit. Fühle ich mich wertvoll und habe ich Vertrauen in mich selbst, beschützt mich dies auch in Zeiten von Veränderungen und Krisen. Menschen mit einem gesunden Selbstwert achten auf sich und ihre Bedürfnisse. Ein geringer Selbstwert hingegen macht einem das Leben schwer. Meist hat man dann übertrieben hohe Ansprüche an sich selbst und geißelt sich mit Selbstkritik und Selbstzweifel. Betroffene stellen die Erwartungen und Wünsche anderer über die eigenen, wollen es allen recht machen, damit möglichst ein jeder eine gute Meinung über sie hat. „Fehlt es am Selbstwert, dann achtet man übertrieben stark darauf, wie einen andere sehen und bewerten könnten“, sagt Wolfgang Pichler, Psychotherapeut in Wels (http://www.psychotherapiewels.at).

Auf dem Weg zu mehr Selbstvertrauen

Innerlich groß, mehr Freude am Leben

  • Kritisieren Sie sich nicht. Weder innerlich noch vor anderen. Sprechen Sie positiv mit sich selbst. Auch wenn Ihnen das seltsam oder falsch vorkommt, machen Sie weiter. Erst wenn Sie sich Ihre positiven Worte einige hundert Mal gesagt haben, beginnen Sie daran zu glauben und können sie nach und nach annehmen.
  • Sprechen Sie sich Mut und Trost zu. Seien Sie Ihr bester Freund und behandeln Sie sich selbst so.
  • Erstellen Sie eine Liste mit Eigenschaften und Verhaltensweisen, die Sie an sich mögen, und eine, die Sie an sich ablehnen. Sagen Sie sich bei jeder Eigenschaft, die Sie nicht mögen, dass sie als Mensch dennoch in Ordnung sind. Wenn Sie Ihre Schüchternheit nicht mögen, dann akzeptieren Sie das. Sie sind bereits dabei, sie zu überwinden.
  • Lassen Sie am Abend Ihren Tag Revue passieren. Was war positiv, was ist gut gelungen? Loben Sie sich für Ihre Leistungen.
  • Extratipp: „Eine weitere sehr nützliche Art, das Selbstbewusstsein und damit den Selbstwert zu steigern, kann im Erlernen einer Kampfsportart liegen. Speziell in den östlichen Kampfsportarten wird großer Wert auf Präsenz im Körper und im Augenblick gelegt. Schlussendlich kann auch eine jede Liebesbeziehung, sei es zu einem Menschen, einem Tier, zur Natur oder zu Gott, zu einer eklatanten Verbesserung des Selbstwertes führen“, sagt Wolfgang Pichler.

Erziehung prägt. Niemand wird mit einem geringen Selbstwert geboren. Großen Einfluss haben die ersten Lebensjahre. Erleben wir in der Kindheit Liebe und Akzeptanz, dann spüren wir, dass wir Gutes verdienen, und unser Selbstwert steigt. Viele Kinder verlieren jedoch bereits in den ersten Lebensjahren das Gefühl, wertvolle Wesen zu sein. „Die Erziehung prägt. Viele machen von klein auf Erfahrungen, die ein Gefühl hinterlassen, dass sie nicht gut genug oder minderwertig sind und deshalb etwas nicht mit ihnen stimmt“, sagt Mag. Heidi Schuh, Klinische und Gesundheitspsychologin und Psychotherapeutin an der Psychiatrischen Tagesklinik in Freistadt. Ein Kind verinnerlicht Kritik und es übernimmt im Laufe der Jahre die Urteile und Abwertungen der Eltern und anderer Bezugspersonen. Es entsteht ein „innerer Kritiker“, mit dem sich der Heranwachsende identifiziert und der diese Abwertungen fortsetzt. Der Jugendliche bzw. der junge Erwachsene beginnt sich also nun selbst zu beurteilen und herabzusetzen.

Selbstwerträuber. Erfolge, Anerkennung und Akzeptanz erhöhen hingegen den Selbstwert. Demütigungen, Frustrationen, erlebte Misserfolge („ich komme nicht gut an“), zu hohe Erwartungen, Vergleiche mit erfolgreichen und/oder prominenten Menschen, aber auch Krisen durch Jobverlust, Partnerverlust, Krankheiten etc. beeinträchtigen den Selbstwert. „Genau genommen gibt es nicht den einen Selbstwert, sondern mehrere nebeneinander. So kann es sein, dass ein Mensch im Berufsleben einen hohen Selbstwert besitzt, im zwischenmenschlichen Bereich aber einen niedrigen. Oder er kann in puncto Aussehen einen geringen Selbstwert besitzen, in puncto Intelligenz jedoch einen hohen“, sagt Heidi Schuh. Doch was tun? Selbstwerttraining oder Psychotherapie kann Menschen jedes Alters helfen, ihren Selbstwert wieder in einen positiven Bereich zu heben.

Situation analysieren, Entscheidungen treffen. Was ist als Erstes zu machen? Wer an seinem Selbstwert arbeiten möchte, sollte zuerst einen offenen Blick auf die Ist-Situation werfen. Man muss sich bewusstwerden, dass und woran man leidet. Man sollte sich seine Situation, die eigenen Gefühle und Verletzungen eingestehen. In einem zweiten Schritt kann man sich dann entscheiden: Will ich so weitermachen wie bisher oder will ich Veränderung? Die Entscheidung, nun etwas für sich zu tun, ist der Beginn der Arbeit an sich selbst. „Es ist eine Arbeit, für die man sich Zeit nehmen muss, am besten täglich. Rückschläge sind normal, wichtig ist es, weiterzumachen und die Schritte nicht zu groß zu setzen. Arbeitet man an sich, werden sich mit der Zeit Erfolge einstellen, die mit Konsequenz und Geduld verfestigt werden“, sagt Schuh.

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