Freitag, 24. Mai 2019

Gut vernetzt ist halb gewonnen

24. Januar 2012
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Ein Beziehungsnetz steigert die Lebensqualität und entlastet. Im Notfall fängt es verlässlich auf. Das ist gerade für Alleinerziehende wichtig.

Illustration: Carola Holland
Reinhard ist alleinerziehender Vater des sechsjährigen Lucas. „Am Anfang war es nicht einfach“, erinnert er sich zurück. „Alleinerziehende Väter sind halt doch die Ausnahme. Ich kenne Mütter, die in dieser Situation sehr schnell Anschluss an ein Netzwerk von Alleinerzieherinnen finden. Als einziger Mann fühle ich mich da nicht so wohl, außerdem habe ich teilweise andere Fragen und Probleme. Ehrlich gesagt war ich nur Männerfreundschaften gewöhnt, und die funktionieren anders.“

„Anfangs war es Lucas, der die Kontakte geknüpft hat. Ich habe dann systematisch seine Kindergartenfreunde samt Eltern eingeladen und von unserer Familiensituation erzählt. Auch auf Kinderfesten kommt man rasch ins Gespräch! Bald lernte ich andere Väter kennen. Nicht nur Alleinerzieher, sondern auch solche, die einfach viel mit ihren Kindern unternehmen. Inzwischen habe ich mindestens vier Bekannte, bei denen Lucas kurzfristig bleiben kann – und umgekehrt.“

Reinhard ist stolz auf seinen Zwei-Männer-Haushalt. Er hat gelernt, dass es kein Zeichen von Schwäche ist, Hilfe anzunehmen: „Früher habe ich ja auch den Pizzaservice angerufen. Man muss nicht alles selber machen. Vor allem Dinge, die jemand anderer besser kann.“

„Meine Mutter beispielsweise bügelt viel besser als ich.“ Sie ist so nett und springt manchmal ein. Allerdings gehen ihre Besuche selten ohne Kommentare zur Kindererziehung ab.

Reinhard meint, „Das kann mich schon ärgern. Obwohl ich einen eigenen Sohn habe, behandelt mich meine Mutter wie ein Kind. Sagt, was ich alles besser machen könnte. Und fragt, wann endlich wieder eine Frau im Haus sein wird. Naja, am Anfang habe ich trotzig reagiert – wie ein Kind. Inzwischen weiß ich, dass Lucas meiner Mutter viel bedeutet. Ihre Unterstützung rechne ich ihr hoch an. Bei Kleinigkeiten schweige ich einfach. Wenn es um Grundsätzliches geht, ziehe ich schon eine Grenze. Aber freundlich! Und wenn meine Mutter zum Bügeln kommt, findet sie ihre Lieblingsschokolade auf dem Bügeltisch. Eine kleine Aufmerksamkeit von mir, die gute Laune garantiert.“

Natürlich hat Reinhard nicht nur Freunde mit Kindern. Es gibt auch Treffen mit alten „Kumpels“ und ab und zu Verabredungen mit Frauen. Dafür leistet sich Reinhard eine bezahlte Babysitterin: eine Studentin, die er über eine Kinderbetreuungsbörse im Internet gefunden hat. Beide, Lucas und er, genießen an diesen Abenden die Abwechslung vom Männer- Alltag.

Franziska, Alleinerzieherin einer 14-jährigen Tochter, wächst ihr Netzwerk ab und zu fast über den Kopf. An manchen Wochenenden kommt sie vor lauter Verabredungen gar nicht mehr zum Verschnaufen. „Also bin ich auf die Bremse gestiegen. Es war ein ungewohntes Gefühl, Treffen abzusagen. Aber der Familie hat es gut getan.“

Es ist schön, wenn Sie viele Freunde und Bekannte haben. Es ist fein, wenn es überall offene Türen und offene Ohren gibt. Ihr Nest muss aber Ihre persönliche Heimat bleiben, wo Sie und Ihre Kinder bestimmen, wann die Tür für andere offen ist und wann man für sich sein will.

Tipps
  • Pflegen Sie Kontakt zu Freunden und Verwandten, bei denen Sie sich wohl fühlen.
  • Erkundigen Sie sich nach Angeboten speziell für Alleinerziehende.
  • Machen Sie sich eine Liste mit Menschen, die im Notfall aushelfen können.
  • Teilen Sie Großeltern und anderen Betreuungspersonen wichtige Erziehungsgrundsätze mit, und sagen Sie diesen Menschen, wie wichtig für ein Kind eine einheitliche Erziehungslinie ist.
  • Unterstützen Sie Ihr Kind beim Erkennen von echten Freunden und erlauben Sie ihm, Freunde nach Hause einzuladen.
  • Denken Sie daran, dass auch Sie und Ihre Kinder ein Teil des sozialen Netzes von anderen sind. Großeltern z.B. freuen sich sehr über den Kontakt mit Enkelkindern.
  • Zeigen Sie hilfreichen Menschen Ihre Dankbarkeit auf Ihre persönliche Art. Das muss nicht immer materiell sein.
  • Weisen Sie gut gemeinte, aber für Sie nicht passende Hilfe höflich und bestimmt zurück.
  • Denken Sie daran, dass jede Familie, egal in welcher Form sie lebt, ein soziales Netz benötigt.

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