Freitag, 15. Februar 2019

Feiern mit Herz

Ausgabe 12/2009-01/2010
Damit das Christkind kommen kann: So vermeiden Sie den großen Weihnachtsstress und kommen ohne Streit durchs Fest der Liebe. Die besten Tipps für ein wahrhaft besinnliches Weihnachtsfest.

Foto: Sandra Brunsch - fotolia.com
Christbäume in Lamettaglitzer seit Ende Oktober, Jingle Bells und Co aus allen Lautsprechern, und der Duft von Punschhütten liegt über der ganzen Stadt: Die stillste Zeit des Jahres ist wieder angebrochen, und keiner kann sich dem entziehen. Will vielleicht auch niemand, denn: „Auch wenn Weihnachten und andere religiöse Feste heute für viele den spirituellen Charakter verloren haben, begehen die meisten sie dennoch, weil sie als Rituale Tradition haben, die als angenehm empfunden werden“, sagt die Gesundheitspsychologin, Dr. Karoline Greimel. Man stimmt sich also ein und feiert: aus Überzeugung, aus Lust am Ritual oder einfach nur, damit die ganze Familie wieder einmal zusammenkommt.

… und wieder ein Jahr vorbei
Wie viele Feste, die wir regelmäßig feiern, hat auch Weihnachten die Funktion, Zeit für uns fassbar zu machen. Ein Jahr, das wissen wir, ist ein dichtes, kompliziertes Netzwerk aus Bewegungen und Erfahrungen. Die objektive Zeit, die wir messen können und an der wir uns orientieren, entspricht nicht der Zeit, die wir erleben: Der Urlaub vergeht im Flug, die Arbeit von Oktober bis Dezember zieht sich hin, der Jänner hört einfach nicht auf, aber der Mai mit seinen Sonnentagen ist viel zu kurz, ... Wo ist das Jahr geblieben? Wo und wie haben wir es erfahren? „Die Zeit wird fassbar an den Fixpunkten im Laufe des Jahres, und ein ritualisiertes Fest wie Weihnachten, das für eine Gesellschaft oder Kultur verbindlich ist, markiert solche Fixpunkte“, sagt die Psychologin.

Die heile Familie?
Weihnachten, so wie wir es heute kennen, ist größtenteils erst im 19. Jahrhundert entstanden, als der 24. Dezember nicht nur als Fest der heiligen, sondern auch der bürgerlichen Familie zunehmend an Bedeutung gewann.

Heute ist Weihnachten eines der wichtigsten Feste des Jahres, und auf der anderen Seite zerbricht das, was die bürgerliche Familie einmal ausmachte, immer mehr: Patchworkfamilien sind angesagt, und die Sache mit der saisonalen Harmonie hat Tücken: An kein anderes Fest sind so viele Hoffnungen, Sehnsüchte, aber auch Ängste geknüpft, und was das ganze Jahr nicht funktioniert, soll am Heiligen Abend perfekt klappen. Greimel: „Wie zu keiner anderen Zeit wird jetzt die heile Familie als Ideal gefeiert. Das weckt bei denen, die scheinbar keine mehr haben, Schuldgefühle, und Verluste und Trennungen werden richtig spürbar.“ Kinder, die nach einer Trennung mit der neuen Situation fertig werden müssen, leiden oft besonders.

X-mas-Zoff vermeiden
Aber auch in scheinbar ganz normalen Familien brechen zu Weihnachten oft Konflikte auf. Machtspiele werden gespielt, und dort, wo Harmonie um jeden Preis herrschen soll, findet sich plötzlich ein Minenfeld von lang zurückgehaltenem Streit. Warum? „Die Spannung zwischen Realität und Erwartungen ist zu Weihnachten besonders groß“, sagt Karoline Greimel, und sie rät dazu, Streitigkeiten schon vor dem Fest auszutragen.

Familien sollten sich auch während des Jahres mit einer gesunden Streitkultur auseinandersetzen, miteinander „ringen“ und Streits austragen lernen. Weitere heiße Tipps für alle, die Zoff am Heiligen Abend vermeiden wollen: Die Feier sollte in erster Linie für die Kinder gestaltet werden. Großeltern und Eltern sollten zurückstehen, auch wenn da noch Konflikte schwelen. Wichtig für den reibungslosen Ablauf ist auch eine frühe Planung, und: Feiern Sie im engen Kreis – und erst an den folgenden Tagen mit anderen Verwandten. Was noch zählt, ist Geduld. Stellen Sie hohe Ansprüche zurück, und seien Sie darauf gefasst, dass nicht alles ohne Probleme verlaufen wird.

Feiern in der Patchworkfamilie
Papa hat eine neue Frau, Mama bringt den neuen Papa mit – auch in unkonventionellen Familienmodellen müssen die Eltern entscheiden, wo und wie gefeiert wird. Kinder sollten zwar mitbestimmen können, aber keinesfalls die Bürde einer Entscheidung tragen müssen, und: Eltern sollten mit ihren Geschenken auf keinen Fall in Konkurrenz treten und sich mit der noch tolleren Barbie oder dem ultimativen Christbaum ausstechen. Kinder wollen gerade zu Weihnachten Harmonie, und dass die Eltern sich vertragen.

Apropos vertragen: Scheidungskinder brauchen zu Weihnachten besondere Zuwendung. Es ist wichtig, sie nicht mit ihren Gefühlen allein zu lassen, und beide Eltern sollten zeigen, dass sie für die Kinder da sind.

X-mas for Youngsters
Ob Patchworkfamilie oder nicht – heikel sind die Stunden rund ums Fest des Jahres allemal, doch das, womit wir sie harmonisch gestalten können, sind eben die Rituale. Der Adventkalender und der Wunschzettel ans Christkind zählen ebenso dazu wie das Ritual des Baumschmückens oder das große Festessen nach der Bescherung.

Schlau ist es jedoch, die Weihnachtsrituale immer für die jeweilige Generation zu adaptieren. „Die Wünsche der Jungen sollen miteinbezogen werden, denn wenn Rituale ohne innere Anteilnahme erhalten bleiben und Familienfeste nur mehr als lästig empfunden werden, besteht die Gefahr, dass diese Rituale sinnentleert werden und kontraproduktiv wirken“, sagt Greimel. So kann man etwa pubertierenden Kids, die das traditionelle Weihnachtsfeiern ablehnen, anbieten, den Christbaum nach ihren Vorstellungen aufzuputzen oder das Festmenü selbst zu gestalten.

Ein ganz besonderes Menü
Ohne ein ganz besonderes Festessen ist Weihnachten natürlich nur eine halbe Sache. Das opulente Essen und Trinken vor oder nach der Bescherung wertet das „Ereignis Weihnachten“ noch einmal auf. Einerseits entspricht man mit dem Weihnachtsmenü oft der Tradition, andererseits werden auch meist Speisen zubereitet, die man im Alltag nur selten isst. So wird die Wertigkeit dieses besonderen Tages betont. Auch dass meist zu Hause gegessen wird, hat Symbolcharakter: Die Familie ist bei sich, und man isst, was gemeinsame Tradition hat.

Freude am Schenken
Tiefe Bedeutung kommt auch den Geschenken zu. Psychologin Greimel: „Geschenke stärken Beziehungen und Bindungen. Sie sind Symbol für Zuwendung, Aufmerksamkeit, Nähe und Interesse, mitunter auch Indikator für die Stärke der Zuwendung.“ Dabei spielen materielle und emotionale Werte eine Rolle. Beim Aufreißen der bunten Päckchen geht es uns also sowohl darum zu sehen, wie viel wir bekommen, als auch darum zu erfahren, wer mit wie viel Wertschätzung an uns denkt und wer wie viel Herzblut in ein Geschenk investiert hat. Schenken wir selbst, wollen wir ebendiese Dinge für den anderen ausdrücken.

Rituale stärken Körper & Seele
Sinn machen rituelle Bräuche allerdings nur dann, wenn auch Bewusstsein dahinter steht, und ob es im eigenen Leben zu viele oder zu wenige Rituale gibt, kann man für sich selbst entscheiden. Man kann neue erfinden, vorhandene Rituale an eigene Bedürfnisse anpassen, „sinnlose“ verwerfen. Klären Sie ab, welche Werte für Sie wichtig sind und welche Wünsche und Ziele Sie mit diesem Ritual verknüpfen. Sei es Zugehörigkeit, Ordnung bzw. Heilung, Identität, Feste – es sollen bewusste Handlungen mit Sinn sein. Übrigens: Rituale wirken auch gesundheitsfördernd. Sie vermitteln Sicherheit, ordnen und strukturieren, stärken die Identität und markieren Übergänge, beeinflussen so die mentale Gesundheit und sind eine Hilfe bei der Bewältigung von Krisen. Frohes Fest!


Psychologie des Schenkens
Es gibt viele Gründe, warum Menschen schenken. Hier einige Motive:
  • Der Form zuliebe: Manche tun es, weil es sich einfach so gehört. Der Akt des Schenkens wird kaum hinterfragt, das Geschenk ist allgemein weder sehr teuer noch deutlich billig oder gut durchdacht. Es geht also schlicht darum, sich der guten Nachrede zu versichern.
  • Aus Lust: Viele schenken aus purer Freude am Freudemachen. Solche Präsente sind oft kreativ, wohl überlegt und an den Geschmack des Empfängers angepasst. Auch dahinter kann ein egoistischer Aspekt stecken, ganz einfach weil der Akt des Gebens an sich lustvoll ist.
  • Aus Erwartung: Manchmal sind festliche Präsente auch so etwas wie ein Gegengeschäft. Geschenkt wird oft Teures und Exklusives, und dahinter kann der Wunsch stehen, ebenso reich beschenkt zu werden.
  • Als Zeichen: Manchmal sind Weihnachtsgeschenke auch Hinweise auf das, was der Schenker vom Beschenkten will. Geschenkt wird, was der Geber selbst gut findet, und das ist nicht selten weit weg von dem, was der Empfänger selbst wählen würde.
  • Zur Selbstdarstellung: Superoriginelle Geschenke verraten etwas über die Selbstdarstellungslust des Gebers. Oft gibt’s da unliebsame Überraschungen.

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