Samstag, 23. Februar 2019

Besitz macht nicht glücklich

01. Oktober 2010

Machen Zweitauto und Gourmetessen glücklich? Nein, sagen Fachleute. Wie setzen uns damit nur gegenseitig unter druck.


Foto: flickr.com - Images_of_Money Schneller, besser, mehr: Wir wünschen uns einen großen Flatscreen, ein teures Mountainbike und eine schicke Dachterrasse. Der Haken: Das macht uns weder glücklicher noch gesünder. Wir beugen uns damit dem sozialen Bewertungsdruck der Gesellschaft. Stress, Neid, Herzinfarkt, Kriminalität und ungesundes Wettbewerbsdenken können die Folgen sein. Wer alles hat, will den Reichtum erhalten, wer wenig hat, will um jeden Preis mehr erreichen – beides tut nicht gut.

Mehr Wohlstand, mehr Glück? Das verstärkte Streben nach materiellen Gütern macht nicht nur uns selbst unglücklich. Es kann auch der Gesellschaftschaden. Das zeigen Richard Wilkinson und Kate Pickett. Sie haben nachgewiesen, dass egalitäre Gesellschaften glücklicher sind. Und das gilt nicht nur für sozial schlechter gestellte Menschen, sondern für die gesamte Gesellschaft. Die WissenschafterInnen haben die reichs ten und die ärmsten 20 Prozent der Bevölkerung in Industriestaaten gegenübergestellt. Je größer die Ungleichheit, umso mehr Probleme gibt es. In Staaten, in denen der Unterschied zwischen Arm und Reich weniger ausgeprägt ist, gibt es bis zu sechs Mal weniger Morde und zehn Mal weniger Menschen sind im Gefängnis.  In sozial ausgegliche nen Ländernleiden acht Prozent der Menschen an psychischen Erkrankungen, in den USA 25 Prozent. Schafft es ein Land also, die Ungleichheit zu reduzieren, sinkt der soziale Druck für den Einzelnen. Japan und die skandinavischen Länder haben das geschafft. USA, Großbritannien und Portugal schneiden schlecht ab.

Das Streben nach Gewinn führt bei immer mehr Menschen zu Isolation – als eines von vielen gesundheitlichen, sozialen und seelischen Problemen.
Mag. Andreas Keclik, Wiener Gesundheitsförderung

Mehr Geld hilft nicht. Wir leben am Ende einer Ära: In entwickelten, reichen Industrienationen bringt wirtschaftliches Wachstum kaum noch Verbesserungen. Hat ein Land ein gewisses Niveauan Reichtum erreicht, flacht die Kurve der durchschnittlichen Lebenserwartung ab. Die 30 reichsten Länder der Erde – darunter Israel, Italien, Norwegen, USA und auch Österreich – haben dieses Stadium erreicht. Weder werden die Menschen im Schnitt durch mehr materiellen Wohlstand älter, noch fühlen sie sich glücklicher. Andere Kriterien würden zu mehr Zufriedenheit beitragen. Wilkinson: „Wir konsumieren, statt Beziehungen zu pflegen. Und weil uns soziale Kontakte fehlen, suchen wir Trost in Extremen: viel essen, viel einkaufen und Geld ausgeben, viel Alkohol, viele Psychopharmaka oder Drogen.“ Das bestätigt auch Mag. Andreas Keclik von der Wiener Gesundheitsförderung: „Das Streben nach materiellem Gewinn führt bei immer mehr Menschen zu Isolation, Unbehagen und Leiden. Wir glauben dabei häufig, diese Vereinzelung sei nur ein persönliches Problem. Empirische Studien belegen: Innerhalb reicher Länder ist dies – so wie viele andere soziale, seelische und gesundheitliche Probleme – umso häufiger, je höher die soziale Ungleichheit ist.“


Buchtipp
Gleichheit ist Glück“, Wilkinson u. Pickett, 320 Seiten, Tolkemitt Verlag, EUR 19,90, ISBN: 978-3-942048-09-5


Autor: C. Oberdorfer

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www.wig.or.at

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