Sonntag, 19. Mai 2019

Übergewicht

31. August 2011
Übergewicht: Epidemie, Sucht oder Veranlagung?

Wenn die Gastgeberin nach einem üppigen Essen eine verführerische Dessertplatte auftischt, gelingt es manchen Menschen nicht, nur einen kleinen Happen zu essen. Sie können nicht widerstehen und essen weiter und weiter?

Offenbar fehlt diesen Menschen das innere Signal zum Aufhören, die Sättigungsgrenze wird nicht erkannt. Ist das also eine Sucht? Zwar sind einige Kriterien des Suchtverhaltens erfüllt, wie Kontrollverlust und Entzugserscheinungen, trotzdem sind sich die Fachleute einig: Fettleibigkeit (Adipositas) ist keine echte Sucht. Daher spricht man längst nicht mehr abschätzigen von "Fettsucht". Adipositas ist eine höchst komplexe Krankheit, über die noch relativ wenig bekannt ist. Die Hauptursachen für Übergewicht und Fettleibigkeit sind Veranlagung, falsches Essverhalten und fehlende Bewegung.

Manche Experten bezeichnen Übergewicht als die globale Epidemie des 21. Jahrhunderts. Allein in Österreich leiden 14% unter krankhafter Fettleibigkeit, die Zahl der übergewichtigen Menschen liegt bei etwa 50%. Die Zahl der Übergewichtigen hat sich in den letzten 10 Jahren um 30% erhöht, und schon 22% unserer Kinder sind übergewichtig und viele werden es zeitlebens bleiben.

Wann spricht man von Übergewicht?

Von Übergewicht kann gesprochen werden, wenn das Gewicht eines Menschen wegen der Ablagerung von Körperfett mindestens 20% über seinem Idealgewicht liegt. Meist wird Übergewicht und Fettleibigkeit unter Verwendung des so genannten Body-Maß-Indexes (BMI) diagnostiziert.

BMI = Körpergewicht in kg : Körpergröße in Quadrat

Die Weltgesundheitsorganisation hat Adipositas folgendermaßen klassifiziert:

  • Normalgewicht: 18,5-24,9
  • Übergewicht: 25-29,9
  • Adipositas Grad I: 30-34,9
  • Adipositas Grad II: 35-39,9
  • Extreme Adipositas Grad III: 40

Liegt der BMI-Wert über 30, so ist das Übergewicht unter Zuziehung eines Arztes behandlungsbedürftig.

Die körperlichen Beschwerden, die als Folgeerscheinung des Übergewichts auftreten können, sind vielfältig. Als Folgen mechanischer Überlastung zählen Arthrosen, Rückenbeschwerden, verminderte körperliche Leistungsfähigkeit, Atemnot, nässende Ekzeme zwischen den Fettwülsten. Übergewichtige sind einem erhöhtem Risiko ausgesetzt, an folgenden Krankheiten zu erkranken: Diabetes, Gallensteine, Bluthochdruck, konoraren Herzkrankheiten, Schlaganfall, Gicht und psychischen Störungen.

Abnehmen, Diät und Medikamente

Wieder eine exotische Wunderdiät, ein geheimnisvolles Wundermittel oder eine weitere Erfolgsstory: 10 Kilogramm in nur zwei Wochen. Übergewichtige, die sich an solchen Geschichten orientieren, um ihr Gewicht zu reduzieren, sind auf dem falschen Weg!

Nur eine natürliche, unseren Lebensgewohnheiten angepasste, maßvolle Diät kann auch langfristig befolgt werden und Erfolg bringen. Maximal ein halber Kilo Körpergewicht pro Woche kann/soll abgenommen werden. Das Essverhalten muss analysiert und verändert werden. Ohne Kenntnis der Nahrungsmittel geht das nicht. Satt wird der Mensch nur durch die Menge, nicht durch die Kalorien, die er zu sich nimmt.

Deswegen lautet die Zauberformel: weniger Energie (Kalorien) bei mehr Volumen. Das heißt weniger Fett und Fleisch und mehr Gemüse, Nudeln, Reis, Vollkorn- und magere Milchprodukte. Außerdem sollte man sich auf eine langfristige, harte Arbeit an seinem Körper einstellen und, eine Diät alleine bringt noch nichts, entscheidend ist die Kombination mit Bewegung!

Manche Menschen versuchen, mit Hilfe von Medikamenten abzunehmen oder eine Diät durch Medikamente zu unterstützen. Eine im ÖKO-Test-Magazin (03/2000) durchgeführte Untersuchung ausgewählter Appetitzügler brachte allerdings ein ernüchterndes Ergebnis: Keines der 22 Präparate konnte seinen Nutzen ausreichend nachweisen! Doch die Verführung ist groß und der Markt wächst. In jedem Fall sollte nur gemeinsam mit einem Arzt darüber nachgedacht werden, ob unterstützende Medikamente angezeigt sind.

Folgende Produkte sind derzeit im Handel erhältlich:
  • Ballaststoffhaltige Appetitzügler
  • Entwässerungsmittel
  • Mittel die durch vernetzte Quellstoffe sättigen
  • Chemische Präparate mit Wirkung auf das Zentralnervensystem
  • Jodpräparate
  • Fettblocker

Insgesamt lässt sich jedoch sagen, dass die Wirksamkeit der auf dem Markt erhältlichen Mittel im Hinblick auf die jeweiligen Nebenwirkungen unzureichend ist.

Der Yo-Yo-Effekt

Yo-Yo-Effekt nennen Wissenschaftler den Teufelskreis aus kurzfristiger Gewichtsverringerung und erneuter Gewichtszunahme, oft mit ein, zwei Kilo mehr als davor. Besonders Diätwütige, die hochgepriesene Crash-Diäten ausprobieren, sind davon betroffen.

Die Ursache für dieses Auf und Ab ist eine natürliche Reaktion des Körpers aus Urzeiten. Erhält er zuwenig Nahrung schaltet er seinen Energieverbrauch auf Sparflamme (Reduktion des Grundumsatzes um 20% und mehr) und greift auf Fettreserven im Körper zurück. Das Gewicht sinkt zu sinken, am Beginn rasch danach immer langsamer. Sobald man wieder normal isst, beginnt der Körper aufzubauen und seine Fettzellen neuerlich für Notzeiten zu füllen. Er signalisiert ständig "Hunger", was den Diät-Patienten zur übermäßigen Nahrungsaufnahme verleitet.

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