Dienstag, 17. September 2019

Das große "Ich bin ich"

23. Januar 2012
Seite 1 von 2
Sie sind keine Rabenmutter und kein Rabenvater, wenn Sie sich selbst Zeit gönnen. Im Gegenteil. Sie laden Ihre Energiereserven auf, um mit vollem Einsatz und Spaß Ihr Familienleben pflegen zu können.

Illustration: Carola Holland
„Männertag“ nennt Albrecht den Samstag jeder ungeraden Woche. Er verbringt ihn allein mit Dominik, seinem 15-jährigen Sohn aus erster Ehe. Die beiden sehen sich auch an zwei fixen Nachmittagen pro Woche und zusätzlich nach Vereinbarung. Dominik wohnt zum Glück nicht weit weg von der Wohnung, die Albrecht mit seiner zweiten Frau Erika und der gemeinsamen Tochter Silvia bezogen hat.

Erika hat Dominik aufwachsen gesehen und wird von ihm liebevoll „Zweitmama“ genannt. Sie hatte viele Jahre Zeit, in die Rolle als Stiefmutter hineinzuwachsen und sich damit wohl zu fühlen. Bevor sie selbst Mutter wurde, hatte sie nie den Eindruck, überfordert zu sein. Sie und ihr Mann hatten ein ausgefülltes Berufsleben und gemeinsame Hobbys. Dominiks Besuche verliefen entspannt. An den „Männertagen“ hatte Erika viel Zeit zur eigenen Gestaltung.

Nach Silvias Geburt wurde alles anders. Erika ging in Karenz und war bald für den Großteil der Hausarbeit zuständig. Die „Männertage“ verbrachte sie mit der Betreuung ihrer Tochter. Nun ist Silvia knapp drei Jahre alt, und Erika hat einen Teilzeitjob mit 20 Wochenstunden angetreten. „Kind, Haushalt, Job – für mich bleibt überhaupt keine Zeit mehr übrig. Ich weiß gar nicht, wann ich zuletzt ein Buch gelesen habe“, klagt sie ihrer Freundin Ruth am Telefon ihr Leid.

„Dabei hast du uns alle immer neidisch gemacht mit deinem Albrecht“, meint Ruth. „Er hat sich vorbildlich um seinen Sohn gekümmert, den halben Haushalt erledigt, und dann wart ihr auch noch gemeinsam klettern und segeln.“

Erika überlegt, was passiert ist. Die stillschweigende Vereinbarung, auf der ihre Familie beruht hat, funktioniert seit Silvias Geburt nicht mehr. „Wahrscheinlich muss nur eine neue Vereinbarung her. Und diesmal keine stillschweigende“, vermutet sie. Ruth ermutigt sie, mit Albrecht zu sprechen: „Eure Situation hat sich verändert. Da gehören Aufgaben und Zeiteinteilung angepasst. Ich habe zwar keine Patchworkfamilie, aber mein Mann und ich haben den Alltag auch schon einige Male neu organisiert.“

Eine ungerechte Aufteilung kann sich unbemerkt einspielen. Sie kann aber auch dadurch entstehen, dass man es möglichst allen recht machen möchte.

Chris ist mit 37 Jahren verwitweter Vater von zwei kleinen Mädchen. Übers Internet lernt er Jasmin kennen, und schon nach einem halben Jahr wird sie überraschend schwanger. Als Nils auf der Welt ist, ziehen alle zusammen. Chris ist plötzlich finanziell für eine große Familie verantwortlich. Seinen drei Kindern ist er ein vorbildlicher Vater. Und was Jasmin betrifft, möchte er die Verliebtheit nicht im Kinderlärm untergehen lassen. Erst spät merkt er, dass ihm kaum noch Zeit zum Verschnaufen bleibt. Er hört zu, als ein Kollege die ersten Anzeichen von Burn-out beschreibt, und erkennt sich selbst wieder.

Chris weiß, dass Veränderungen Zeit brauchen. In kleinen Schritten beginnt er, seine Freiräume zu verteidigen. Er wechselt sich mit Jasmin beim Ausschlafen am Wochenende ab. Er setzt sich eine halbe Stunde aufs Sofa, wenn er abends heimkommt. Er überträgt den Kindern ihrem Alter entsprechende Aufgaben im Haushalt. Er ruft alte Freunde wieder an. Jasmin und die Kinder bemerken bald, dass sich seine Energiereserven wieder füllen.

Es ist keineswegs sinnvoll, „wegen der Kinder“ ständig zu verzichten oder sich „dem Partner, der Partnerin zuliebe“ zu viel aufzubürden. Sich selbst zu überfordern erzeugt unweigerlich Frust und macht auf Dauer krank. Stellen Sie deshalb mit gutem Gewissen zwischendurch Ihre eigenen Bedürfnisse und Interessen in den Vordergrund.

Was Kinder alleine spielen können
  • Lego oder Bausteine
  • Malen und Zeichnen
  • Puzzles
  • Puppen
  • Plastilin
  • Spielzeugeisenbahn
  • Kleine Tätigkeiten im Haushalt
  • Wasserspiele im Waschbecken
  • Dinge nach Farben ordnen
  • „Kochen“ mit Gewürzen und Getreideflocken
  • Fotosafari durch Haus und Garten
  • Verkleiden vorm Spiegel (mit Mamas Sachen)
  • Wörter abschreiben
  • Lesen

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Das große "Ich bin ich"
Seite 2 Tipps


logo

Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend
www.eltern-bildung.at
Bestellen Sie weitere Elternbriefe und Tipps für Eltern kostenlos hier

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2019-09 130x173

Aktuelles Heft 09/2019

Die nächste Ausgabe erscheint am 4. Oktober

 

Unsere Ausgabe 07-08/2019 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Hand aufs Herz – wie nutzen Sie Ihr Handy?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information