Sonntag, 18. August 2019

Vegane Ernährung - Kalziummangel ist gefährlich

Ausgabe 2019.07/08
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Kalziummangel ist gefährlich 

Ein Kalziummangel ist im Übrigen keine Kleinigkeit. Wie allseits bekannt ist, ist besonders dieses Mineral der Baumeister unserer Knochen, Zähne und Haare. Weiters spielt es eine essenzielle Rolle bei diversen Muskel- und Nerventätigkeiten, der Blutgerinnung, im Hormonhaushalt, der Entzündungsabwehr und bei der Allergiebekämpfung. Ein Kalziummangel kann sich auf unterschiedliche Weise bemerkbar machen. Häufig geht ein Kribbeln auf der Haut, sogenanntes „Ameisenlaufen“ damit einher. Auch Muskelkrämpfe, Hautausschläge, vermehrte Hornbildung und brüchige Nägel wie Haarspliss  können Mitsymptome sein. Weiters kann es zu Verdauungsproblemen kommen, zu Herzrhythmusstörungen und sogar zu psychischen Krankheiten. Mit Kalzium unterversorgte Kinder laufen Gefahr, eine gestörte Zahn- und Knochenentwicklung aufzuweisen. 

Unumgänglich: Ernährungsstatus bestimmen 

Widhalm: „Veganer müssen auf jeden Fall mehrmals pro Jahr ihren Ernährungsstatus bestimmen lassen. Das hat wenig mit einem herkömmlichen Blutbild zu tun, denn ein solches genügt weit nicht, um sicherzugehen, dass man speiseplantechnisch gesund unterwegs ist.“ Im Zuge eines Ernährungsstatus wird nicht nur das Blut, sondern auch der Harn untersucht. Neben den altbekannten Werten eines „großen Blutbildes“ hat die Bestimmung von Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen oberste Priorität. Eine ausgiebige Anamnese ist ebenfalls Teil einer solchen Untersuchung. Hierbei wird genau ermittelt, in welchem physiologischen Zustand die betreffende Person ist, denn ein Mann im fortgeschrittenen Alter wird eine völlig andere Nährstoffzusammensetzung benötigen als ein Profisportler, eine stillende Mutter oder ein Kleinkind. 

Pescetarier, Veganer und Lacto-Vegetarier

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Vitamin B12 nur in tierischen Lebensmitteln 

Mitunter noch risikoreicher ist ein Mangel an Vitamin B12, denn dieses steckt in keinem einzigen pflanzlichen Lebensmittel, sondern wird von Mikroorganismen gebildet, wie etwa Bakterien, die  nur in tierischen Lebensmitteln vorkommen. Hervorragende Vitamin-B12-Lieferanten sind Innereien, wie beispielsweise Rindsleber, die pro 100 Gramm ganze 65 Mikrogramm Vitamin B12 enthält. Laut WHO-Empfehlung genügen jedoch bereits etwa 4 Mikrogramm täglich, diese stecken auch in 120 Gramm Käse, drei Eiern oder einem großen Naturjoghurt. Tiere nehmen das Vitamin in der Regel über verunreinigtes Wasser oder Futter auf. Speziell Wiederkäuer wie Kühe können aufgrund ihrer speziellen Mägen Vitamin B12 in großen Mengen selbst synthetisieren. Zwar sind auch im menschlichen Dickdarm Bakterien beheimatet, welche Vitamin B12 produzieren, das jedoch wortwörtlich zu spät. Denn unser Körper kann das Vitamin nur im davor angeordneten Dünndarm aufnehmen. Zwar ist speziell im Internet immer wieder davon zu lesen, dass es genügen würde, ungewaschenes Obst und Gemüse aus dem Garten zu essen oder durch Hefebakterien fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut oder Bier, um den notwendigen Vitamin-B12-Level zu erreichen. Vor diesem Mythos warnen jedoch sogar vegane Gesellschaften. „Isst man vegan, steht fest: Man muss Vitamin B12 mittels Supplementen zuführen. Am besten eignet sich meiner Meinung nach die Dreimonatsspritze, die man sich alle drei Monate bei seinem Hausarzt geben lassen kann“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Kurt Widhalm. Aber auch in Form von Tabletten, Tropfen und Mundsprays sind Vitamin-B12-Präparate in der Apotheke erhältlich. 

Ein schleichender Patschen

Da Vitamin B12 in großen Mengen in der Leber gespeichert wird, treten Mangelsymptome oftmals ganz heimtückisch erst nach Jahren auf. Nahezu alle Zellen unseres Organismus sind auf die Zufuhr von Vitamin B12 angewiesen, in erster Linie leiden aber die roten Blutkörperchen unter einem Mangel. Es kommt zur sogenannten Anämie, einer Blutarmut. Die Haut erscheint blass und grau, Schleimhäute im Mund-, Zungen und Darmbereich beginnen zu leiden, wodurch auch andere Nährstoffe weniger gut vom Körper aufgenommen werden können. Weiters kommt es zu Schwächeanfällen, starker Müdigkeit und Schwindel. „Vitamin-B12-Mangel ist ein schleichender Patschen, der normalerweise nicht sofort erkannt wird“, warnt Widhalm. Betroffene, bei denen die ersten Symptome falsch gedeutet werden, erreichen irgendwann Level zwei der Dauerunterversorgung. Das mögliche Resultat: Depressionen, Demenz, taube Gliedmaßen, Lähmungserscheinungen und Koordinationsstörungen. 

Risikogruppen: Schwangere, Stillende & Kinder 

Besondere Vorsicht ist bei vegan ernährten Schwangeren, Stillenden und (Klein-)Kindern geboten. „Eine Vitamin-B12-Unterversorgung kann zu massiven Entwicklungsstörungen führen, bis hin zu irreversiblen Nervenschädigungen, die das Leben der Kinder massivst einschränken. Wahrscheinlich ist es möglich, eine vegane Ernährung auch hier umzusetzen, aber wirklich nur in enger Zusammenarbeit mit Ernährungsmedizinern und Diätologen. Alles andere wäre fahrlässig“, stellt Widhalm fest.  Auch eine ausreichende Zufuhr von Eisen ist besonders bei werdenden Müttern, stillenden Frauen und im Kindesalter essenziell. Zwar kann man Eisen auch aus pflanzlichen Lebensmitteln wie Hülsenfrüchten, hervorragend aufnehmen, die Frage ist jedoch immer, ob dieses dem Körper in ausreichender Menge dargeboten wird. Zusätzlich sollten Veganer besonders die Zufuhr von Selen, Zink, Jod und Omega-3-Fettsäuren im Auge behalten. Mit ein wenig Gespür ist es hier aber durchaus möglich, die genannten Stoffe aus einem einhundert Prozent herbivoren Speiseplan zu beziehen.  

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Vegane Ernährung
Seite 2 Kalziummangel ist gefährlich
Seite 3 Eiweiß

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