Bergurlaub gut für Körper und Seele

Ausgabe 2019.06

Saftig grüne Almen, kristallklare Bergseen, reinste Luft und ein unglaubliches Panorama – all das verspricht ein Urlaub in den Bergen. Wer diesen auch noch wandernd verbringt, der kann viel für seine Gesundheit tun.


Foto: © iStock_ DieterMeyrl

Bis vor gefühlten fünf Minuten ist man noch im Büro vor dem Computer gesessen, dann durch Lärm und Abgase nach Hause geeilt und Koffer gepackt und jetzt endlich ist man am Urlaubsort in den Bergen angekommen. Und plötzlich scheint sich eine völlig andere Welt aufzutun: Stille, jede Menge Grün, ein Weitblick, der die Augen in die Ferne schweifen lässt, und eine Luft, die sich so sauber anfühlt, dass man die Lungen volltanken möchte. So entsteht Erholung schon ab Urlaubsminute eins.

Entstressen und Muskeln aufbauen
Wer in den nächsten Tagen die Gegend wandernd erkundet, der profitiert gleich mehrfach vom Urlaub in den Bergen. Denn die schonenden Bewegungen sind Balsam für das Herz, welches regelmäßiger schlägt und mehr Blut mit Sauerstoff durch den Organismus pumpt. Wer routinemäßig wandert, kann sogar Blutfettspiegel und Blutdruck senken, Lunge und Knochen stärken und den gesamten Stoffwechsel anregen. Ganz nebenbei verschafft die Aktivität in der frischen Luft auch gute Laune und Entschleunigung. Dr. Robert Fritz, Sportmediziner und Leiter der Sportmedizinischen Leistungsdiagnostik und Präventivmedizin in der Sportordination in Wien, weiß um den Effekt. „Beim Wandern kann man sehr gut Stresshormone abbauen, man entspannt. Und wer nach einer Wanderung auf dem Berg steht und den Blick in die Ferne schweifen lässt, der kann seine Probleme wieder in die richtige Relation rücken.“ Die Bewegung selbst bringt aber auch für den Körper viele Vorteile: „Wandern hat gleich mehrere positive Auswirkungen. Beim Aufwärtsgehen trainiert man Herz und Kreislauf, beim Abwärtsgehen das Muskel-Skelett-System. Neben Kraft und Ausdauer wird auch noch die Koordination trainiert. Denn durch die vielen unterschiedlichen Untergründe, wie Steine und Wurzeln, muss man bei jedem Schritt darauf achten, wohin man steigt“, erklärt Fritz. So trainiert man die Muskulatur bis ins Kleinste. Gelenke, Sehnen und Bänder werden stabilisiert beziehungsweise gestärkt.

Vorbereitung aufs Wandern
Auch wenn Wandern fast für jeden geeignet ist, sollte man doch seine Kräfte vernünftig einteilen. „Ist man schon nach dem Aufstieg erschöpft, wird man auch müde beim Abstieg sein. Dann kann die Beinmuskulatur die Belastung auf das Kniegelenk nicht mehr so gut abfedern, die Folge sind Schmerzen im Knie“, weiß der Sportmediziner. Sein Tipp: Wenn man nicht ohnehin fit und trainiert ist, sollte man vorab ein kleines Vorbereitungstraining machen. Fritz: „Es sollte zu Hause bereits mit lockeren Spaziergängen oder einfachem Training am Ergometer die Grundlagenausdauer gestärkt werden. Ein Training mit dem eigenen Körpergewicht bzw. mit Theraband oder Kurzhantel kräftigt die Muskeln, und für das Gleichgewichtstraining gibt es eine ganz einfache Übung: den klassischen Einbeinstand.“ Zweimal täglich absolviert man das Zähneputzen auf einem Bein, führt dabei mit dem Arm die Zahnputzbewegung aus, und wenn man das kann, macht man das Ganze mit geschlossenen Augen. Simpel, aber effektiv.

Aufatmen für Allergiker
Ein weiterer Bonus des Bergurlaubs betrifft die Atemwege. Je höher man hinaufsteigt, desto gesünder ist die Luft. „Die Schadstoffkonzentration nimmt mit jedem Höhenmeter ab, Pollen zahlreicher Bäume und Sträucher werden dank anderer Vegetation deutlich weniger“, erklärt Robert Fritz. Ideal ist eine Höhenlage von über 1.000 Metern. Hier ist die Luft deutlich schadstoffärmer und pollenärmer – wovon gerade Asthmapatienten profitieren. Wer länger als eine Woche Urlaub hat, der kann in den Bergen einen noch viel größeren positiven Effekt auf seine Gesundheit erreichen: Denn in mittleren Höhenlagen, auf etwa 1.300 bis 2.000 Meter Seehöhe, herrscht das sogenannte Reizklima. Das bedingt einen minimalen Sauerstoffmangel, der aber ausreicht, um Reserven zu mobilisieren. Fritz: „Bekommt der Körper weniger Sauerstoff, ist das eine Herausforderung, also ein Reiz für ihn.“ In der Folge versucht der Körper, den zur Verfügung stehenden Sauerstoff optimal zu verwerten, und es werden mehr rote Blutkörperchen gebildet. Das hat positive Effekte auf das Herz-Kreislauf-System und die Leistungsfähigkeit, wenn man dann wieder in tiefen Lagen zu Hause angekommen ist. „Allerdings sollte man für diesen Effekt schon drei bis vier Wochen in der Höhe verbringen“, so Fritz.

Österreichs Wanderregionen
So vielfältig wie die gesundheitlichen Auswirkungen des Bergaufenthalts sind auch die Wege, die Österreich für Wanderer bereithält: Vom gemütlichen Themenweg bis zu anspruchsvollen Höhenwegen oder herausfordernden Mehrtagestouren gibt es Angebote sowohl für ambitionierte Sportler als auch gemütliche Tagesausflügler. Tirol etwa ist mit seinen mehr als 24.000 Kilometern markierten Berg- und Wanderwegen wie geschaffen für einen Wanderurlaub – eine der beliebtesten Regionen ist das Zillertal. In Salzburg locken die sanften grünen Almen, nirgendwo gibt es so viele wie im Salzburger Land. Ein besonderes Wander- und Almvergnügen verspricht beispielsweise der 350 Kilometer lange Almenweg. Die 31 Etappen quer durch die Pongauer Bergwelt können einzeln oder am Stück erwandert werden. Feinste Naturerlebnisse erwarten Wanderfreudige auch im Nationalpark Hohe Tauern. Die Steiermark punktet mit saftig grünen Almen, aber auch imposanten Gletschern, beliebt ist etwa die Region Ramsau am Dachstein oder auch Schladming. Drei Bundesländer – Steiermark, Niederösterreich und das Burgenland – verbindet der rund 100 km lange Alpannonia-Weg vom Semmering über den Hochwechsel bis nach Mönichkirchen und weiter über den Geschriebenstein bis nach Köszeg.
In Vorarlberg ist besonders die Region um den Arlberg beliebt, in Kärnten ist einer der bekanntesten Wanderwege der Alpe-Adria-Trail. In Oberösterreich gibt es besonders viele Naturlehrpfade und Themenwanderwege, etwa rund um das Seengebiet im Salzkammergut. Und Niederösterreich punktet mit zahlreichen Wanderrouten für die ganze Familie.


 

Sicher am Berg
Wichtig ist in jedem Fall die richtige Ausrüstung und die richtige Vorbereitung, betont Sportmediziner Fritz. „Anfangs kann man auch bei einer größeren Wanderung einen Guide mitnehmen, der das Terrain kennt und das Wetter richtig einschätzen kann. Entdeckt man im Bergurlaub, dass Wandern – oder sogar Bergsteigen – die neue Leidenschaft ist, dann kann man sich selbst vernünftig ausbilden lassen, etwa beim Alpenverein. Und die Berge dann umso mehr genießen!“

Mein Urlaub in den Bergen 

Das GESÜNDER LEBEN-Team hat wieder Hotels aus ganz Österreich getestet und empfiehlt nachfolgende Adressen.

Bad Gastein
Haus Hirt
Hotel & Spa

Als Hideaway in den Bergen auf ca. 1.000 m Seehöhe wird hier größter Wert auf gemütliches wie auch exklusives Wohlfühlen der Gäste gelegt. Genau der richtige Platz, um die herrliche Bergwelt des Nationalparks Hohe Tauern zu erkunden. Eigene Wanderführer zeigen an sechs Tagen in der Woche und in zwei unterschiedlichen Levels die schönsten Plätze der Gasteiner Berge.
www.haus-hirt.com

St. Johann im Pongau
Aktivhotel Alpendorf 

Mitten im Salzburger Land – umgeben von einer malerischen Bergwelt – liegt das zertifizierte Wanderhotel Alpendorf. Die Region bietet gemütliche Touren für Familien ebenso wie anspruchsvolle Hochtouren für sportliche Bergsteiger. Spezielle Serviceleistungen wie der Verleih von Wanderrucksäcken oder Stöcken, gratis Wanderjause im Hotel und eine Wanderbibliothek sind inkludiert.
www.hotel-alpendorf.at

Tauplitzalm – steirisches Salzkammergut
Kirchenwirt Sport & Wanderhotel 

Das Hotel, das auf 1650 Meter Seehöhe liegt, wurde kürzlich umgebaut und renoviert. Das Haus ist Mitglied bei den qualitätsgeprüften „best Alpine Wanderhotels” und der umfangreiche Wanderservice wurde mit 4 Bergkristallen ausgezeichnet. Dazu gehören etwa eigene Wanderführer im Hotel. Hier kann man übrigens auch wunderbar mit Hund wandern: Das große Almplateau mit den 6 Bergseen ist der ideale Auslauf für Vierbeiner.
www.sporthotel-kirchenwirt.at

Puchberg am Schneeberg
Hotel Schneeberghof

Die Wanderregion rund um den Schneeberg, den höchsten Berg Niederösterreichs, bietet urige Almhütten, duftend blühende Almwiesen und viele Wanderwege. Das Hotel Schneeberghof bietet als zertifizierter Wanderbetrieb mehrmals wöchentlich geführte Touren für alle Gäste an und hilft bei der Planung von Wanderungen. Es befindet sich zudem in unmittelbarer Nähe zur Salamander-Zahnradbahn.
www.schneeberghof.at

Rohrmoos/Schladming
Schütterhof 

Der Schütterhof liegt auf 930 m Seehöhe mitten im alpinen Lebensraum mit Blick zum Dachstein. Hier gibt’s herrliches Panorama inmitten von naturbelassener Landschaft zum Spazieren, Wandern und Nordic Walken – und 1.000 Kilometer Wanderwege in der Umgebung. Plus zahlreiche Bergseen und Wasserfälle.
www.schuetterhof.com

St. Leonhard im Pitztal
Hotel Kirchenwirt Pitztal

Ein alpines Kleinod und ein seit 1876 familiengeführtes Traditionswirtshaus ist das Hotel Kirchenwirt. Es liegt inmitten der Pitztaler Bergwelt auf 1.616 Metern Seehöhe. Hier hat Wandern Tradition: Schon vor 1876 wurden im Haus die ersten Bergwanderer bewirtet. Für Wanderfreudige gibt es 380 Kilometer Wege für jedes Niveau durch die Landschaft der Ötztaler Alpen zu erleben.
www.kirchenwirt-pitztal.com

Kals am Großglockner
Wanderhotel Taurerwirt

In Osttirol, auf 1.500 Metern Seehöhe, liegt das Hotel, dessen einmalige Lage das Beobachten von Steinbock, Gams und Reh vom Balkon aus ermöglicht. Unmittelbar vor dem Tor zum Nationalpark Hohe Tauern gelegen, laden 250 Kilometer gut ausgeschilderte Wanderwege und Bergtouren am Großglockner zum aktiven Erleben ein.
www.taurerwirt.at

Patergassen
Heidi-Hotel Falkertsee 

Das Kinder- und Wanderhotel auf 1.875 Metern Seehöhe liegt inmitten der Kärntner Nockberge direkt an einem idyllischen Bergsee, dem Falkertsee. Hier kann man frische Bergluft einatmen – perfekt für Menschen mit Atembeschwerden und Allergiker! Genießen Sie zudem ein überwältigendes Panorama.
Direkt am Alpen-Adria-Trail gelegen, findet man hier Touren für jede Könnerstufe.
www.heidi-hotel.at

Warth am Arlberg
Wanderhotel Jägeralpe 

Mitten im Naturpark Hochtannberg in Warth am Arlberg auf 1.600 Metern Seehöhe liegt das Wanderhotel Jägeralpe. Auf diesen Bergeshöhen weht auch an heißen Sommertagen immer noch ein kühles Lüftchen. Das Hotel ist ein idealer Ausgangspunkt für herrliche Bergwanderungen und unvergessliche Gipfeltouren: Der Formarinsee und der Körbersee, zwei Plätze, die 2015 und 2017 zum „schönsten Platz Österreichs“ gewählt wurden, lassen sich mühelos von hier aus erwandern.
www.jaegeralpe.at

 

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