Freitag, 15. Februar 2019

Wenn Bäuerinnen kochen

Ausgabe 11/2012
Unsere Bäuerinnen verfügen über einen Schatz an traditionellen Rezepten. Und sie setzen immer mehr auf bio und Nachhaltigkeit. Plus: Wir haben vier bäuerliche Rezepte aus Österreich zum Nachkochen!


Die Rolle der Frau in der Landwirtschaft hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Zum Positiven, wie wir meinen. Unsere Bäuerinnen sind heute vielfach Managerinnen, die nicht nur den Spagat zwischen Beruf und Familie meistern, sondern auch verstärkt gesellschaftliche Verantwortung hinsichtlich Ernährung und gesunder Lebensweise übernehmen. Bundesbäuerin Anna Höllerer meint im Gespräch mit GESÜNDER LEBEN: „Die Bäuerinnen sind sehr wichtig. Erstens werden mittlerweile 40 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe von Frauen geführt und zweitens sind die Frauen sehr innovativ. Die Bäuerinnen denken immer mehr über Fragen der Nachhaltigkeit nach und achten darauf, wie sie diesen Gedanken ideal in ihren Betrieben umsetzen können.“

Berufsbild Bäuerin. Die moderne Bäuerin und Unternehmerin betrachtet ihre Lebens- und Arbeitssituation wesentlich kritischer als noch vor zwanzig Jahren, da sie sich vorrangig als berufstätige Frau und nicht mehr ausschließlich als Ehefrau des Landwirtes sieht. Höllerer: „Es gibt inzwischen viele Frauen, die in landwirtschaftliche Betriebe einheiraten und einen anderen beruflichen Hintergrund mitbringen. Das hat den Vorteil, dass diese Bäuerinnen als Quereinsteigerinnen in die Landwirtschaft kommen und gewillt sind, sich dementsprechend weiterzubilden.“ Auch Anna Haselberger aus Waldhausen im Strudengau (OÖ) hat einen ähnlichen Werdegang hinter sich: „Als ich meinen Mann kennenlernte, heiratete ich sozusagen in die Landwirtschaft hinein. Ich liebe diesen Beruf, weil ich viel Zeit in der Natur verbringe. Ein großer Vorteil ist, dass ich mir die Arbeit selber einteilen kann und so Beruf und Familie besser unter einen Hut bringe. Das ist mein absoluter Traumberuf.“ Und Haselberger ist kein Einzelfall: Immer mehr Landwirte und -wirtinnen sind nicht nur stolz auf ihren Beruf, sondern schätzen auch das Leben in und mit der Natur.

Saisonale und regionale Produkte. Vor allem sind unsere Bauern und Bäuerinnen Garant für eine gesunde Ernährung. Es macht also Sinn, die Produkte dann zu essen und zu verarbeiten, wenn diese erntefrisch zu haben sind, so Höllerer. Saisonale und regionale Produkte sind gut für unsere Gesundheit, weil im idealen Reifezustand geerntete Waren den höchsten Gehalt an Vitaminen und bestimmten sekundären Pflanzenstoffen aufweisen. So wurde bei Freilandparadeisern im Vergleich zu Paradeisern aus dem Gewächshaus ein um ein Drittel höherer Vitamin-C-Gehalt gemessen. Wissenschaftler haben zudem festgestellt, dass aus dem Ausland importiertes Obst und Gemüse deutlich stärker (etwa mit Pestiziden) belastet ist – das trifft insbesondere auf Erdbeeren, Weintrauben und Paradeiser zu. Zuletzt sorgten etwa Erdbeeren aus China in Ostdeutschland für epidemiehafte Erkrankungen. Insgesamt 11.000 Menschen (vorwiegend Schulkinder) laborierten an schweren Magen-Darm-Erkrankungen. Biologische und nachhaltige Landwirtschaft wird eben in Österreich mit deutlich mehr Engagement betrieben. Haselberger meint dazu: „Ich gehe sogar so weit, dass ich die Schnecken, die sich über meinen Salat ‚hermachen‘, zusammenklaube und nicht mit Schneckenkorn vernichte.“ Und diese Liebe zur Natur, zur Umwelt und den Menschen schmeckt der Konsument!

Genuss-Region-GortschitztaFoto: Klothi Ruhdorfer (Milchbäuerin) mit Rosemarie

Kürzere Transportwege. Ein weiterer Vorteil, wenn Sie heimische Lebensmittel kaufen: Die Transportwege sind deutlich kürzer. Dadurch wird der Ausstoß an CO2, das für die Erderwärmung verantwortlich ist, reduziert. Vor allem der Transport mit dem Flugzeug gilt als wahrer Klimakiller! Wer also umweltbewusst handeln und seiner Gesundheit Gutes tun will, greift zu heimischem Obst und Gemüse. Und das am besten zur Haupterntezeit. Denn (selbst heimische) Ware, die deutlich vor oder nach der Saison auf den Markt kommt, wird zumeist mit besonderem Aufwand – wie z. B. Anzucht unter Glas, Folientunnel – erzeugt und weist deshalb eine wesentlich schlechtere Ökobilanz auf als Freilandware.

Direktvermarktung. Wer sich Zeit nimmt, direkt beim Bauern (oder am Bauernmarkt) einzukaufen, bekommt nicht nur frische und gesunde Ware. Auch das Einkaufen an sich macht viel mehr Spaß. Der persönliche Kontakt zwischen Kunde und Erzeuger macht die Produkte quasi „erlebbar“. Zudem garantiert die Direktvermarktung unseren Bauern und Bäuerinnen ein zusätzliches Einkommen und trägt so zum Erhalt der landwirtschaftlichen Betriebe und Arbeitsplätze bei. Für rund 46.000 Bauernhöfe, das ist ein Drittel der landwirtschaftlichen Betriebe, ist die Direktvermarktung ökonomisch bedeutsam. Etwa 23.000 Direktvermarkter erwirtschaften bis zu 10 Prozent ihres Einkommens mit dem Verkauf ihrer Produkte. Rund 12.000 Betriebe erzielen durch die direkte Vermarktung sogar bis zu 50 Prozent ihres Einkommens. Die bedeutendste Produktgruppe ist dabei das Fleisch. Milch und Milcherzeugnisse werden von vielen Vermarktern angeboten, sind aber weniger ertragreich. Haselberger verkauft übrigens keine Produkte ab Hof, sie produziert jedoch für den Eigenbedarf: „Dabei handelt es sich vor allem um eingelegten Käse in Öl, Schnaps, Topfen und Joghurt.“ Und weil kleine Geschenke die Freundschaft erhalten, meint sie: „Wenn ich auf Besuch gehe, nehme ich immer einen selbst gemachten Schnaps mit. Das ist ein schönes Mitbringsel.“ Und eine schöne österreichische Tradition.

Buchtipp

Bäuerinnen kochen Über 600 kulinarische Schätze aus unserer Heimat wurden hier gesammelt. Insgesamt 90 Bäuerinnen aus ganz Österreich haben für dieses Kochbuch Rezepte zur Verfügung gestellt. Ob flambiertes Filetsteak, Omas Weinbeerstrudel oder regionale Köstlichkeiten aus allen Bundesländern: Die Rezepte in diesem Kochbuch verzücken den Gaumen.
Weltbild Buchverlag, 368 Seiten, 12,99 Euro

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