Sonntag, 17. Februar 2019

An alles gedacht

24. Januar 2012
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Sie wissen, dass das Leben unerwartete Wendungen nimmt. Zur Vorsorge zählt außer Geld auch ein gutes Netzwerk, das Ihr Kind auffängt, falls Sie ausfallen.

Illustration: Carola Holland
„Du musst den Kopf stützen“, weist Kathi ihren jüngeren Bruder Max an, als sie ihm das Baby in den Arm legt. Die beiden Geschwister, 13 und 11 Jahre alt, können gar nicht genug bekommen von der zwei Monate alten Anna, ihrer Halbschwester.

„Das wird sich noch ändern“, lacht Sandra, die 42-jährige Mutter aller drei Kinder. „Bei diesem Altersunterschied werden sie nicht immer etwas miteinander anfangen können.“ Doch sie wachsen gemeinsam auf. Das ist die Basis für dauerhafte Geschwisterliebe. „Egal, wie alt mein Mann und ich werden, Anna wird immer eine Familie haben – Menschen, die sie schon als Baby kannte.“

Krankheit und Tod halten sich zwar nicht an statistische Wahrscheinlichkeiten. Aber egal, wie lange Sie leben: Sie werden Ihr Kind nicht ewig begleiten. Wenn Sie rund um die Lebensmitte Mutter oder Vater werden, beschäftigen Sie sich vermutlich noch mehr mit diesem Thema. Haben Sie schon einmal nachgerechnet, wie alt Ihr Kind bei Ihrem nächsten runden Geburtstag sein wird, oder wenn Sie in Pension gehen?

Keine Frage: Ein später Vater kann seine Kinder im Teenageralter sportlich übertrumpfen, eine ältere Mutter kann auch noch rüstig mit ihren Enkelkindern spielen. Dennoch ist es sinnvoll, dass andere Familienmitglieder und ein Freundesnetz einspringen können, falls Sie ausfallen. Daher ist es für Kinder später Eltern wichtig, von Anfang an positive Beziehungen zu verlässlichen Erwachsenen aufzubauen. Fördern Sie solche Bindungen und pflegen Sie sie bewusst. So haben Sie auch für den Fall der Fälle vorgesorgt.

Bei Anna sind es die älteren Halbgeschwister, zu denen eine gute Bindung besteht. Bei Philipp sind es der Taufpate und einige gute Freunde der Familie. Philipps Eltern waren bei seiner Geburt 43 und 47 Jahre alt. Sein Vater Ferdi erzählt: „Wir kannten uns erst wenige Monate, als meine Lebensgefährtin ungeplant schwanger wurde. Wir wollten keine Kinder, dazu waren uns Beruf und Unabhängigkeit viel zu wichtig. Dann war da dieser Streifen auf dem Schwangerschaftstest, und wir haben uns angeschaut und gleichzeitig gesagt: Lass uns das Kind kriegen.“

Philipps Eltern haben sich viele Gedanken darüber gemacht, was ihr Alter für das Kind bedeutet. „Wir haben besprochen, was mit Philipp passiert, wenn uns etwas zustößt. Und wie wir finanziell für ihn vorsorgen können.“ Die Familie pflegt den Kontakt zu Freunden, denen sie vertraut, und die Philipp aufwachsen sehen. Zur wirtschaftlichen Absicherung gibt es eine Lebensversicherung und ein Testament.

„Es ist uns auch wichtig, Philipp umgekehrt nicht als unsere Altersvorsorge zu betrachten“, betont Ferdi. Deshalb wurde eine Pflegeversicherung abgeschlossen.„Wenigstens eine Sache wird uns nicht so bald Kopfzerbrechen bereiten: das so genannte leere Nest! Während bei Freunden in unserem Alter die Kinder gerade ausziehen, beginnen wir von vorne ...“

Tipps
  • Machen Sie sich immer wieder Gedanken darüber, wer Sie bzw. Ihr Kind im Notfall versorgen könnte. Legen Sie sich einen Plan zurecht!
  • Versuchen Sie Ihr Kind frühzeitig finanziell abzusichern.
  • Sorgen Sie für ein gutes Familien- und Freundschaftsnetz.
  • Ein Kind ist keine Altersvorsorge! Treffen Sie selbst Vorkehrungen fürs Alter und für den Fall, dass Sie pflegebedürftig werden.

Das leere Nest
Wenn das jüngste Kind aus dem Haus geht, ist ein Lebensabschnitt vorbei. Zu jedem Abschied gehört Trauer. Lassen Sie diese zu. Besinnen Sie sich gleichzeitig auf die neuen Chancen. Erinnern Sie sich an Pläne, die Sie aus Rücksicht auf die Familie auf die lange Bank geschoben haben. Genießen Sie es, wieder Herr/Frau im eigenen Haus zu sein. Finden Sie neue Schwerpunkte in Beruf oder Hobby. Konzentrieren Sie sich wieder auf Ihre Liebesbeziehung. Überlegen Sie gemeinsam: Was hat uns früher Spaß gemacht? Was wollten wir noch erreichen? Was ist auf der Strecke geblieben?
Erkennen Sie die Autonomie Ihres flügge gewordenen Kindes unbedingt an. Das ist sehr wichtig für eine gesunde Beziehung.


Übersicht zu diesem Artikel:
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Seite 2 Erbrecht und Waisenpension


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