Sonntag, 31. Mai 2020

Mama ist die Beste! - Die erste Liebe im Leben

Ausgabe 2013/04
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Die erste Liebe im Leben. Es ist diese bedingungslose Liebe der Mutter, die das Urvertrauen in die Welt herstellt und dafür sorgt, dass man – aus dieser Sicherheit heraus – mit spielerischer Leichtigkeit und selbstbewusst neuen Dingen begegnen kann, offen dafür ist, neue Menschen kennenzulernen, kreativ sein kann, behutsam mit sich selbst umgeht und eigene Misserfolge ebenfalls akzeptiert. Und: Menschen, die sich in ihrer frühen Kindheit auf ihre Mutter stets verlassen konnten, so sind sich Bindungstheoretiker einig, können am ehesten einen sicheren Beziehungsstil entwickeln und werden andere Menschen als vertrauenswürdig ansehen. Das gilt natürlich auch für Adoptivmütter. „Bindung ist nicht ausschließlich auf die leibliche Mutter bezogen. Es geht primär um eine Beziehungsstruktur, die auf Wärme und Herzlichkeit beruht. Daher ist die Mutterliebe einer Adoptivmutter genauso groß“, so Friedrich. „Mutter zu sein ist eben eine ganz spezielle Fähigkeit, die der Mann nicht besitzt.“ Die Mutter-Kind-Beziehung ist die erste, die man im Leben führt. Wer hier positive Erfahrungen sammeln durfte, profitiert davon in späteren Beziehungen. „Selber viel Herzenswärme, Zuneigung und Liebe beim Heranwachsen gespürt zu haben, macht es wesentlich einfacher, diese Gefühle weitergeben zu können“, ist sich die deutsche Buchautorin („Böse Mutter – Gute Mutter“, Goldmann), Körperpsychotherapeutin und systemische Prozessbegleiterin Sam Jolig sicher.

Ich fühle, was du fühlst. „Ein Kind nimmt seine Mutter mit allen fünf Sinnen, vielleicht sogar einem sechsten Sinn, wahr. Jede ihrer Gefühlsregungen wie Heiterkeit, Traurigkeit, Zweifel oder Zorn, aber auch ihre Handlungen bzw. ihr Sprachidiom werden augenblicklich registriert und übernommen“, erklärt Friedrich. Der Sprössling spürt – aufgrund vorhandener Spiegelneuronen im Gehirn, die emotionale Resonanz erzeugen –, was seine Mütter fühlt und identifiziert sich anfangs mit ihr. „Ein Kind sieht die Welt in den ersten Wochen, Monaten und Jahren aus dem ,Mutterland‘. Es schaut mit den Augen der Mutter in die Welt, lernt von ihr, wird von ihr genährt und beschützt – eine Prägung für das ganze Leben“, so Buchautorin Jolig. Schon kleinste Körperreaktionen lassen auf ihre Gefühlslage schließen; die „Zwerge“ erkennen, ob die Mutter ein Gefühl angenommen hat – oder nicht. Diese „emotionale Programmierung“, die Louis Schützenhöfer in seinem Buch „In aller Liebe“ (Ueberreuter) beschreibt, wird das Leben des Kindes bestimmen. Daher hat eine funktionierende Mutter-Kind-Beziehung auch sehr viel damit zu tun, wie sehr sich die Mutter selbst achtet, anerkennt, welche zwischenmenschlichen Beziehungen sie pflegt und ob sie ausstrahlt: „So wie ich es mache, ist es richtig und gut.“ Wer außerdem aufhört, sich ständig selbst zu überfordern, nimmt auch das Leben mit seinem Kind als weniger anstrengend wahr. Und je berechenbarer man ist, desto leichter macht man es seinem Kind. Weiters ist auch die Auseinandersetzung mit der eigenen Mutter vonnöten, wenn man das Phänomen der Mutter-Kind-Beziehung besser verstehen und eine intensive, ehrliche Bindung zum eigenen Kind aufbauen möchte.  

Das richtige Maß finden. Mit der Zeit wird der Sprössling älter, er entwickelt sich weiter. Jede Mutter möchte ein selbstständiges, selbstbewusstes Kind heranziehen, das eigenverantwortlich handelt und vertrauensvoll der Welt begegnet. Wie sehr das Kind an diesen Eigenschaften reifen durfte, hängt nicht zuletzt vom Verhalten seiner Mutter ab. Wenn ein Kind sieben Jahre alt ist, so Sam Jolig, haben sich vier große Lebensbereiche psychologisch entfaltet: Vertrauen, Versorgung, Selbstständigkeit und Leistung – in welcher Form sie sich entwickelt haben, ist u. a. eine Frage der frühkindlichen Bindung zur Mutter. Fairerweise muss aber auch gesagt werden, dass nicht für jede „Fehlentwicklung“ die Mutter zum Sündenbock abgestempelt werden kann. Auch externe Faktoren spielen eine Rolle – Mütter aber wohl doch eine entscheidende. Der „Erfolg“ als Mutter baut auf Strukturen auf, mit denen sie der Familie Halt im Alltag gibt. Dazu gehören aufgestellte Regeln (z. B. TV-Konsum), das Verteilen von Pflichten (z. B. Aufräumen), das Pflegen von Ritualen (z. B. gemeinsame Mahlzeiten) und sozialen Kontakten sowie die ungeteilte Aufmerksamkeit, die einem Kind geschenkt werden muss – wenn es diese benötigt. Loslassen, aber nicht allein lassen; unterstützen, aber nicht aufdrängen; fördern, aber nicht unter- oder überfordern; konsequent, aber nicht sinnlos kategorisch sein. „Mutter sein ist Schwerstarbeit“, fasst Friedrich zusammen. Diese Dualitäten können mit sensiblem Geschick aber durchaus gelebt werden. Es liegt an jeder einzelnen Mutter, das richtige Maß zu finden. Die Kunst besteht darin, das aktuelle Entwicklungsstadium des Kindes zu erkennen, um danach altersgerecht und richtig zu agieren. „Als Elternteil brauche ich immer MEHR Verständnis gegenüber dem Kind als umgekehrt“, so Sozialmediziner Kunze. Ebenso möchte das erwachsene „Kind“ adäquat von seiner Mutter behandelt werden und nicht dauernd betonen müssen, „dass es kein kleines Kind mehr ist“. Eine „gute Mutter“ – so plakativ diese Bezeichnung auch klingen mag – ist also in der Lage, ihr Verhalten gegenüber ihrem Kind altersgerecht zu adaptieren – obwohl ihre Liebe immer die gleiche bleibt. Friedrich: „Eine ,gute Mutter‘ spricht immer mit ihrem Herzen.“ Und weiter: „Die Mutter ist eine der wichtigsten Bezugspersonen, wenn nicht DIE wichtigste Bezugsperson, in unserem Leben – auch oft im Erwachsenenalter. Sie hat für alle Lebenssituationen Verständnis, sie ist stets zur Stelle, wenn man seiner Freude Ausdruck verleihen möchte und gibt Halt, wenn es einem nicht gut geht. Außerdem vertraut man ihr auch die intimsten Geheimnisse an, weil man weiß, dass sie dort gut aufgehoben sind.“ In diesem Sinne: Alles Gute zum Muttertag!

 

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