Donnerstag, 21. November 2019

Bergurlaub gut für Körper und Seele

Ausgabe 2019.06
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Saftig grüne Almen, kristallklare Bergseen, reinste Luft und ein unglaubliches Panorama – all das verspricht ein Urlaub in den Bergen. Wer diesen auch noch wandernd verbringt, der kann viel für seine Gesundheit tun.


Foto: © iStock_ DieterMeyrl

Bis vor gefühlten fünf Minuten ist man noch im Büro vor dem Computer gesessen, dann durch Lärm und Abgase nach Hause geeilt und Koffer gepackt und jetzt endlich ist man am Urlaubsort in den Bergen angekommen. Und plötzlich scheint sich eine völlig andere Welt aufzutun: Stille, jede Menge Grün, ein Weitblick, der die Augen in die Ferne schweifen lässt, und eine Luft, die sich so sauber anfühlt, dass man die Lungen volltanken möchte. So entsteht Erholung schon ab Urlaubsminute eins.

Entstressen und Muskeln aufbauen
Wer in den nächsten Tagen die Gegend wandernd erkundet, der profitiert gleich mehrfach vom Urlaub in den Bergen. Denn die schonenden Bewegungen sind Balsam für das Herz, welches regelmäßiger schlägt und mehr Blut mit Sauerstoff durch den Organismus pumpt. Wer routinemäßig wandert, kann sogar Blutfettspiegel und Blutdruck senken, Lunge und Knochen stärken und den gesamten Stoffwechsel anregen. Ganz nebenbei verschafft die Aktivität in der frischen Luft auch gute Laune und Entschleunigung. Dr. Robert Fritz, Sportmediziner und Leiter der Sportmedizinischen Leistungsdiagnostik und Präventivmedizin in der Sportordination in Wien, weiß um den Effekt. „Beim Wandern kann man sehr gut Stresshormone abbauen, man entspannt. Und wer nach einer Wanderung auf dem Berg steht und den Blick in die Ferne schweifen lässt, der kann seine Probleme wieder in die richtige Relation rücken.“ Die Bewegung selbst bringt aber auch für den Körper viele Vorteile: „Wandern hat gleich mehrere positive Auswirkungen. Beim Aufwärtsgehen trainiert man Herz und Kreislauf, beim Abwärtsgehen das Muskel-Skelett-System. Neben Kraft und Ausdauer wird auch noch die Koordination trainiert. Denn durch die vielen unterschiedlichen Untergründe, wie Steine und Wurzeln, muss man bei jedem Schritt darauf achten, wohin man steigt“, erklärt Fritz. So trainiert man die Muskulatur bis ins Kleinste. Gelenke, Sehnen und Bänder werden stabilisiert beziehungsweise gestärkt.

Vorbereitung aufs Wandern
Auch wenn Wandern fast für jeden geeignet ist, sollte man doch seine Kräfte vernünftig einteilen. „Ist man schon nach dem Aufstieg erschöpft, wird man auch müde beim Abstieg sein. Dann kann die Beinmuskulatur die Belastung auf das Kniegelenk nicht mehr so gut abfedern, die Folge sind Schmerzen im Knie“, weiß der Sportmediziner. Sein Tipp: Wenn man nicht ohnehin fit und trainiert ist, sollte man vorab ein kleines Vorbereitungstraining machen. Fritz: „Es sollte zu Hause bereits mit lockeren Spaziergängen oder einfachem Training am Ergometer die Grundlagenausdauer gestärkt werden. Ein Training mit dem eigenen Körpergewicht bzw. mit Theraband oder Kurzhantel kräftigt die Muskeln, und für das Gleichgewichtstraining gibt es eine ganz einfache Übung: den klassischen Einbeinstand.“ Zweimal täglich absolviert man das Zähneputzen auf einem Bein, führt dabei mit dem Arm die Zahnputzbewegung aus, und wenn man das kann, macht man das Ganze mit geschlossenen Augen. Simpel, aber effektiv.

Aufatmen für Allergiker
Ein weiterer Bonus des Bergurlaubs betrifft die Atemwege. Je höher man hinaufsteigt, desto gesünder ist die Luft. „Die Schadstoffkonzentration nimmt mit jedem Höhenmeter ab, Pollen zahlreicher Bäume und Sträucher werden dank anderer Vegetation deutlich weniger“, erklärt Robert Fritz. Ideal ist eine Höhenlage von über 1.000 Metern. Hier ist die Luft deutlich schadstoffärmer und pollenärmer – wovon gerade Asthmapatienten profitieren. Wer länger als eine Woche Urlaub hat, der kann in den Bergen einen noch viel größeren positiven Effekt auf seine Gesundheit erreichen: Denn in mittleren Höhenlagen, auf etwa 1.300 bis 2.000 Meter Seehöhe, herrscht das sogenannte Reizklima. Das bedingt einen minimalen Sauerstoffmangel, der aber ausreicht, um Reserven zu mobilisieren. Fritz: „Bekommt der Körper weniger Sauerstoff, ist das eine Herausforderung, also ein Reiz für ihn.“ In der Folge versucht der Körper, den zur Verfügung stehenden Sauerstoff optimal zu verwerten, und es werden mehr rote Blutkörperchen gebildet. Das hat positive Effekte auf das Herz-Kreislauf-System und die Leistungsfähigkeit, wenn man dann wieder in tiefen Lagen zu Hause angekommen ist. „Allerdings sollte man für diesen Effekt schon drei bis vier Wochen in der Höhe verbringen“, so Fritz.

Österreichs Wanderregionen
So vielfältig wie die gesundheitlichen Auswirkungen des Bergaufenthalts sind auch die Wege, die Österreich für Wanderer bereithält: Vom gemütlichen Themenweg bis zu anspruchsvollen Höhenwegen oder herausfordernden Mehrtagestouren gibt es Angebote sowohl für ambitionierte Sportler als auch gemütliche Tagesausflügler. Tirol etwa ist mit seinen mehr als 24.000 Kilometern markierten Berg- und Wanderwegen wie geschaffen für einen Wanderurlaub – eine der beliebtesten Regionen ist das Zillertal. In Salzburg locken die sanften grünen Almen, nirgendwo gibt es so viele wie im Salzburger Land. Ein besonderes Wander- und Almvergnügen verspricht beispielsweise der 350 Kilometer lange Almenweg. Die 31 Etappen quer durch die Pongauer Bergwelt können einzeln oder am Stück erwandert werden. Feinste Naturerlebnisse erwarten Wanderfreudige auch im Nationalpark Hohe Tauern. Die Steiermark punktet mit saftig grünen Almen, aber auch imposanten Gletschern, beliebt ist etwa die Region Ramsau am Dachstein oder auch Schladming. Drei Bundesländer – Steiermark, Niederösterreich und das Burgenland – verbindet der rund 100 km lange Alpannonia-Weg vom Semmering über den Hochwechsel bis nach Mönichkirchen und weiter über den Geschriebenstein bis nach Köszeg.
In Vorarlberg ist besonders die Region um den Arlberg beliebt, in Kärnten ist einer der bekanntesten Wanderwege der Alpe-Adria-Trail. In Oberösterreich gibt es besonders viele Naturlehrpfade und Themenwanderwege, etwa rund um das Seengebiet im Salzkammergut. Und Niederösterreich punktet mit zahlreichen Wanderrouten für die ganze Familie.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Bergurlaub gut für Körper und Seele
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