Freitag, 24. Mai 2019

Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile

13. Januar 2012
Die Familie ist ein Ganzes, ihre Mitglieder ergänzen einander. Die Rollen sollten dabei nicht durch das Geschlecht eingeschränkt werden. Ein Bub kann sein Bett selber machen und ein Mädchen kann einen Nagel einschlagen!

Illustration: Carola Holland
Nurcan erinnert sich noch gut daran, mit welcher Vorfreude und Aufregung sie nach Wien zu ihrem Ali kam, der aus demselben Dorf wie sie stammt. Sie träumte davon, hier in ihrer neuen Heimat eine gute Ehefrau, Mutter und Hausfrau zu werden.

Nach einem schweren Arbeitsunfall wird Ali jedoch arbeitslos und ihre Träume zerplatzen.
Nurcan beginnt auf Vermittlung einer Nachbarin, als Putzfrau zu arbeiten. Durch die harten Arbeitsbedingungen und die zusätzliche Belastung als Hausfrau fühlt sie sich zusehends überfordert. Sie reagiert gereizt und hat Gefühlsausbrüche. Sie regt sich wegen jeder Kleinigkeit auf und merkt dabei, dass ihr Mann immer stiller wird und sich langsam zurückzieht. Sie reden immer weniger miteinander und beide beginnen sich einsam zu fühlen. Das Thema Geld löst immer häufiger Konflikte aus.

Wie kann man Nurcan und Ali helfen? Es sieht so aus, als hätte Ali dadurch , dass seine Frau arbeiten geht während er keinen Job findet, sein Selbstvertrauen verloren. Gleichzeitig ist Nurcan durch die Mehrfachbelastung überfordert. Auf beiden Seiten gibt es Verunsicherung und Unruhe. Die erwartete und geplante Rollenverteilung zwischen Mann und Frau ist durcheinander geraten. Ali und Nurcan leben nicht das Leben, das sie sich so schön ausgemalt hatten. Es ist wichtig, auf die neuen Anforderungen zu reagieren. Im Leben ist niemals alles vorhersehbar und planbar. Ali und Nurcan müssen die Arbeitsteilung besprechen und die Verantwortung neu verteilen. Auch wenn das nicht zu dem traditionellen Rollenbild in ihren Köpfen passt: Die Situation macht es notwendig, dass – im Moment – die Frau für das Familieneinkommen sorgt, und der Mann für den häuslichen Bereich zuständig ist. Das offen auszusprechen und umzusetzen, ist ein Zeichen von Verantwortlichkeit und Reife!

Hätten Nurcan und Ali Kinder, wären sie außerdem ein wichtiges Vorbild. Dafür, dass das Leben in der Familie auch nach einem Schicksalsschlag gelingen kann.

Dabei braucht es gar keinen Einschnitt wie Alis Unfall. Auch bei Ihnen zu Hause kann der Vater, der gerne kocht, die Küchenarbeit übernehmen. Der Sohn kann seine Hosen selber bügeln und die Tochter ihr Zimmer selbst aufräumen. Vielleicht bewährt es sich bei Ihnen, dass die Mutter das Haushaltsbudget verwaltet und die Geldgeschäfte erledigt.

Ihre Familie ist so stark wie alle Mitglieder zusammen. Gegenseitige Unterstützung und Solidarität sollten die Grundlage sein.

Autor: Mag.a Katharina Ratheiser


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