Montag, 10. Dezember 2018

Jeder Neubeginn ist eine Chance

13. Januar 2012
Fremde Wo immer Sie hinschauen, scheinen nach Ihrer Ankunft in Österreich neue Fragen und Probleme aufzutauchen. Doch es gibt ebenso viele Antworten und Lösungen! Beratungsstellen, aber auch Nachbarn und Familien, die schon länger hier sind, kennen sich aus und helfen Ihnen weiter.

Illustration: Carola Holland
“Als meine Frau und ich uns entschieden haben, nach Österreich zu gehen, haben wir nicht lange darüber nachgedacht, wie das für unsere Familie und unsere Kinder sein würde. Mein Bruder war schon länger in Deutschland , und nach seinen Erzählungen dachten wir: Probieren wir es einfach. Das Leben wird besser sein, es gibt gute Schulen für die Kinder, wir werden Geld verdienen und eine bessere Zukunft haben. Natürlich ist es nicht leicht , die Heimat zu verlassen. Aber was es wirklich bedeutet, haben wir nicht bedacht“.

So oder ähnlich klingen die Geschichten von Familien, die ausgewandert sind.

Es bleibt oft keine Zeit , vorher zu überlegen, welche Veränderungen und Herausforderungen auf die Familie warten. Und dann kommt man an – und ist erst einmal völlig überfordert. Der Alltag ist anders als gewohnt . Informationen fehlen, und es ist nicht klar, wo man sie bekommt.

Jedes Familienmitglied reagiert anders auf diese Krise. Sich in der neuen Umgebung zurecht finden, die fremde Sprache lernen, die gesellschaftlichen Regeln verstehen, und dabei auch noch auf sich selbst achten: manche schaffen das schneller, andere langsamer.

Zudem werden die mitgebrachten kulturellen, sozialen, religiösen und familiären Werte und Normen auf ihren Nutzen überprüft. Dabei kann es sein, dass die einzelnen Familienmitglieder diese Werte und Normen auf unterschiedliche Weise in ihr aktuelles Leben integrieren, sie verändern, verwerfen oder gar durch neue Werte ersetzen. Je offener und ehrlicher dieser Vorgang innerhalb der Familie besprochen wird, desto schneller werden die einzelnen Familienmitglieder sich im neuen Umfeld sicher fühlen.

Ganz besonders gefordert sind Sie in dieser Situation, wenn Sie Kinder haben. Sie selbst müssen sich erst orientieren, und wollen gleichzeitig verlässliche Eltern bleiben. Vielleicht ist alles anders, als Sie es sich vorgestellt haben, doch Sie möchten die Kinder nicht mit Ihrer Enttäuschung entmutigen. Dazu kommen unzählige Fragen: Wie finden Sie einen Kindergartenplatz oder die passende Schule? Wie helfen Sie den Kindern beim Einstieg, wo lassen sich neue Freundschaften schließen?

"Ich war überfordert mit Deutsch lernen, Wohnung suchen, eine Arbeit finden und Behördenwege erledigen, dass ich dabei fast auf die Kinder vergessen habe. Ich war so mit meinen eigenen Problemen beschäftigt, dass ich für die Sorgen und Ängste und auch den Trennungsschmerz meiner Tochter von ihrer heißgeliebten Oma keine Zeit hatte. Ich hatte immer mehr das Gefühl, dass ich als Mutter unfähig war. Ich war wie gelähmt. Erst als ich eine Nachbarin näher kennen lernte und mich ein bisschen sicherer fühlte, wurde es besser.“ Aynur hat gelernt, dass das Ankommen in Österreich Zeit und Geduld braucht. Sie geht zu einer Beratungsstelle, wo sie über alle Probleme vertraulich sprechen kann: „Das hat mir sehr geholfen. Die Beraterin hat sich für meine Geschichte interessiert. Ich konnte das erste Mal über meinen Abschiedsschmerz, meine Ängste und Wünsche reden. Das hat mir gut getan. Ich habe mich so entlastet gefühlt, dass ich wieder Kraft und neue Hoffnung bekommen habe.“

Über seine Ängste und Wünsche reden können … das ist ein wichtiger Schritt, um sich zu Hause zu fühlen. Denn es bedeutet, dass Sie Menschen haben, denen Sie vertrauen. Von denen Sie Rat annehmen und Informationen bekommen. Machen Sie sich auf die Suche nach solchen Menschen – Sie werden erstaunt sein, wie viele es gibt. Nachbarn, früher zugewanderte Verwandte und Beratungsstellen sind wie erfahrene Reiseleiter. Sie wollen Ihnen helfen, sich in neuem Gelände schnell zurechtzufinden.

Tipps für Eltern
  • Informieren Sie sich über das Schulsystem und andere wichtige Einrichtungen der Gemeinde oder Stadt, in der Sie leben.
  • Besuchen Sie eine Beratungsstelle.
  • Eltern müssen nicht alles wissen. Eltern, die lernen und neugierig auf neue Erfahrungen sind, geben ihren Kindern ein gutes Beispiel.
  • Trotz aller Belastungen am Anfang des neuen Lebens in der Fremde: Geben Sie Ihren Kindern Geborgenheit und Vertrauen. Trost und Mitgefühl brauchen gar nicht viele Worte. Eine Umarmung bedeutet: „Gemeinsam schaffen wir das.“
  • Ermutigen Sie die Kinder, ihre neue Umwelt zu erforschen und neue Freundschaften zu schließen.
  • Fördern und unterstützen Sie Ihre Kinder bei der Eingewöhnung und loben Sie Fortschritte und Lernerfolge.
  • Übertragen Sie ihnen jedoch nur Aufgaben, die ihrem Alter entsprechen.
  • Tauschen Sie sich innerhalb der Familie möglichst oft über neue Erfahrungen und Erlebnisse aus. Sprechen Sie über Schönes und über Ärgerliches.

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Papa, was ist ein Fremder? Gespräch mit meiner Tochter von Ben Jelloun Tahar, rororo


Autor: Mag.a Katharina Ratheiser

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