Mittwoch, 20. Februar 2019

Gewalt ist nie Privatsache

16. Januar 2012
Opfer von Gewalt in der Familie sind meist Frauen, Ältere und Kinder. Der gefährlichste Ort ist für sie nicht der dunkle Park, sondern – so traurig das ist – das eigene Zuhause.

Illustration: Carola Holland
Ärger, Zorn und Wut wecken unsere aggressive Kraft. Aggression ist die Bereitschaft, eine Aufgabe, ein Hindernis, ein Problem anzupacken, um es zu bewältigen. Aggressive Kräfte braucht jeder. Um ein friedliches Zusammenleben zu gewähren, müssen wir diese Kräfte in sinnvolle Bahnen lenken und Ärger, Zorn und Wort kontrolliert ausdrücken.

Sie sind Ihren negativen Gefühlen nicht ausgeliefert! Als Erwachsene(r) können Sie auch unter Druck überlegt handeln. Im Klartext heißt das: Wenn Sie sich ärgern, wenn Sie wütend oder verzweifelt sind, machen Sie etwas, was Ihnen hilft, die Balance wieder zu finden. Wenn ein Familienmitglied schuld an Ihrem Ärger ist, können Sie es ihm sagen. Z.B. „Es ärgert mich wirklich, wie du dich benimmst. Ich will, dass das nicht wieder vorkommt!“

Wenn Ihnen einmal tatsächlich die Hand ausgerutscht ist, entschuldigen Sie sich, und zwar nicht nur halbherzig. Sagen Sie klar, dass Sie Ihr eigenes Verhalten nicht gutheißen. Denn Schläge verletzen Würde und Selbstwert. Sie können die Vertrauensbasis und das Familienklima nachhaltig stören. Für Gewalt gibt es keine Rechtfertigung. Wenn Sie selbst in Ihrer Kindheit eine sehr strenge Erziehung, ungerechte Behandlung oder körperliche Strafen erlebt haben, fällt es Ihnen vielleicht schwer, geduldig zu bleiben und in Stresssituationen richtig zu reagieren. In Familien- und Erziehungsberatungsstellen finden Sie Verständnis und konkrete Hilfe für ein gutes Erziehungsverhalten.

Gewalt ist kein Kavaliersdelikt, keine Erziehungsmaßnahme und keine Privatangelegenheit!

Untersuchungen zeigen, dass in erster Linie Frauen und Kinder von Gewalt in der Familie betroffen sind. Die Gewalttäter sind meist Männer. Die Formen der Gewalt sind vielfältig:
  • Körperliche Gewalt wie Schläge, Misshandlung, Würgen
  • Sexuelle Gewalt sowohl an Erwachsenen als auch an Kindern
  • Seelische Gewalt wie Zwang, Drohung, Abwertung
  • Finanzielle Gewalt durch zu wenig Haushaltsgeld oder Missbrauch von Abhängigkeit

Jede Form der Gewalt ist nach dem Gesetz strafbar!

Auch Stalking ist in Österreich seit 2006 unter dem Begriff „Beharrliche Verfolgung“ unter Strafe gestellt. Stalking bedeutet, dass eine Person eine andere Person gegen deren Willen über einen längeren Zeitraum beharrlich verfolgt und dadurch in ihrer Lebensführung unzumutbar beeinträchtigt. Dazu gehören etwa wiederholte Verfolgung, Belästigung durch Telefonanrufe, per E-Mail oder auf andere Weise. Sie sollten sich bei Stalking auf jeden Fall an die Polizei wenden und Anzeige erstatten.

Und die Folgen von Gewalt? Kinder reagieren typischerweise mit schlechten Schulleistungen, Depression, Schmerzen, Ängsten, geringem Selbstwert, Rückzug und Aggression. Bei Erwachsenen besteht Gefahr von Selbstwertverlust, Sucht, Depression bis hin zu Selbstmord.

Gewalt in der Familie ist ein Verstoß gegen die Menschenrechte und keine „private Angelegenheit“. Die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder, die Gewalttaten ausgesetzt waren, selbst wieder Opfer oder Täter werden, ist sehr hoch. Deshalb ist Zivilcourage gegen Gewalt äußerst wichtig.

Verschiedene Einrichtungen unterstützen Sie:
Informationsstelle gegen Gewalt: 1 (01) 544 08 20
Frauenhelpline: 1 0800 222 555 (kostenlos, rund um die Uhr)
Kinderschutzzentren für misshandelte Kinder: 1 0800 808088 (www.die-moewe.at)
Kinderschutzzentrum Wien: 1 (01) 526 18 20 (www.kinderschutz-wien.at)
Österreichische Frauenhäuser (www.aoef.at)
Kinder- und Jugendanwaltschaften Österreichs (www.kija.at) 147 – Rat auf Draht: 1 147 (kostenlos, rund um die Uhr)
Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie (www.interventionsstelle-wien.at)
Plattform gegen Gewalt in der Familie (www.gewaltinfo.at)

Was tun, wenn ich Gewalt beobachte?
Gewalt geht uns alle an! Wenn Sie Zeuge von einer Gewalthandlung sind (bei den Nachbarn, auf der Straße), legen Sie Zivilcourage an den Tag. Nicht vergessen: Wir haben für unsere Kinder Vorbildfunktion. Daher sind mutiges und selbstbewusstes Einschreiten und der Einsatz für Schutzbedürftige wichtig.

Strukturelle Gewalt wird oft nicht unmittelbar wahrgenommen, weil sie nicht aus einzelnen Attacken gegen jemanden besteht. So gesehen können viele Menschen, sogar unsere Kinder, z.B. Opfer einer rassistischen Einstellung in der Schule sein. Bitte schnell die dafür zuständigen Institutionen kontaktieren!
  • z.B.: Beratungsstelle für Opfer und ZeugInnen von Rassissmus 1 (01) 9291399
  • Helping Hands 1 0699 11338402

Ihre Rechte als Opfer von Gewalt:
  • Wenn akute Gewalt droht, rufen Sie sofort die Polizei! (Tel.: 133 oder 112) Potentielle Täter werden aus der Wohnung entfernt und haben zwei Wochen Betretungsverbot.
  • Wenn Sie länger Schutz brauchen, stellen Sie beim Bezirksgericht einen Antrag auf einstweilige Verfügung. So verlängert sich das Betretungsverbot auf vier Wochen.

Autor: Mag.a Katharina Ratheiser


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