Dienstag, 17. September 2019

Danke, Mama!

Ausgabe 2016.04

Mütter ticken einfach anders – und bleiben ein Leben lang mit uns verbunden. Nutzen Sie daher nicht nur den jährlichen Muttertag (diesmal übrigens am 8. Mai), um sich bei der wohl wichtigsten Bezugsperson zu bedanken.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - konradbak

Zugegeben, die oben stehende Jobanzeige ist alles andere als einladend – und jetzt Hand aufs Herz: Würden Sie auf diese Stellenanzeige reagieren? Wären Sie Mutter geworden, wenn Sie im Vorfeld gewusst hätten, was da alles auf Sie zukommt? Dass Sie für viele Jahre Ihre Aufgaben im Multitasking-Modus – und das meist stillschweigend – erledigen müssen? Wohl kaum, aber zum Glück gibt es hier einen zauberhaften Trick für das erfolgreiche Meistern all der aufgezählten und längst nicht vollständig erwähnten Leistungen. Er muss nicht einmal erlernt werden, ist vielmehr naturgegeben und nennt sich schlicht und einfach: Mutterliebe. „Sie entwickelt sich schon während der Schwangerschaft, wird unterstützt durch die hormonelle Umstellung, vor allem der Ausschüttung von Östrogenen als auch Endorphinen und wird von Woche zu Woche intensiver“, so die Linzer Kinderpsychologin Mag. Birgit Nelböck.

Die erste Liebe. Auch das Kind nimmt bereits im Mutterleib die ersten rhythmischen Erlebnisse wahr: zuerst den Herzschlag der Mutter, dann Geräusche, Stimmen und Melodien von außen, auf die es oft ganz unterschiedlich – gerne auch einmal mit einem sanften Fußtritt – reagiert. Kommt der Sprössling dann zur Welt, wird die Beziehung zwischen Mutter und Kind, besonders in den ersten Tagen und Wochen, verstärkt. Experten sprechen hier auch von der sogenannten „Bonding“-Phase, die im Idealfall durch ausgedehnten Haut-auf-Haut-Kontakt, das Einprägen von Geruch und Stimme und nicht zuletzt durch das Stillen – so möglich – gekennzeichnet ist. „Es entsteht eine Beziehung, die von einer Einzigartigkeit geprägt und mit keiner anderen vergleichbar ist“, betont Nelböck. „Die ersten Bindungserfahrungen beeinflussen nicht nur die Verbindung zwischen Mutter und Kind, sondern das ganze weitere Leben, die eigene Liebes- und Beziehungsfähigkeit. Waren diese Erfahrungen positiv, wird man – aus der Sicherheit dieser bedingungslosen Mutterliebe heraus – viel offener und vertrauensvoller auf andere Menschen zugehen und sich auf diese einlassen können.“
    
Lieber zu viel als zu wenig. Für positive Bindungserfahrungen können Mütter sorgen, indem sie Sicherheit vermitteln, Ruhe ausstrahlen, Schutz und Geborgenheit bieten, prompt auf den Säugling reagieren, seine Bedürfnisse erkennen und interpretieren können. Das ist natürlich oft alles andere denn einfach, aber keine Sorge: Babys drücken auch gern einmal ein Auge zu und verzeihen kleine „Fehler“, wenn sie dafür stets liebevoll umsorgt werden. „In den ersten beiden Lebensjahren kann man es mit der Mutterliebe auch nicht übertreiben“, erklärt Nelböck. Ein Mangel an Liebe und Feinfühligkeit kann vielmehr negative Folgen im heranreifenden Alter mit sich bringen: Sie können von erhöhter Stressanfälligkeit und weniger Selbstvertrauen über aggressives und/oder ängstliches Verhalten bis zur Selbstablehnung reichen. „Kinder, denen hingegen ausreichende Fürsorge und Liebe entgegengebracht wurde, sind später beziehungsfähiger, selbstsicherer, emotional stabiler, leistungsstärker und holen sich auch häufiger und schneller die nötige Hilfe. Sie haben schließlich von Anfang an erfahren, dass sie sich auf jemanden verlassen können“, ergänzt Nelböck. Zudem gehen umsorgte Kinder auch behutsamer mit sich selbst um, weil sie „gelernt“ haben, dass sie wertvolle Geschöpfe sind.

Strukturen geben Halt. Eine funktionierende Mutter-Kind-Beziehung mit all ihren positiven Folgen hat aber auch damit zu tun, wie sehr sich die Mutter selbst achtet und wie sie zwischenmenschliche Beziehungen pflegt. Mütter sollten daher vor lauter Liebe zu ihrem Kind nicht auf sich selbst vergessen und sich nach einiger Zeit „kleine Freiheiten“, wie beispielsweise den monatlichen Kinoabend mit der besten Freundin, gönnen. Damit tun sie nämlich nicht nur sich selbst, sondern auch ihrem Kind, das sich ja nach und nach von ihr lösen sollte, etwas Gutes. „Der Loslösungsprozess wird oft durch den Vater erleichtert. Er sorgt dafür, dass sich die anfangs symbiotische Beziehung zwischen Mutter und Kind auflockert und das Leben des Kindes durch eine weitere Bezugsperson bereichert wird“, erläutert Nelböck. Und: Kinder lernen, dass sie mitunter auch „Zeit ohne Mama“ verbringen und dass das nicht weiter schlimm ist, weil sie ja – urvertrauensbedingt – wiederkommt und sie auch im Moment gut versorgt sind.

Erfolg als Mutter. Der „Erfolg“ als Mutter baut also zu einem wesentlichen Teil auf verlässlichen Strukturen auf, die Kindern eine Orientierungshilfe geben. „Dazu gehören das Pflegen von Ritualen, beispielsweise beim Schlafengehen, das Aufstellen von Regeln, zum Beispiel beim Fernsehkonsum, oder gemeinsame soziale Aktivitäten“, so Nelböck. Sinnlos kategorisch zu sein, bringt aber natürlich auch nichts. Eine „gute Mutter“ – so plakativ das auch klingen mag – kann ihr Verhalten und aufgestellte Regeln altersgerecht anpassen, hat immer mehr Verständnis gegenüber ihrem Sprössling als umgekehrt, bietet Unterstützung, drängt sich aber nicht auf, lässt los – aber niemals allein.

Am 8. Mai ist Muttertag. Das Band zwischen Mutter und Kind besteht ein Leben lang. Anfangs noch am engsten, wird es von Jahr zu Jahr länger, reißt aber niemals ganz ab. Um „Durchhänger“ zu vermeiden, ist dennoch Achtsamkeit gefragt: Nutzen Sie daher auch (aber nicht nur!) den bevorstehenden Muttertag, um Ihrer Mutter eine Freude zu machen. Lassen Sie sich aber auch selbst als Mama einmal ordentlich verwöhnen – Sie haben es sich alle verdient.

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