Samstag, 21. September 2019

Familienfest Weihnachten

Ausgabe 2012/12-2013/02
Zu Weihnachten wird’s bei Ihnen hektisch? Am Heiligen Abend wird gestritten? Und die restlichen Feiertage sind Sie erschöpft statt glücklich? Wir zeigen, wie Sie aus dieser Falle entkommen können.

Foto: Can Stock Photo Inc. - pressmaster
Wenn die Straßen bei Einbruch der Dunkelheit durch zauberhafte Lichter erhellt und die Schaufenster opulent dekoriert werden, der Lebkuchenduft von den zahlreichen Marktständen die Sinne weckt und die ersten saftig-grünen Tannenbäume auf Käufer warten, dann ist klar: Die Adventzeit hat begonnen. Für viele Menschen fällt nun der Startschuss für die schönste Zeit des Jahres; für viele andere birgt der Dezember-Monat aber ein großes Stresspotenzial, da sich zu den gewohnten Alltäglichkeiten eine To-do-Liste dazugesellt, die bis zum 24. Dezember unbedingt erledigt werden sollte.

Weg vom Gas! Es „müssen“ Geschenke gefunden, gekauft und verpackt, Karten verschickt, Kekse gebacken, die Wohnung dekoriert, Menüvorschläge gesichtet und eventuell noch ein Theaterstück im Kindergarten organisiert werden. „In das Weihnachtsfest werden oft sehr hohe und auch unterschiedliche Erwartungen gelegt, weil an den Feiertagen einfach alles anders ist als unter dem Jahr“, ist Mag. Hermine Widl, Psychotherapeutin und klinische Psychologin in Holla-brunn und Korneuburg, überzeugt. Dazu kommt auch noch der Druck, mit wem und wo überhaupt gefeiert werden soll: im kleinen Kreis oder vielleicht doch mit den Geschwistern, mit den Großeltern, Schwiegereltern, Freunden? Für geschiedene oder getrennte Paare mit Kindern stellt sich zudem die Frage, wo die Sprösslinge die Weihnachtsfeiertage verbringen bzw. wie lange sie bei welchem Elternteil bleiben sollen. Alles in allem also eine schöne Bescherung, die uns hier bereitet wird. Aber halt – letztendlich hängen eine harmonische Adventzeit und ein gelungenes Weihnachtsfest auch zum Großteil von jedem Einzelnen bzw. seiner Einstellung zu dem bevorstehenden Fest ab. „Akzeptieren Sie einerseits eine gewisse Hektik, die zu dieser Zeit einfach vorherrscht, aber versuchen Sie trotzdem, dem Heiligen Abend möglichst gelassen entgegenzusehen“, empfiehlt Ass.-Prof. Dr. Brigitte Hackenberg, Ärztliche Leiterin des Klinischen Kompetenzzentrums Psychosomatik für Kinder in Wien. Mit den folgenden Tipps gelingt Ihnen das hoffentlich auch.

1. Teilen Sie sich die Vorbereitungen gut ein. „Die Weihnachtsfeiertage sind der Höhepunkt einer oft stressigen Adventzeit. Wenn man sich aber schon vier Wochen vorher auf die Festtage einstimmt und mit Planungen beginnt, spart man sich jede Menge Stress“, so Widl. Nehmen Sie sich also für die Weihnachtsvorbereitungen genügend Zeit und überlegen Sie, worauf Sie dieses Jahr auch verzichten können. Es müssen z. B. nicht zehn verschiedene Kekssorten selbst gebacken werden, zwei reichen auch. Und es muss auch nicht der gesamte Freundes- und Bekanntenkreis mit Weihnachtskarten beglückt werden. Suchen Sie sich für diese freundliche Kontaktaufnahme lieber zwei, drei Menschen aus, die Ihnen am Herzen liegen. Erstellen Sie eine Liste, wann Sie sich um welche Dinge wie z. B. Geschenke oder Christbaum kaufen kümmern wollen.

2. Suchen Sie das Gespräch. In gemeinsamen Gesprächen mit Familienmitgliedern und Freunden können Sie schon im Vorfeld vieles klären. „Wichtig ist, dass miteinander gesprochen wird und man sich bewusst mit den eigenen Erwartungen auseinandersetzt. Wenn ich diese kenne, kann ich mich auch mit den Erwartungen der anderen beschäftigen“, meint Widl. Besprechen Sie gemeinsam mit Ihrem Partner – so vorhanden –, wen Sie wirklich bei der gemeinsamen Bescherung dabeihaben wollen. „Ich würde darauf achten, nur jene Menschen einzuladen, die man gerne um sich hat“, gibt Diplom-Psychologin Doritt Geitmann aus Kremmen im deutschen Brandenburg zu bedenken. „Es bringt nichts, mit Menschen den 24. Dezember zu ,feiern‘, die man sonst meidet. Die künstliche Zusammenrottung von Menschen birgt nur zusätzliches Konfliktpotenzial“, ist auch Psychotherapeutin Widl überzeugt. Getrennte Paare mit Kindern sorgen für harmonische Stunden, wenn sie bereits Wochen vorher darüber reden, welche Packerl besorgt werden, wie sich die Festtage gestalten sollen und – sich an diese Vereinbarungen halten.

3. Delegieren Sie Aufgaben. Sie müssen sich nicht um alles alleine kümmern. „Geben Sie gezielt Arbeiten ab, binden Sie alle Beteiligten ein, und erwarten Sie nicht, dass viel von selbst passiert. Sprechen Sie konkret Ihre Vorstellungen an“, so Widl. Die Oma freut sich beispielsweise, wenn sie das Keksebacken übernehmen und mit den Enkeln Weihnachtsschmuck basteln oder vielleicht auch einen Adventkranz binden kann. Größere Kinder können auch beim Baumaufputz helfen – und: Sie sollten für das Festmahl nicht Stunden in der Küche verbringen. „Genauso gut können Sie auch gemeinsam kochen oder sich dafür entscheiden, dass jeder Gast eine Kleinigkeit mitbringt“, rät Geitmann.

4. Nutzen Sie neue Medien. Wenn keine Zeit für ausgiebige Einkaufsnachmittage vorhanden ist, dann nutzen Sie doch das Internet. Mittlerweile lassen sich viele Geschenke und Gutscheine schon online bestellen; manche Anbieter offerieren zusätzlich ein Verpackungsservice. Wer Familienmitglieder oder Freunde im Ausland hat, die aus einem bestimmten Grund bei den Feierlichkeiten nicht anwesend sein können, kann sie sich mittels Videotelefonie auch „ins Haus holen“.

5. Sorgen Sie für Abwechslung. Wie wäre es, wenn Sie einmal mit tradierten Ritualen brechen und Sie rund um den Heiligen Abend eine Fernreise oder einen Ski-Urlaub einplanen? Egal, ob nun als flexibler Single oder abenteuerlustige Familie – möglich ist alles. „Man kann ja nächstes Jahr wieder gemeinsam feiern“, so Geitmann. Und freut sich dann vielleicht umso mehr!

6. Streiten Sie – aber zu einem anderen Zeitpunkt. Gerade zu Weihnachten flammen latente Konflikte innerhalb der Familie oder unter Paaren auf. Wenn sich gerade zu den Festtagen ein Streit anbahnt, rät Psychotherapeutin Hackenberg zur Umsetzung eines dreistufigen Modells, bestehend aus Deeskalation, Affektaufschub und Konfliktoffenheit: „Unterbrechen Sie die Diskussion, verschieben Sie sie auf einen späteren Zeitpunkt und sprechen Sie dann aber konkret die Probleme an.“

7. Last, but not least: Legen Sie in der Adventzeit bewusst Pausen ein, indem Sie sich eine Tasse Tee gönnen, ein gutes Buch lesen oder sich mit einer Freundin auf einen Kaffeeplausch treffen. Schließlich sollen auch Sie selbst den Heiligen Abend mit genügend Energie genießen können!

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2019-09 130x173

Aktuelles Heft 09/2019

Die nächste Ausgabe erscheint am 4. Oktober

 

Unsere Ausgabe 07-08/2019 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Hand aufs Herz – wie nutzen Sie Ihr Handy?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information