Dienstag, 26. September 2017

Erholung statt Alltagstrott!

Ausgabe 2017.09

Die Urlaubszeit ist vorbei – jetzt heißt es wieder zu arbeiten und zu funktionieren. Doch halt! Erholungsphasen – und zwar tägliche! – sind wichtig, um ein zufriedenes Leben zu führen. gesünder leben zeigt, wie Sie Tag für Tag eine kleine Auszeit genießen können.


Foto: canstockphoto - draghicich

Obzwar die Natur uns im Herbst noch mit ihrem prachtvollen Farbenspiel verwöhnt und die Sonne viel Kraft aufbringt, um uns mit ihren Strahlen zu erfreuen, ist Schluss mit dem sommerlichen Leben im Freien. Wir trinken jetzt Tee statt Campari, tragen Socken statt Flip-Flops und werfen abends nicht den Griller, sondern die Heizung an. Der Sommer ist zu Ende, wir stecken wieder fest in unserem Alltag, und für viele von uns bedeutet das: Schluss mit lustig. Wir waren zwar gerade erst auf Urlaub, bräuchten aber schon wieder einen. Weil wir erschöpft sind und müde, uns zu lasch für Unternehmungen fühlen – und betrübt sind wir wohl auch, weil es gar so lange dauert bis zum nächsten Sommer.

Urlaub vom Alltag

Anregungen, um auch im Herbst ein wenig „Urlaubsfeeling“ zu genießen.

  • Bereiten Sie mediterrane Speisen zu und laden Sie Freunde ein.
  • Melden Sie sich zu einem Tanzkurs an und lernen Sie – endlich – Rumba, Samba oder Walzer tanzen.
  • Urlaubsmusik versetzt Sie sofort in Ferienstimmung.
  • Schreiben Sie auf, was Ihnen im Urlaub besonders gutgetan hat – und nehmen Sie sich vor, diese Dinge so oft wie möglich in den Alltag zu integrieren.
  • Schweifen Sie mit Ihren Gedanken nicht immer nur in die Ferne – machen Sie auf Tourist daheim und besichtigen Sie Sehenswürdigkeiten vor Ort.
  • Genießen Sie das, was Sie gerade tun, und nehmen Sie sich nicht zu viel vor.
  • Besuchen Sie einen Sprachkurs als Vorbereitung auf den nächsten Urlaub.
  • Nehmen Sie sich vor, Bücher von fünf Autoren Ihrer Lieblingsdestination zu lesen.

Erholung lässt sich nicht speichern. Anders als Erinnerungen, Bilder und Filme, die gespeichert und jederzeit abgerufen werden können, kann die Erholung nicht gespeichert und nach Bedarf Stück für Stück konsumiert werden. Dr. Gerhard Blasche, Psychologe und Psychotherapeut sowie Wissenschaftler am Institut für Umwelthygiene am Zentrum für Public Health der Medizinischen Universität Wien: „Die Mehrzahl der Menschen hat sich im Urlaub zwar sehr gut erholt – nur bei 15 Prozent der Urlauber ist, wie wir aus unseren Forschungen wissen, die Erholung zu kurz gekommen –, aber der Urlaubseffekt ist im Allgemeinen nicht von langer Dauer, sondern schon nach ein bis drei Wochen wieder abgeklungen.“ Hinzu kommt: Alltagspflichten und Alltagssorgen haben uns wieder fest im Griff. „Die Arbeit und das tägliche Leben haben die Tendenz, dem Menschen alles abzufordern, und dieses hohe Maß an Anstrengung ermüdet“, erklärt Blasche und so der Experte weiter: „Geht man etwa am Montag schon müde zur Arbeit und gönnt sich keine oder zu wenige Pausen, so muss man spätestens am Nachmittag mit einem massiven Leistungsabfall rechnen. Und das ermüdet gleich doppelt: Einerseits ist es die Arbeit, die müde macht, und andererseits das Ankämpfen gegen die Müdigkeit.“

Erholungsphasen in den Arbeitsalltag einplanen. „Wir neigen dazu, die Erholung in unserem täglichen Ablauf zu vernachlässigen“, sagt Blasche. „Wir verschieben die Erholung auf den Abend, auf das Wochenende, auf den Kurzurlaub im nächsten Monat. Für die Leistungsfähigkeit ist es aber unumgänglich, Pausen während der Arbeit einzuhalten. Durcharbeiten und dann daheim umzufallen, ist erwiesenermaßen nicht produktiv. Bei geistiger Arbeit benötigt der Mensch jede Stunde gute fünf Minuten Pause oder alle eineinhalb Stunden zehn Minuten, bei schwerer  körperlicher Arbeit deutlich öfter. Die gesetzliche Pausenregelung – eine Pause nach sechs Stunden Arbeit – entspricht nicht den wissenschaftlichen Erkenntnissen“, kritisiert der Erholungsforscher. In vielen Berufen gibt es keine Autonomie bei der zeitlichen Arbeitsgestaltung (so etwa bei Fließbandarbeiten), aber es sind nicht nur die äußeren Barrieren, die die Erholung behindern, sondern auch jene, die wir uns selbst errichten – „Ich werde mit der Arbeit nicht fertig, wenn ich eine Pause mache“, „Die Sache kann nicht fünf Minuten warten“, „Eine so kurze Pause bringt doch eh nix“. – Faslch!

So schaffen Sie es, sich in fünf Minuten zu erholen. „Ein wesentlicher Faktor für die Erholung ist die Fähigkeit, sich mental und emotional von den vorangegangenen Aufgaben und Belastungen zu distanzieren und sich nicht weiter damit zu beschäftigen. Wer es nicht schafft, abzuschalten, verhindert Entspannung“, sagt Blasche. Eine einfache Möglichkeit, dem entgegenzuwirken, sei, eine „Zu tun“-Liste anzulegen, die unerledigten Arbeiten fänden damit einen (vorübergehenden) Abschluss. Weitere wesentliche Faktoren, die den Erholungsprozess unterstützen, sind: Achtsamkeit (Wahrnehmung von Erholungsbedürftigkeit bzw. Erschöpfung), die Beachtung biologischer Rhythmen, mentales Abschalten, Entspannungstechniken und Meditation, körperliche Aktivität (ein paar Schritte gehen, zehn Kniebeugen machen, sich dehnen und strecken), Natur erleben (schon der Blick auf einen Baum vorm Fenster wirkt unterstützend), Freude (Urlaubsbilder durchklicken, Ausflug planen, Einkaufsliste für das Lieblingsessen schreiben).

Mini-Urlaube im Alltagstrott haben eine große Wirkung. „Wir wissen“, erklärt Experte Blasche, „dass zwei Faktoren den Urlaubseffekt bestimmen: Entlastung und Freude. Schaffen Sie sich konsequent einen täglichen Freiraum, in dem Sie sich aus dem Familienleben ausklinken und eine halbe Stunde, eine Stunde nur das tun, was Ihnen Freude macht. Mit dem gesteigerten Wohlbefinden und der dadurch aufgebauten Erholung gehen einem die Anforderungen, die nach der Arbeit daheim warten, einfacher und schneller von der Hand.“ Plus: „Versuchen Sie das, was Sie im Urlaub an Freuden entdeckt oder wiederentdeckt haben, bewusst im Alltag weiterzuführen. Das kann ein Abendspaziergang im Park sein, ein gemütlicher Kaffee in der Stadt, der Besuch einer Ausstellung oder eines Konzertes. Ein Ausflug an den Wochenenden – bevorzugt in die freie Natur – hat einen hohen Erholungswert und hilft einem durch die Schönheit, die ein Wald, ein Park oder die Berge zu bieten haben, Belastendes mental zurückzulassen. Und moderate Bewegung hat einen positiven Einfluss auf unsere Gesundheit, auf das Wohlbefinden sowie unser Gemüt und bringt die nötige Energie, die wir brauchen, um unseren Alltag  wieder gut gelaunt und fit bewältigen zu können.“

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