Montag, 24. Februar 2020

Mama ist die Beste!

Ausgabe 2013/04
Seite 1 von 2

Am 12. Mai ist Muttertag. Grund genug, der wohl wichtigsten Bezugsperson in unserem Leben ein Loblied zu singen und darüber nachzudenken, was sie leistet, was man selbst als Mutter auf sich nimmt und warum Mütter den ganz normalen Wahnsinn meistern können.


Foto: Can Stock Photo Inc. - fdgfoto

Mütter sind „Universalgenies“; sie müssen nicht nur Kindermädchen, Köchin, Freizeitgestalterin, Putzfrau und Kommunikationsexpertin sein – sie sind idealerweise auch noch Ehefrau, Sekretärin, Chauffeurin, Einkäuferin, Seelsorgerin und fallweise Krankenschwester. Sie nehmen in Kauf, dass das alles mit einem akuten Schlafmangel und Entbehrungen einhergeht, nicht bezahlt und bestenfalls Wertgeschätzt wird. Trotzdem: Die Motivation, sich jeden Tag aufs Neue diesen Alltagsherausforderungen zu stellen, ist groß – vielleicht nicht jeden Tag, das wäre wohl vermessen zu sagen. Aber im Großen und Ganzen geben Mütter immer ihr Bestes, um die Erwartungen ihrer Familie zu erfüllen. Bis Kinder ihr 16. Lebensjahr erreicht haben, wurden sie von ihrer Mutter mindestens 3.000-mal gewickelt, 1.000-mal gebadet, 5.000-mal bekocht und 17.000-mal mit Antworten über Fragen zu Dingen des Lebens versorgt – wer all diese Aufgaben tagtäglich erledigt, muss doch einen „Trick“ für all diese Leistungen besitzen? Und diesen Trick gibt es tatsächlich – er ist naturgegeben und nennt sich schlicht und einfach „Mutterliebe“. „Mutterliebe ist zwar nicht angeboren“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Michael Kunze vom Institut für Sozialmedizin in Wien. „Sie entwickelt sich aber in der Schwangerschaft durch die hormonelle Umstellung. Das weibliche Sexualhormon, das Östrogen, steigt extrem an, um die Schwangerschaft zu erhalten, und das erzeugt bei vielen Frauen Glückshormone. Sie ,baden‘ sozusagen in Östrogenen; es geht ihnen gut. Und es geht ihnen natürlich besonders gut, wenn ein Kinderwunsch, der nun erfüllt wurde, im Vorfeld bestanden hat.“ Stärker werden diese Gefühle, wenn der Bauch nach und nach wächst, die ersten Kindesbewegungen gespürt werden und die Mutter merkt, dass in ihr neues Leben heranwächst. „Das Kind ist in der Schwangerschaft ein Teil der Frau, quasi ein Körperteil, der fest mit ihr – nicht nur durch den Blutkreislauf – verbunden ist“, so Kunze. Und auch das Kind nimmt im Mutterleib die ersten rhythmischen Erlebnisse wahr. „Es ist der Herzschlag der Mutter, den ein Kind zuallererst realisiert. Danach folgen andere Reize von außen, wie z. B. Melodien, auf die ein Kind ganz unterschiedlich reagiert und der Mutter dies auch zu spüren gibt“, betont Univ.-Prof. Dr. Max Friedrich, Vorstand der Wiener Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Kaum verwunderlich also, dass die Mutter-Kind-Bindung von einer Einzigartigkeit geprägt wird, die mit keiner anderen Bindung zu vergleichen ist. „Selbst der beste Vater wird niemals die gleichen Gefühle wie die Mutter gegenüber dem Kind haben. Er kann gar nicht das Gleiche fühlen, weil er nicht mit der hormonellen Ausstattung einer Frau versehen ist“, erläutert Kunze.

Das leisten Mütter, bis ihr Kind 16 Jahre alt ist

Wissenschaftler haben ermittelt, was Mütter – in ganz trockenen Zahlen ausgedrückt – leisten müssen.

Ernährung/Gesundheit:

  • Arztbesuche vornehmen/verarzten/Krankenpflege: 240-mal
  • Die Bedeutung von gesunder Ernährung und Bewegung l erklären: 17.520-mal
  • Essen austeilen und Tisch decken: jeweils 5.840-mal
  • Kochen: 5.180-mal
  • Pausenbrote streichen: 3.200-mal
  • Stillen/Fläschchen geben: 1.460-mal

Lernen/Bildung/Freizeit:

  • In den Kindergarten bringen und abholen: 1.440-mal
  • Die Welt erklären: 17.520-mal
  • Hausaufgaben kontrollieren: 1.600-mal
  • Freizeitaktivitäten organisieren: 3.460-mal

Körperpflege/Ankleiden:

  • Baden/Duschen: 1.080-mal
  • Zähne putzen: 4.380-mal
  • Schuhe binden: 5.840-mal
  • Kleidung anziehen und Hände waschen: jeweils 4.380- l mal

Feste/Feiern:

  • Dekorationsartikel basteln: 80-mal
  • Mitbringsel für Freunde besorgen: 160-mal
  • Geburtstagskuchen backen und Kindergeburtstage ausrichten: jeweils 16-mal

Haushalt/Einkaufen:

  • Lebensmittel einkaufen: 2.590-mal
  • Ordnung im Kinderzimmer beibringen: 5.840-mal
  • Wäsche waschen und bügeln: jeweils 2.590-mal
  • Schulsachen besorgen: 1.080-mal

(Quelle: „Die etwas gelassenere Art, Mutter zu sein“ von Barbara Volkwein, (Kösel Verlag))

Bindungsfähigkeit. Nachdem das Baby auf die Welt gekommen ist, wird die Beziehung zwischen Mutter und Kind weiter verstärkt und die frühkindliche Entwicklung maßgebend beeinflusst. Experten sprechen vom sogenannten „Bonding“, also jener Phase der intensiven Gefühlsentwicklung zwischen Mutter und ihrem Neugeborenen, die gleich oder ein paar Tage nach der Geburt eingeläutet wird. „Der Begriff wurde in den 70er-Jahren geprägt, als von Ärzten des Babies & Children‘s Hospital in Cleveland eine richtungsweisende Studie veröffentlicht wurde. Darin wurde nachgewiesen, wie wichtig das Bonding für die Mutter-Kind-Beziehung ist und welche Weichen damit für die Bindungsfähigkeit des Kinds gestellt werden“, erklärt Oberhebamme Christa Hauser, MSc, Leiterin der Abteilung Hebammendienste der Ärztlichen Direktion und der Universitätsklinik für Frauenheilkunde in Wien. Erfährt der Sprössling Verlässlichkeit, Schutz und Geborgenheit, kann – so sind sich Entwicklungspsychologen einig – Urvertrauen aufgebaut werden. Mutter und Kind brauchen dafür Zeit, Ruhe, angenehmes Licht und Wärme. Es kann gar nicht genug gekuschelt werden – und man sollte diese kostbare Zeit, so möglich, restlos genießen. „Wenn die Mutter in der Lage ist, ihr Kind zu stillen, entsteht die nächste wichtige Struktur der Mutter-Kind-Beziehung“, so Kinderpsychologe Friedrich. „Wenn man einer Mutter beim Sprechen während des Stillvorgangs zuhört, erkennt man, dass ihre Stimme langsamer wird und einen beruhigenden Unterton besitzt – es handelt sich um ein ganz deutliches Phänomen, das Bindung herstellt.“ Das Baby hat grundsätzlich große Bereitschaft zu saugen: Wer es unmittelbar nach der Geburt anlegt, hat meistens große Erfolge. „Bei der Geburt bringen Mütter und Kinder die biologischen Voraussetzungen für erfolgreiches Stillen mit. Die Bedingungen rund um die Geburt und die Säuglingszeit sollten so gestaltet sein, dass Bindung und Stillen gelingen können“, so Oberhebamme Hauser. Durch das Stillen wird nicht nur das Neugeborene mit der nährenden Milch versorgt; auch die Mutter schwebt aufgrund des von der Hirnanhangdrüse ausgeschütteten Bindungshormons Oxytocin wie auf Wolke 7. „Zusätzlich wirkt das Hormon Oxytocin auch auf das Baby. Es ist sogar verantwortlich für seine eigene Liebesfähigkeit im späteren Leben“, betont Hauser. Das Baby prägt sich in der „Bonding“-Phase den ganz spezifischen Geruch der Mutter, ihre Stimme und ihre Gesichtszüge ein. Je intensiver der Kontakt dieser ersten Stunden ist, desto enger ist die Verbindung von Mutter und Kind danach.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Mama ist die Beste!
Seite 2 Die erste Liebe im Leben

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2020-02 130x173

Aktuelles Heft 02/2020

Die nächste Ausgabe erscheint am 6. März

 

Unsere Ausgabe 12/2019-01/2020 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Was bedeutet "Verzicht" für Sie?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information