Montag, 23. September 2019

Das Glück liegt in der Wiege

Ausgabe 2013/02
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Studien belegen, dass eine glückliche Kindheit eine wichtige Voraussetzung für ein ausgeglichenes Leben als Erwachsener ist. GESÜNDER LEBEN zeigt, wie Sie als Elternteil dieses Glück verantwortungsvoll unterstützen können.

Foto: © Can Stock Photo Inc. - phakimata
Es gibt sie und jeder kennt vermutlich einen davon: Menschen, denen im Alltag alles irgendwie leichter gelingt, die gute Ratgeber sind und sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen lassen. Was unterscheidet diese Menschen von anderen? Was machen diese sonnigen Gemüter anders bzw. was macht ein zufriedenes, ausgeglichenes Leben überhaupt aus?

Menschenliebe macht glücklich. Seit über 70 Jahren begleiten Forscher der Harvard University in Cambridge im Rahmen der sogenannten „Grant-Studie“ 268 Harvard-Absolventen der Jahrgänge 1939 bis 1945, um der Frage nachzugehen, wie das Leben glücklich gemeistert werden kann. Neben vorhersehbaren, nicht weiter erstaunlichen Ergebnissen wie regelmäßige Bewegung, Normalgewicht und der Verzicht auf Genussmittel sind einige Resultate doch verblüffend. „Das mit Abstand Wichtigste ist die Bindung“, behauptet Studienleiter und Psychiater George Vaillant in einem vor Kurzem erschienenen „Spiegel“-Interview. „Dabei geht es nicht unbedingt um die Bindung zum Lebenspartner, sondern eher um die grundsätzliche Beziehung zu anderen Menschen – und zwar im Sinne einer menschenliebenden und einfühlsamen Verbindung. Viele Akzente für eine solch feinfühlige Fähigkeit werden bereits in der Kindheit gesetzt. „Vom ersten Lebenstag an kann ein liebevolles, zugewandtes Elternverhalten die Weichen für ein selbstbestimmtes Leben des Heranwachsenden stellen. Kein Elternhaus kann eine glückliche Zukunft garantieren. Das Ziel der Erziehung muss vielmehr die Widerstandskraft, die Resilienz, gegenüber widrigen Umständen und die Fähigkeit, sich selbst anzunehmen und zu erkennen, sein“, ist sich Ass.-Prof. Dr. Brigitte Hackenberg, Ärztliche Leiterin des Klinischen Kompetenzzentrums Psychosomatik für Kinder in Wien, sicher.

Die besten Tipps für Eltern
So wird aus Ihrem Kind ein glücklicher Erwachsener

  • viel Liebe und Zärtlichkeit schenken
  • stets den Dialog und Unterstützung anbieten
  • los-, aber nicht allein lassen; Freiräume schaffen
  • fordern, aber nicht überfordern
  • Gelassenheit und Geduld ausstrahlen
  • ein gutes Vorbild abgeben; Werte vermitteln
  • ermutigen, anerkennen und Kraft spenden
  • Regeln aufstellen; Strukturen offerieren
  • mitbestimmen lassen


So stärken Sie Ihr Kind! Zur optimalen Entfaltung seines Geistes und seines Charakters braucht jedes Kind verständnisvolle Eltern, die mit viel Liebe auf seine individuellen Bedürfnisse eingehen und diese erste zentrale (Menschen-)Bindung positiv prägen. „Wenn ein Kind ge- und erwünscht ist, werden bereits in der Schwangerschaft die ersten Glückshormone übertragen“, ist Univ.-Prof. Dr. Max Friedrich, Vorstand der Wiener Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, überzeugt. „Nach der Geburt gilt es, die Aufmerksamkeit auf fünf Ebenen zu erhalten: körperlich durch viel Zärtlichkeit; intellektuell durch adäquate Förderung; emotional durch ausreichend Liebe; sozial durch entsprechende Erziehung und natürlich auf der Gender-ebene durch unterschiedliche Bedürfnisbefriedigung von Mädchen und Buben.“ Eltern, die die Entwicklung ihres Kindes auf diesen Ebenen ideal fördern, tragen entscheidend zur Bildung von zentralen Persönlichkeitskompetenzen bei, die für Glück und Erfolg im späteren Leben verantwortlich sind. Zu diesen wichtigen Kernkompetenzen zählen Vertrauen, Begeisterungsfähigkeit, Aktivität und Verantwortungsgefühl. Wer diese Fähigkeiten besitzt bzw. an ihnen reifen durfte, steuert auf ein zufriedenes Leben zu und wird sich im späteren Leben besser zurechtfinden.

An sich selbst und andere glauben. Entwicklungspsychologen wie Erik H. Erikson oder John Bowlby stimmen überein, dass die ersten Lebensjahre darüber entscheiden, ob wir den Menschen um uns herum eher ver- oder misstrauen. Bereits im Säuglingsalter entwickelt sich ein Grundgefühl, das sogenannte „Urvertrauen“, welchen Situationen und Personen man mit Zuversicht begegnen kann und welchen nicht. Wer seinem Baby viel Zärtlichkeit, Geborgenheit und Aufmerksamkeit schenkt, vermeidet Enttäuschungen in den ersten Lebensmonaten und sorgt dafür, dass es sich selbst immer mehr vertrauen kann. Zu dieser Kompetenzentfaltung gehört auch, seinem Kind die Freiheit zu lassen, Dinge selbst auszuprobieren. Der Sprössling wird von Monat zu Monat merken, dass er nicht ewig auf die Hilfe anderer angewiesen ist. Er wird sich im Lauf der Zeit selbstständig fortbewegen können, mit Bastelgegenständen hantieren oder allein mit seiner Omi telefonieren. Dabei müssen Eltern einen nicht ganz leichten Spagat bewältigen: einerseits Unterstützung bieten, andererseits im Hintergrund bleiben, die eigene Kraft entdecken lassen, zur richtigen Zeit los-, aber nicht allein lassen und vorgefertigte Meinungen nicht willkürlich überstülpen. Der Glaube an sich selbst gelingt am besten, je häufiger Eigeninitiative, Erfolgserlebnis und Freude miteinander korrelieren. Mit jeder erfolgreichen Handlung wird das Kleinkind selbstständiger, selbstbewusster und weniger manipulierbar.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Das Glück liegt in der Wiege
Seite 2 Krisen als Chance
Seite 3 Tipps für alle Eltern

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