Sonntag, 26. Januar 2020

Angst vor der Schule? Die muss nicht sein!

Ausgabe 2015.10
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Wenn Schulanfänger über Kopfweh oder Bauchschmerzen klagen, kann sich dahinter Schulangst verbergen. In dieser Situation sollten Eltern ihre Kinder durch Zuwendung, aber auch durch Zutrauen und Konsequenz stärken.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - Kzenon

Schulbeginn ist für die meisten Kinder eine Zeit freudiger Erregung. Werden sie von den Eltern positiv eingestimmt, sind sie stolz, nun in die Schule gehen zu dürfen. Schulanfänger treten in eine neue Welt, in der sie plötzlich mit neuen Anforderungen konfrontiert sind, ein. Oft muss sich das Kind dabei plagen, es erlebt Unlust und Abwehr, woraus Sorgen und Ängste entstehen können. Es muss eigene Bedürfnisse zurückstellen, kann sich stundenlang nicht zurückziehen, auch in den Pausen ist der soziale Vergleich permanent präsent. Für Kinder ist es im Allgemeinen zwar positiv, gefordert zu werden, jedoch geschieht der Schul-eintritt nicht für alle zum richtigen Zeitpunkt, manche sind dafür trotz kognitiver Reife noch nicht bereit. Treffen sie dann auf einen Lehrer, der dafür wenig Gespür hat, oder auf Schüler, die in der Entwicklung schon viel weiter sind und vom Temperament offensiver als sie selbst, beginnt in manchen Kindern eine Angst vor der Schule zu reifen.

Symptome. Schulangst zeigt sich im Verhalten des Kindes und auch durch körperliche Symptome. Beispiele: Das Kind trödelt herum, will sich am Morgen nicht die Zähne putzen oder sich anziehen, wirkt lustlos, hat den Wunsch, nicht zur Schule zu gehen. Manche Kinder sprechen auch Vorwürfe aus, etwa dass der Lehrer zu streng sei, oder dass Mitschüler gemein seien. Häufige körperliche Symptome sind Bauch- oder Kopfschmerzen. Dabei täuschen die Kinder die Schmerzen in der Regel nicht vor, sondern empfinden sie tatsächlich. Treten die Beschwerden vor allem morgens vor der Schule, abends beim Einschlafen, nach dem Wochenende oder am Ende der Ferien auf, ist das ein Hinweis dafür, dass in der Schule etwas nicht richtig läuft und das Kind Angst vor dem Schulbesuch hat. „Bleibt das Kind zu Hause und ist das Bauchweh rasch wieder verschwunden, dann kann man von einem Vermeidungsverhalten des Kindes ausgehen. Es hatte also Angst vor der Schule“, sagt Mag. Marina Gottwald von der Jugendpsychiatrie der Landesnervenklinik Wagner-Jauregg Linz.

Mit dem Kind sprechen. Schulanfänger sprechen nur selten über ihre Ängste, sie sind sich meist auch nicht im Klaren darüber. Daher hat es auch wenig Sinn zu fragen, wovor das Kind Angst hat. Besser spricht man frei über den Schulalltag und lässt das Kind erzählen, was ihm Spaß macht und was ihm nicht so gut gefällt. Dann erfährt man z. B. von Hänseleien oder dass die Lehrerin geschimpft hat oder dass das Kind sich nicht getraut hat, vor den anderen zu sprechen.

So helfen Eltern ihren Kindern

Sich Ängsten stellen. Angst lebt von Vermeidung. Man sollte das Kind darin unterstützen, seine Ängste zu überwinden. Falsch wäre es, das Kind zu Hause zu lassen. Zeigen Sie zwar Verständnis, schicken Sie Ihr Kind aber konsequent in die Schule. Bestärken Sie es, dass es das schafft, schimpfen Sie nicht. „Geht man seinen Ängsten aus dem Weg, werden sie größer und greifen auf weitere Lebensbereiche über“, sagt Mag. Gottwald.

Kind stärken. Bei sensiblen Kindern ist es wichtig, innere Stärke zu vermitteln. Manche Eltern geben dem Kind symbolische Stärke mit auf den Schulweg, z. B. in Form eines Schutzengels um den Hals. Das schadet zwar nicht, wichtiger ist aber, dass das Kind lernt, sich die Stärke selbst zuzuschreiben. Nur wenn es selbst etwas schafft, kann es die eigene Stärke entdecken.

Dem Kind etwas zutrauen. Sensible Kinder sollten einfühlsam motiviert und bestärkt werden. Sie sollten gelobt werden, jedoch nicht im Übermaß! Wichtig ist es, dass man dem Kind etwas zutraut. Kinder in diesem Alter müssen viele neue Herausforderungen bestehen und sich rasant an Veränderungen anpassen. Machen Sie sich bewusst, was Ihr Kind schon alles geleistet hat.

Kontakt mit Gleichaltrigen. Wichtig ist es auch, dass Kinder viel mit Gleichaltrigen beisammen sind, dass sie an den Nachmittagen also nicht ausschließlich zu Hause sind. Beim Sporteln und Spielen in Gruppen sammelt ein Kind die Erfahrungen, die es braucht. Es lernt dabei, Konflikte auszuhalten und sich durchzusetzen.

Mit der Schule kooperieren. Bei Schulangst sollten Eltern mit den Lehrern über die Schulangst ihres Kindes sprechen und nachfragen, ob und welche Probleme es gibt. Oft findet man gar keine handfesten Probleme, sondern die Angst entwickelt sich aus einer Überforderung des Kindes heraus.

Vorsicht bei Schuldzuweisungen. Eltern sollten vor dem Kind auch nicht schlecht über den Klassenlehrer sprechen oder sich von der Angst des Kindes anstecken lassen. Ein Wechsel der Klasse sollte nur der letzte Ausweg sein und nur dann vorgenommen werden, wenn ein konkretes Problem in der Klasse nicht anders lösbar ist. Bei allgemeiner Schulangst bringt ein Wechsel meist nichts, das Kind nimmt seine Angst und damit die Probleme in die neue Klasse mit.
Behandlung. Wenn körperliche Beschwerden vorliegen, müssen zuerst organische Ursachen vom Arzt ausgeschlossen werden. Ist das erfolgt und der Leidensdruck des Kindes steigt, sollte man einen Termin für eine Abklärung des Problems bei einem klinischen Psychologen vereinbaren. Danach kann eine Behandlung gezielt empfohlen werden. „Bei leichten Formen der Schulangst reicht oft ein Beratungsgespräch bei einem Psychotherapeuten mit den Eltern aus, damit diese ihrem Kind besser helfen können. Es vermittelt das nötige Wissen. Liegt eine schwere Schulangst vor, dann kann eine längerfristige Therapie nötig sein, bis hin zur stationären Aufnahme des Kindes. Dies vor allem dann, wenn eine Angststörung vorliegt“, sagt Mag. Gottwald.

Übersicht zu diesem Artikel:
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