Samstag, 24. August 2019

Geteiltes Leid ist halbes Leid!

16. Januar 2012
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Psychotherapie, Familientherapie, Erziehungsberatung – Was ist das? Um bei Problemen die passende professionelle Unterstützung finden, und sie rechtzeitig in Anspruch nehmen zu können, sollten Sie über all diese Angebote informiert sein.

Illustration: Carola Holland
„Die Nächte sind ein einziger Alptraum. Ich kann nicht einschlafen. Mein ganzes bisheriges Leben läuft vor meinem inneren Auge ab“, sagt Serpil. Ihr Hausarzt hat ihr wegen ihrer Schlafstörung, ihres Unwohlseins und ihrer Lustlosigkeit empfohlen, mit einer Psychotherapie zu beginnen.

Wer seinen Kummer ausspricht, findet Trost: Psychotherapie hilft bei Problemen und Erkrankungen seelischen Ursprungs. Es gibt verschiedene Psychotherapie-Methoden, aber allen ist gemeinsam, dass im Mittelpunkt das Gespräch steht. Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen verschreiben keine Medikamente. (Für diese sind Psychiater, Psychiaterinnen sowie Neurologen, Neurologinnen zuständig.)

Die körperliche und die seelische Gesundheit eines Menschen hängen eng zusammen. Wir können unseren Körper nicht von unserer Seele trennen. Körperliche Krankheiten belasten unsere psychische Gesundheit und umgekehrt. Zum Beispiel können körperliche Beschwerden wie Kopf-, Magen- oder Rückenschmerzen, Herzklopfen, Atemnot, Schweißausbrüche, Zittern, Taubheitsgefühle oder auch Lustlosigkeit, Schlafstörungen und Vergesslichkeit unterschiedlichste seelische Ursachen haben. Der Körper warnt damit, dass etwas in Ihrem Leben nicht stimmt. Das kann etwa ein familiäres Problem, eine Trennung von geliebten Personen, Angst vor dem Verlust einer geliebten Person oder eine schädliche Lebensumgebung sein.

Psychotherapie unterstützt Sie dabei, die für Sie richtige und beste Lösung für Ihre Probleme zu finden. Voraussetzung ist, dass Sie sich selbst zur Therapie entschließen, dass Sie motiviert mitmachen, und dass Sie Vertrauen und Respekt gegenüber dem Therapeuten, der Therapeutin haben.

Immer noch gibt es dumme Vorurteile wie „Psychotherapie ist für Verrückte“ und falsche Grundsätze wie „Man muss alle Probleme selber lösen“.
Serpil hat zum Glück nicht darauf gehört. Sie besucht zwei Einzelsitzungen bei einer Psychotherapeutin, die ihr empfohlen wurde. Beim dritten Mal lädt die Therapeutin Serpils Mann zur Sitzung ein. Serpil ist mit ihrem Mann Kemal vor zehn Jahren nach Österreich gekommen. Sie führt jetzt den Haushalt und versorgt ihre beiden Kinder. Die Vierjährige geht in den Kindergarten und der Siebenjährige hat gerade mit der Schule begonnen. Kemal ist Schichtarbeiter und verbringt seine Freizeit fern von der Familie im türkischen Kaffeehaus. Serpil fühlt sich einsam und verlassen – das äußert sich bei ihr in Schlafstörungen. Bei der Paarsitzung schlägt die Therapeutin beiden vor, einen Kalender über die gemeinsam verbrachte Freizeit zu führen. Die Vereinbarung wird von Serpil und Kemal eingehalten und führt dazu, dass bei beiden das Wohlbefinden steigt. Von den gemeinsamen Aktivitäten profitieren auch die Kinder. Serpils Beschwerden lösen sich langsam auf.

Haben Sie keine Angst vor der Psychotherapie und beginnen Sie sie rechtzeitig. Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen stehen unter Verschwiegenheitspflicht. Alles, was in der Therapie besprochen wird, ist vertraulich. Eine Sitzung dauert meist 50 Minuten, Familiensitzungen doppelt so lang. Die Dauer der Behandlung und die Abstände zwischen den einzelnen Sitzungen werden im Einzelfall vereinbart. Eine Altersbeschränkung für Psychotherapie gibt es nicht, sie kann in jedem Alter hilfreich sein.

Wer glaubt, Probleme in der Familie sollten am besten geheim gehalten werden, damit nichts nach außen dringt, schadet sich selbst und den anderen Familienmitgliedern. Die Familientherapie ist eine Form der Psychotherapie, die sich an Paare und Familien richtet. Hier nehmen alle am Problem beteiligten Familienmitglieder teil, das können auch die Großeltern, der Onkel oder eine gute Freundin der Familie sein. Gearbeitet wird an den Beziehungen der Personen untereinander. Schon kleine Änderungen in der Kommunikation können das ganze Familiensystem beeinflussen und verbessern. Die Erziehungsberatung richtet den Blick auf die Entwicklung Ihres Kindes, berät die Eltern darüber, worauf sie bei der Erziehung achten sollten und begleitet sie bei der Lösung von Erziehungsproblemen.

Eine Auswahl typischer Fragen, die zur Sprache kommen können:
„Meine fünfjährige Tochter ist in letzter Zeit sehr aggressiv geworden, sie verweigert alles und behandelt ihren Bruder schlecht.“
„Mein Sohn will immer seinen Kopf durchsetzen, er brüllt, schreit und weint bitterlich. Ich kann ihn dann nicht mehr beruhigen.“
„Seit der Kleine auf der Welt ist, will der Große auch gefüttert und gestillt werden.“
„Unsere Tochter hat jeden Tag vor der Schule Bauchweh.“
„Unsere 13-jährige Tochter ist total verschlossen, sie spricht ganz wenig mit uns, wir kommen nicht mehr an sie heran.“
„Unser Sohn hebt sein Handy nicht ab, hält sich an keine Vereinbarungen, macht was er will, wir sind in großer Sorge.“

Die Erziehungsberatung kann bei solchen oder ähnlichen Problemen helfen. Die Berater und Beraterinnen wollen Sie bei der Erfüllung Ihrer Aufgaben als Eltern mit Rat und Tat unterstützen.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Geteiltes Leid ist halbes Leid!
Seite 2 Wann kann mir Psychotherapie helfen?


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