Mittwoch, 23. Oktober 2019

Wenn Milch nicht gut tut

Ausgabe 04/2010
Milch und Milchprodukte sind gesund – heißt es. Stimmt ja grundsätzlich, aber leider gibt es Menschen, die diese Nahrungsmittel nicht vertragen. Die Diagnose lautet Laktoseunverträglichkeit, ihre Symptome sind äußerst unangenehm.

Foto: Lise Gagne - istockphoto.com
Laktoseunverträglichkeit ist in aller Munde – aber was bedeutet das eigentlich? Neugeborene Säugetiere brauchen das Enzym Laktase, um den Milchzucker in der Muttermilch in Galaktose und Glukose zu spalten. Da nicht vorgesehen ist, dass erwachsene Menschen oder Tiere nach der Stillzeit noch Milch trinken, wird die Verträglichkeit von Laktose reduziert. Wenn Sie also eine Laktoseunverträglichkeit haben, dann ist das eigentlich natürlich und eine „gesunde“ Reaktion des Körpers. Unser Organismus ist schlichtweg nicht aufs Trinken von Milch programmiert. So weit, so einleuchtend. Betroffene Patienten sollten, um Beschwerden zu vermeiden, den Genuss von Milch und Milchprodukten ganz einstellen oder stark einschränken.

Bösewicht Kuhmilch
Was passiert nun in unserem Körper, wenn wir an einer Laktoseunverträglichkeit leiden? Als Ursache gilt eine reduzierte Lactasekonzentration im Dünndarm. Der Milchzucker kann nicht oder nur teilweise verdaut werden und gelangt „unbearbeitet“ in den Dickdarm. Dort wird er durch Darmbakterien vergoren. Es entstehen Gase, die zu Blähungen führen, in Folge kommt es auch zu Durchfall, Bauchkrämpfen, Übelkeit oder Erbrechen. Was bei uns als „Krankheit“ aufgefasst wird, ist in Asien und Afrika ein weit verbreitetes Phänomen, welchem keine große Bedeutung beigemessen wird – 90 % der Bevölkerung sind betroffen. In unserer Hemisphäre sind es ca. 5 bis 15 % und daher gehören diese Menschen einer Minderheit an. Wer Kuhmilch nicht verträgt, muss aber nicht automatisch an Laktoseintoleranz leiden. Es könnte sich auch um eine Milcheiweißallergie handeln. Das gilt es abzuklären.

Der einfache Selbsttest
Wenn man sich nicht sicher ist, kann ein einfacher „Selbsttest“ Klarheit schaffen. Man meidet einige Tage alle Milchprodukte. Achtung: In unseren Lebensmitteln versteckt sich mehr Laktose, als man ahnt. In vielen Fertigprodukten sind Milchzucker oder Milchbestandteile enthalten, deshalb die Inhaltsangaben genau studieren. Wenn sich in den Diättagen keine Symptome einstellen, dann können Sie ziemlich sicher sein, dass Sie an einer Laktoseintoleranz leiden. Um auf Nummer sicher zu gehen, können Sie dann noch einen Expositionstest durchführen.

Nachdem Sie mehrere Tage Verzicht geübt haben, ein Päckchen gelösten Milchzucker aus der Apotheke in einem Glas Wasser auflösen. Sollten dann wieder Beschwerden auftreten, haben Sie Gewissheit. Falls die Intoleranz nicht sehr ausgeprägt ist, kann die Diagnose oft nicht ganz eindeutig ausfallen. Dann sollten Sie beim Arzt einen H2-Atemtest durchführen lassen. Dieser basiert darauf, dass bei der bakteriellen Aufarbeitung der Laktose neben anderen Produkten auch gasförmiger Wasserstoff entsteht, der über das Blut in die Lungen transportiert und so in der Atemluft nachgewiesen werden kann. Wasserstoff in der Atemluft bedeutet somit Laktoseintoleranz. Diese kann aber auch durch einen Bluttest entlarvt werden.

Vieles ist verboten
Ist der Nachweis erst erbracht, müssen Sie stark sein. Denn da gibt es leider viele Lebensmittel, die Sie (zumindest teilweise) von Ihrem Speiseplan streichen müssen: neben der Kuhmilch auch alle Molkereiprodukte wie Rahm, Molke, Schlagobers, Buttermilch, Topfen, Ricotta und Milchpulver. Was viele nicht bedenken: Laktose versteckt sich sogar in Brot, Salatsaucen, Süßigkeiten, Wurstwaren, ja sogar in Medikamenten, Granulaten oder auch den berühmten Schüssler-Salzen. Ganz so schlimm, wie es sich jetzt anhört, ist es dann aber auch wieder nicht, denn es gibt inzwischen viele laktosereduzierte Milchprodukte wie Käse, Topfen, Joghurt, ja sogar Speiseeis. Wenn eine sehr ausgeprägte Laktoseintoleranz vorliegt, muss man aufpassen, dass sich kein Kalziummangel einstellt. Aber es besteht noch Hoffnung: Es gibt Medikamente, die ein Enzym enthalten, das den Milchzucker spaltet und so die Verträglichkeit von Milchprodukten erhöht.

Buchtipp :
Richtig einkaufen bei Laktose-Intoleranz, von Karin Hofele: Über 900 Fertigprodukte und Lebensmittel auf dem Prüfstand. Trias Verlag, € 10,30


Laktoseunverträglichkeit, MilchprodukteFoto: Diane Labombarbe - istockphoto
Laktoseunverträglichkeit – was dürfen Sie essen?
  • Obst und Gemüse
  • Kartoffeln, Reis, naturbelassene Getreideprodukte
  • Laktosefreie Produkte
  • Sojamilch, Kokosmilch, Mandelmilch

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