Donnerstag, 21. Februar 2019

Alles wird gut – aber nicht von alleine

23. Januar 2012
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Jede Patchworkfamilie ist anders – in Zusammensetzung, Geschichte und Alltagsgestaltung. Lernen Sie das Außergewöhnliche und ganz Eigene an Ihrer Familie zu schätzen!

Illustration: Carola Holland
Gerald und Jutta sind Experten für Familienformen. Jutta hat lange in einer Lebensgemeinschaft gelebt und wurde dann, kurz nach der Geburt ihrer Tochter, zur Alleinerzieherin. Gerald war acht Jahre lang verheiratet und ist jetzt Wochenendvater seines vierjährigen Sohnes. Nun starten die beiden ein neues Projekt namens Patchworkfamilie.

Patchworkfamilie bezeichnet die Familie, die entsteht, wenn mindestens ein Partner mindestens ein Kind in eine neue Beziehung mitbringt. Das heißt, es müssen weder beide Partner Kinder haben noch muss es ein gemeinsames Kind geben. Da auch eine Heirat nicht notwendig ist, leben viele Menschen in Patchworkfamilien, ohne es zu wissen.

Weil Jutta die größere Wohnung hat, wird Gerald vorläufig zu ihr ziehen. In zwei bis drei Jahren wollen die beiden gemeinsam eine Eigentumswohnung finanzieren. Bis dahin wird es am Wochenende, wenn Geralds Sohn zu Besuch ist, wohl ein bisschen eng. Ein Teil vom Wohnzimmer wird abgetrennt und mit einem Hochbett zum Kuschelbereich umgebaut. Juttas Tochter soll allein Herrin in ihrem Kinderzimmer bleiben.

Das räumliche Zusammenrücken ist nur eine der großen Veränderungen, die auf eine entstehende Patchworkfamilie zukommen. Eine weitere Herausforderung ist das Zusammenführen unterschiedlicher Familienkulturen. Um Grundsätze betreffend Ordnung, Hausarbeit, Freizeitplanung usw. unter einen Hut zu bekommen, braucht es Phantasie und Kompromissbereitschaft. Oft ergeben sich einzigartige, ungewöhnliche Lösungen. Voraussetzung ist, dass jedes Mitglied der neuen Familie rechtzeitig sagen darf, was ihm im Alltag wichtig ist und was ihm auf die Nerven geht.

Jutta und Gerald besprechen schon vor dem Zusammenziehen ausführlich, wie sie Rechte und Pflichten aufteilen werden. Auch Bedenken kommen zur Sprache. Jutta fragt: „Wird mich dein Sohn akzeptieren? Und wie werde ich mit seiner Mutter auskommen, wenn sie ihn aus meiner – also jetzt unserer – Wohnung abholt?“

Gerald wiederum möchte alte Fehler nicht wiederholen: „Wie werden wir uns im Alltag um unsere Beziehung kümmern? Meine Ehe ist nämlich daran zerbrochen, dass wir uns außer Aufträgen nichts mehr zu sagen hatten …“ Gemeinsam finden die beiden Antworten und machen Pläne. Jeden Montagabend gibt es einen fixen Termin für Austausch, Anliegen und Manöverkritik. Da wollen Jutta und Gerald erzählen, wie es ihnen geht, und diskutieren, welche Lösungen funktionieren und welche verbessert werden können.

Wenn eine Patchworkfamilie scheitert, liegt das meist nicht an den großen Herausforderungen, sondern viel öfter an den überhöhten Erwartungen ihrer Mitglieder. Jutta und Gerald wissen das und wollen realistisch bleiben. „Alles wird gut“ ist auch ihr Leitsatz, doch sie ergänzen ihn mit „… weil wir was dafür tun“.

Tipps
  • Legen Sie sich für neue Bekannte einen Satz zurecht, der Ihre Familie bestmöglich beschreibt, z.B. „Wir sind eine Patchworkfamilie mit insgesamt zwei Kindern. Eines wohnt ständig bei uns.“ So vermeiden Sie Missverständnisse, verheimlichen keine Elternteile und schaffen ein klares Profil für Ihre Familie.
  • Gönnen Sie sich selbst und allen Familienmitgliedern Zeit, um sich auf die neue Familienform einstellen zu können.
  • Halten Sie Ausschau nach Stieffamilien in Ihrem Bekanntenkreis, in der Literatur, und holen Sie sich hilfreiche Anregungen.
  • Nehmen Sie sich immer wieder Zeit zum Innehalten und Überlegen, welche Rolle Sie gegenüber welchem Familienmitglied haben.

Patchworkfamilien im Film
  • Liebe braucht keine Ferien
  • Sound of Music
  • Full House
  • Vater wider Willen
  • Aus heiterem Himmel
  • Die Nanny
  • Deine, meine & unsere
  • Milch und Schokolade

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Alles wird gut – aber nicht von alleine
Seite 2 Einfach zum Nachdenken


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