Gesund durch die Schwangerschaft

Ausgabe 10.2015

Eine Schwangerschaft bedeutet auch, dass man im Falle einer ansonsten harmlosen Erkrankung vor völlig neuen Herausforderungen steht. gesünder leben zeigt, worauf Sie bei einer Arzneimitteleinnahme achten müssen.


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Das oberste Prinzip bei einer Erkrankung in der Schwangerschaft lautet: Jegliche Form der medikamentösen Behandlung darf ausschließlich unter ärztlicher Kontrolle erfolgen. Grundsätzlich gilt, dass Schwangere nur mit Medikamenten behandelt werden sollten, die bereits seit vielen Jahren verschrieben werden und für den Embryo unbedenklich sind. Die Einnahme gut erprobter Mittel bei Asthma, Allergien oder bakteriellen Infekten gilt auch in der Schwangerschaft als relativ unproblematisch. Bleibt etwa eine bakterielle Infektion unbehandelt, dann besteht Gefahr für Mutter und Kind. Zur Vorsicht mahnt Dr. Stefan Zawodsky, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, bei der Einnahme eines Antibiotikums. Er selbst würde Antibiotika nur bei strenger Indikation und angesichts eines entsprechenden Laborbeweises verordnen. Wenn zum Zeitpunkt des Kinderwunsches bei der Frau bereits eine Dauermedikation notwendig ist, sollte die Medikation bereits vor der Schwangerschaft auf ihre Verträglichkeit für den Embryo überprüft werden. Die Risiken der Arzneimitteleinnahme variieren auch nach dem Stadium der Schwangerschaft. Während einige Medikamente vor allem in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen vermieden werden sollten, gibt es auch Präparate, die besonders in der Spätschwangerschaft bedenklich sind. Die Medizin geht davon aus, dass Schädigungen durch externe Einflüsse (z. B. Medikamenteneinnahme) erst ab der fünften Schwangerschaftswoche zu bleibenden Schäden des Kindes führen können. Unumstritten ist in jedem Fall, dass das erste Trimenon besonders heikel ist. „In diesem Schwangerschaftsdrittel werden die kindlichen Organe entwickelt und es besteht die höchste Fehlbildungsgefahr“, warnt Zawodsky.

Schwanger und krank: Was tun?

Welche Medikamente sind in der Schwangerschaft zu empfehlen? Und welche nicht?

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Schmerzen – was tun? Das Schwangerschaftsstadium ist auch bei der Einnahme von Schmerzmitteln entscheidend. Zawodsky empfiehlt bei der Behandlung viraler Erkrankungen mit Fieber zunächst die Einnahme von Ibuprofen. Ab der 32. Schwangerschaftswoche darf Ibuprofen jedoch nicht mehr verordnet werden, da das kindliche Herz sonst Schaden nehmen könnte. Der Gynäkologe rät daher beim Auftreten starker Schmerzen ab der 32. Schwangerschaftswoche zur Einnahme von Paracetamol-Präparaten. Gleichzeitig warnt er jedoch vor dem Einsatz dieses Schmerzmittels in einem früheren Stadium der Schwangerschaft, da das möglicherweise zu Autismus führen kann. Bei Kopfschmerzen empfiehlt der Mediziner je nach Schwangerschaftswoche die Einnahme von 500 mg Paracetamol oder 600 mg Ibuprofen, allerdings nur dann, wenn die werdende Mutter keinen erhöhten Blutdruck aufweist. Von der Einnahme anderer Schmerzmittel rät der Experte ausdrücklich ab. Leiden schwangere Frauen an Kopfschmerzen, dann können sie in manchen Fällen auch auf unkonventionellere Art und Weise Linderung herbeiführen: „Ich empfehle, ein bis zwei Tassen Espresso und einen Liter Wasser zu trinken“, so der Facharzt. Im Hinblick auf die Einnahme von Vitaminpräparaten ist eine fachärztliche Beratung unabdingbar. In jedem Falle sollte eine Überdosierung fettlöslicher Vitamine, also vor allem Vitamin A, D und E, vermieden werden. Auch die Einnahme von Mineralstoffen (z. B. Eisen, Zink) sollte nur unter ärztlicher Kontrolle erfolgen. Empfehlenswert ist jedoch eine zusätzliche Einnahme von Folsäure. Diese erhöhte Zufuhr von Folsäure soll möglichen Neuralohrdefekten (Spina bifida) entsprechend vorbeugen.

Mythen und Irrglauben. Entgegen der weitverbreiteten Annahme, dass werdende Mütter besonders krankheitsanfällig wären, sind gerade Schwangere im Regelfall sehr robust. „Die Krankheitsanfälligkeit der Mutter steigt meist erst an, wenn der Nachwuchs auf der Welt ist“, schmunzelt Löschberger. Das liegt häufig daran, dass frischgebackene Mütter vom Stillen erschöpft sind und an Schlafmangel leiden. Die Pharmazeutin betont einmal mehr, dass ausreichend Schlaf und viel Bewegung an der frischen Luft die eigene Widerstandsfähigkeit enorm steigern können. Eine Übersicht und Informationen zur Verträglichkeit der wichtigsten Medikamente bei häufig vorkommenden Krankheiten finden werdende Mütter unter www.embryotox.de.


 

„Eine Schwangerschaft ist keine Krankheit!“

GESÜNDER LEBEN hat Mag. Susanne Löschberger gefragt, was sie im Umgang mit Arzneimitteln und Medikamenteneinnahme während einer Schwangerschaft empfiehlt und was werdende Mütter auf jeden Fall beachten sollten ...

Pharmazeutin Mag. Susanne Löschberger aus Wien im Gespräch mit GESÜNDER LEBEN.

GESÜNDER LEBEN: Was empfehlen Sie zur Vorbeugung von Krankheiten während der Schwangerschaft?
Löschberger: Aus meiner Erfahrung rate ich dazu, vier Aspekte zu berücksichtigen. Zunächst einmal eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung.  Außerdem empfehle ich viel Bewegung an der frischen Luft. Ein dritter wichtiger Punkt ist, ausreichend zu schlafen und zu ruhen, und viertens empfehle ich Entspannung und bewusste Stressvermeidung. Letzteres darf man nicht unterschätzen, denn wenn die Mutter unter Stress steht, spürt das auch das ungeborene Kind.

GL: Sie haben gerade das Thema Ernährung angesprochen. Gelten hier besondere Empfehlungen?
Die oberste Maxime lautet: Essen keinesfalls zur Wissenschaft hochzustilisieren! Und es ist ein Irrglaube, in der Schwangerschaft für zwei essen zu müssen. Es geht viel-mehr um eine bewusste Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper und eine ausgewogene Zusammensetzung von Nahrungsmitteln. Essen Sie mit Genuss.

GL: Mit welchen Mythen rund um das Thema Medikamente in der Schwangerschaft werden Sie in Ihrem Alltag häufig konfrontiert?
Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass Antibiotika während der Schwangerschaft ein No-Go darstellen. Das stimmt so nicht, denn bakterielle Infekte machen manchmal eine Einnahme notwendig. Allerdings haben viele Krankheiten eine virale Ursache und hier ist ein Antibiotikum nicht sinnvoll. Das ist beispielsweise der Fall bei Rhinitis und Bronchitis – also bei Schnupfen und Husten. Hier empfiehlt es sich, auf Hausmittel zurückzugreifen. Bei Husten empfehle ich ein Bad mit drei Tropfen ätherischem Cajeputöl in 1 EL Honig aufgelöst. Danach sollte man sofort ins Bett gehen und Anstrengungen körperlicher und geistiger Natur vermeiden.

GL: Was möchten Sie werdenden Müttern noch mitgeben?
Zunächst sollte man sich bewusst machen, dass die Schwangerschaft keine Krankheit ist. Hier sind Treffen in Schwangerschafts-gruppen sehr hilfreich. Darüber hinaus darf man den Wert von ausreichend Schlaf nicht unterschätzen. Viele Krankheiten können dadurch vermieden werden. Drittens rate ich dazu, strikt auf Alkohol zu verzichten. Und zu guter Letzt sollte man nicht vergessen, dass die Naturheilkunde bei banalen Erkrankungen während der Schwangerschaft eine große Auswahl an Möglichkeiten bietet. Vergessen Sie nicht, dass fast für jede Erkrankung ein Pflänzchen gewachsen ist.

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