Freitag, 22. Februar 2019

Abschied nehmen

25. Oktober 2011
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Abschied nehmen, Trauern und die Bewältigung des Verlustes brauchen Zeit. Auch, wenn es sich anfangs so anfühlt, als wären Sie alleine, Sie sind es nicht. Nehmen Sie Hilfe in Anspruch. Sie müssen den Weg nicht alleine gehen.

Illustration: Carola Holland
Das Thema Tod und Sterben ist für viele Menschen ein Tabuthema, man spricht nicht davon, beschäftigt sich nicht damit, oder verdrängt Gedanken daran. Ist man unmittelbar davon betroffen, hilft es, sich jemandem anzuvertrauen. Darüber reden tut gut.

Den Tod eines nahestehenden Menschen zu bewältigen, bedeutet gewiss eine der schwierigsten Herausforderungen, die das Leben bereit hält. Manche Eltern sind mit dem Tod ihres Kindes konfrontiert. Oder Kinder verlieren ihre Geschwister, einen Elternteil oder andere liebe Menschen. Die Hinterbliebenen stehen häufig einer sprachlosen Umwelt gegenüber. Dabei könnte gerade das Gespräch entlasten, denn es führt zu den Gefühlen, über die es schwer ist, zu sprechen. Wenn Betroffene ihren Schmerz nicht fühlen und nicht eingestehen, kann er unter der Oberfläche schwelen und schlimmstenfalls zu Krankheiten und psychischen Störungen führen. Schmerz zu fühlen und Trauer auszudrücken sind wichtige Schritte, um sich von einem Verlust zu erholen.

In solchen Situationen kann es hilfreich sein, sich an Fachleute zu wenden. Professionelle Hilfe zu beanspruchen ist kein Eingeständnis von Schwäche, es ist vielmehr ein Zeichen dafür, sich auf seine Trauer einlassen zu wollen. Sie dürfen sich dabei helfen lassen, das Unerträgliche wahrzunehmen, Ihren Schmerz zu bewältigen und ein Leben ohne den geliebten Menschen zu wagen.

Der Trauerprozess wird oft als Weg dargestellt. Jeder Mensch geht dabei seinen eigenen Weg, keiner gleicht dem anderen. Meist ist dieser Weg nicht geradlinig, führt über unwegsames Gelände, kommt aber auch an Quellen vorbei, die Kraft geben. Oft ist er einsam, manchmal begleitet einen jemand. Ein gutes Gespräch, ein netter Besuch, ein Brief von einem lieben Menschen, all das kann den Weg erleichtern. Um diese Blumen am Wegrand zu erkennen, kann man sich dafür entscheiden, seinen Blick darauf zu lenken. Man darf diese Blumen annehmen, sie mitnehmen, sich daran erfreuen. Sich wieder freuen zu können ist ein Geschenk des Himmels.

Auch die Geschwindigkeit, mit der es vorwärts geht, ist unterschiedlich. Manchmal geht man wie in Watte gepackt – in Zeitlupe – kommt kaum vorwärts. Manchmal rast man ein Stück im Blindflug dahin. In Bewegung zu kommen und zu bleiben ist gut. Mit der Zeit wird das Atmen wieder leichter, der Austausch mit der Umwelt wird wieder lebendig. Früher oder später begegnen einem Fragen nach dem Sinn des Erlebten und nach Zielen für ein Weiterleben. Irgendwann auch ohne den geliebten Menschen wieder ein sinnerfülltes Leben zu führen, ist ein Ziel.

Möglichkeiten der Hilfestellung

Familienhospizkarenz
Seit Juli 2002 haben Arbeitnehmer/innen in Österreich die Möglichkeit, für die Begleitung im Sterben liegender naher Angehöriger oder die Begleitung schwersterkrankter Kinder ihre Arbeitszeit entsprechend anzupassen. Sowohl eine Reduzierung der Stundenanzahl als auch eine Dienstfreistellung sind vom Gesetz her möglich. Während dieser Zeit bleibt man voll kranken- und pensionsversichert sowie kündigungsgeschützt. Bei finanzieller Notlage wird Unterstützung in Form des Familienhospizkarenz-Härteausgleichs oder in Form von Pflegegeld gewährt.
Nähere Informationen finden Sie auf den Websites des Familienministeriums (www.bmwfj.gv.at) und des Sozialministeriums www.bmask.gv.at

Hospizarbeit

Die Begleitung eines sterbenden Menschen ist eine der größten Herausforderungen, denen man sich stellen kann. Die Zeit der Begleitung ist für viele Menschen eine Zeit der Krise, der Angst und der Unsicherheit. Der Dachverband Hospiz Österreich hat für pflegende und begleitende Angehörige die Broschüre „Begleiten bis zuletzt“ herausgegeben.

Der Ratgeber richtet sich an pflegende und begleitende Angehörige. Es gibt keine Patentrezepte für die Begleitung sterbender Menschen, denn jedes Sterben ist so einzigartig wie jedes Leben. Aber es gibt medizinisch und pflegerisch abgesichertes Wissen, das Ihnen als Angehörige die Begleitung eines schwerkranken Menschen leichter machen soll.

Sie können die Broschüre gegen eine Spende für die Hospizarbeit unter der Telefonnummer 01/803 98 68 im Büro des Dachverbandes HOSPIZ ÖSTERREICH bestellen oder von der Website herunterladen. Weitere Informationen, auch über das österreichweite Angebot von Hospizdiensten, erhalten Sie unter www.hospiz.at. Unter www.kinderhospiz.at finden Eltern von schwerstkranken Kindern und verwaiste Eltern interessante Informationen, Buchtipps und Links.


Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Abschied nehmen
Seite 2 Trauerbegleitung


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