Montag, 20. Mai 2019

Sternanis

24. November 2011
Bei Husten, Schnupfen, Heiserkeit gibt es ein traditionsreiches Mittel der fernöstlichen Medizin: Sternanis. Das typische Weihnachtsgewürz verfeinert nicht nur den Glühwein und ist bei Kindern zum Basteln beliebt. Der echte Sternanis (Illicium verum) ist die Frucht des immergrünen Magnolienbaumes Südostasiens und Ausgangsstoff für das Anti-Grippe-Mittel Tamiflu.

Foto: flickr.com - Steven Jackson Photography
In seiner Heimat, vor allem in Thailand, Vietnam und China ist der echte Sternanis aus der Volksmedizin nicht wegzudenken. Sternanis wirkt sowohl gegen Viren als auch gegen Bakterien. Er löst Schleim, lindert Hustenreiz und entspannt. Und das frei von Nebenwirkungen, wie man durch den Einsatz bei Säuglingen und Kindern  mit Koliken seit langem weiß. Sternanis ist vor allem vorbeugend und bei Symptomen wie Kopfund Gliederschmerzen, Fieber, Schnupfen, Halsschmerzen, Angina, Husten und Bronchitis geeignet. Er sollte jedoch als unterstützendes Hausmittel gesehen werden und ärztliche Behandlung nicht ersetzen. Sternanis gehört in jede Hausapotheke, damit er bei beginnender Infektion – viral oder bakteriell - sofort zur Hand ist und vielleicht gar keine Erkrankung eintreten muss.

Man muss darauf achten, dass Verunreinigungen durch den unechten japanischen Sternanis (Illicium anisatum), der ihm zum Verwechseln ähnlich sieht, ausgeschlossen werden, was aber in der Regel bei Markenprodukten der Fall ist. In den letzten Jahren ist aufgrund der extrem gestiegenen Nachfrage im Zuge der Vogelgrippe-Panik auch unechter Sternanis in den Handel gekommen. Er löste schwere Vergiftungen aus. Hintergrund des Verkaufsbooms rund um das begehrte Gewürz ist eine besondere Eigenschaft seines Hauptwirkstoffs. Die Shikimisäure wirkt als Neuraminidase-Hemmer. Das bedeutet, dass sie die Aktivität von Viren stoppt, indem sie deren Vermehrung verhindert. Die Viren können sich nicht von der Wirtszelle lösen und weiter im Körper ausbreiten. Die Infektion wird unterbrochen. Aufgrund dieser seltenen Eigenschaft war Sternanis der ursprüngliche Ausgangsstoff für das Medikament Tamiflu. Mittlerweile wird das Anti-Grippe-Mittel aber synthetisch hergestellt, Engpässe bei Sternanis gibt es derzeit nicht.

Vorbeugend eingenommen, kann Sternanis eine Infektion sofort eindämmen, indem sie schon im Keim erstickt wird. Ist sie bereits ausgebrochen, ist der Sternanis zwar nicht in der Lage, die Infektion selbst zu bekämpfen, damit muss der Körper selbst fertig werden. Doch bakteriellen Folgeerkrankungen wird entgegengewirkt. Viele Influenza-bedingte Todesfälle sind auf solche Komplikationen zurückzuführen.

Im Sternanis sind neben der Shikimisäure auch ätherisches Öl und viele weitere wertvolle Inhaltstoffe enthalten, die auch bei Magen- und Verdauungsbeschwerden, Koliken und Blähungen, Hexenschuss, Nervenschmerzen, Ischias oder Zahnschmerzen hilfreich sind.

Eine indische Studie zeigte kürzlich, dass Sternanis schützend/vorbeugend wirkte, wenn man bei Ratten mit Medikamenten Leberkrebs erzeugte. Das "reinigende" Enzym Gluthation in der Leber war erhöht/aktiver und sowohl die Anzahl als auch die Größe der Tumore schrumpfte unter der Sternanisbehandlung. (Yadav AS, Bhatnagar D. Chemo-preventive effect of Star anise in N-nitrosodiethylamine initiated and phenobarbital promoted hepatocarcinogenesis. Chem. Biol. Interact 2007 Sep 20;169(3):207-14. Epub 2007 Jun 17)

Sternanis kann man als Teezubereitung, bei Atemwegserkrankungen als ätherisches Öl oder in Kapselform einnehmen. Pulverisierter Sternanis guter Qualität weist zusätzlich einen hohen Anteil ätherischen Öls auf (5 bis 8 %) und ist darum besonders empfohlen. Zur Vorbeugung ist eine Kapsel täglich ausreichend. Ist man erkrankt, kann man auch sechs bis acht Kapseln über den Tag verteilt einnehmen.

Erwähnenswert sind außerdem die Wirkungen des ätherischen Öls: Sternanis gibt das Gefühl von Geborgenheit, lindert, löst und tröstet, fördert Träume und Hellsichtigkeit. Da die Wirkungen des ätherischen Öles auf das Hormonsystem noch nicht eindeutig geklärt sind, sollte man bei Schwangerschaft, Endometriose, sowie hormonabhängigem Prostata- und Brustkrebs darauf vorsichtshalber verzichten.


Autor: Dr. Doris Ehrenberger, A-8382 Mogersdorf 159

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