Freitag, 24. Mai 2019

Sinfonie des Geschmacks

Ausgabe 06.2014
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Der Geschmackssinn verkümmert im Laufe unseres Lebens. Ein Jugendlicher besitzt noch gut 9.000 Geschmacksknospen, bei einem älteren Menschen sind es nur noch circa 4.000. gesünder leben sagt, wie Sie Ihren Geschmackssinn neu entdecken können.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - syaber

Das Märchen von natürlichen Lebensmitteln. Glückliche Tiere auf saftigen Weiden. Das Essen: schmackhaft und ehrlich, hergestellt nach althergebrachten Rezepten. Die Realität sieht aber häufig anders aus. „Besonders durch die Industrialisierung hat sich die Ernährung der Menschen sehr verändert“, so Buchautor Felix Olschewski (www.urgeschmack.at). Apropos Industrialisierung: „Es bestätigt sich: Was die Lebensmittelindustrie uns seit circa 70 Jahren vor die Nase setzt – stark verarbeitete Produkte mit vielen Zusatzstoffen und Unmengen Zucker –, macht uns krank und dick.“ Die Folge: Der Geschmack und wertvolle Inhaltsstoffe gehen in industriellen Fertigprodukten verloren. Auch bei der Farbe wird kräftig geschummelt. Bei vielen Balsamico-Essigen wird ein künstliches Braun beigemengt, denn zu lange lagern ist zu teuer. Der Zuchtlachs ist meist nur rot, weil man im Fischfutter einen Farbzusatz hinzufügt. Daher fordert Olschewski: „Sie sollten sich besser natürlich, gesund und nachhaltig ernähren.“

Das Schmecken. An Zunge, Gaumen und Kehldeckel sitzen die Geschmacksknospen, die aus rund 100 Zellen bestehen. Ein Erwachsener hat rund 4.000 Geschmacksknospen. Bei einem Jugendlichen sind es mehr als doppelt so viele. Es gibt fünf Geschmacksrichtungen, die wir wahrnehmen können: süß, sauer, salzig, bitter und umami, der sogenannte Fleischgeschmack, von dem man erst seit kurzer Zeit weiß, dass er proteinhaltige Lebensmittel kennzeichnet. Jede dieser Geschmacksrichtungen stimuliert die Sinneszellen in den Geschmacksknospen der Zunge. Salz beispielsweise erzeugt ebenso wie saure Speisen eine schwache Spannung im Inneren der Zelle. Der Impuls, der gesetzt wird, wird von Nerven über mehrere Zwischenstationen zur Großhirnrinde geleitet. Auch die anderen Geschmacksrichtungen reizen die Geschmacksrezeptoren. Wie der Geruchssinn lässt auch der Geschmackssinn im Alter nach. Doch das Geschmacksempfinden kann nicht nur durch die schwindenden Geschmacksknospen leiden, sondern auch durch falsche Ernährung. „Wer sich nur mit Fertiggerichten und Fast Food ernährt, verlernt das Schmecken. Denn: In Fertigprodukten stecken viele Aromastoffe“, so Olschewski. Olschewski rät: „Am besten ist es, selbst zu kochen und möglichst viele Verarbeitungsschritte selbst zu kontrollieren.“ Besonders Kinder sind gefährdet, da ihr Geschmacksempfinden noch nicht ausgereift ist. Sie gewöhnen sich schnell an die Aromastoffe von Fertiggerichten. Die Folge: Die Geschmacksknospen stumpfen ab. So darf man sich nicht wundern, dass Kinder oft den Geschmack eines „künstlichen Erdbeerjoghurts“ besser kennen als den einer frischen Erdbeere.

Saisonale und regionale Produkte schmecken besser! Sich körperlich und geistig fit zu halten ist für viele von uns das Um und Auf. Dass eine gesunde und ausgewogene Ernährung dabei eine wichtige Rolle spielt, dürfte jedem klar sein. Die Nahrung, die wir zu uns nehmen, versorgt unseren Körper mit wertvollen Nährstoffen und stellt damit die Grundlage für unsere Leistungsfähigkeit dar. Doch viel wichtiger ist, dass die Nahrungsmittel, die wir zu uns nehmen, auch tatsächlich gesund sind. Denn nicht alles, was wir im Supermarkt kaufen, schmeckt so gut und tut der Gesundheit so gut, wie uns die Werbung zu suggerieren versucht. Außerdem ist es sinnvoll, nicht nur an sich selbst zu denken, sondern auch an die Umwelt und unsere Nachkommen. Wer sich gesund ernähren will und gleichzeitig einen Beitrag zum Klimaschutz leisten möchte, sollte zu regionalen und saisonalen Nahrungsmitteln greifen. Kaufen Sie Produkte aus der Region, Sie tun sich damit selbst und der Umwelt einen großen Gefallen. Lange Transportwege fallen weg. Dadurch wird der Kraftstoffverbrauch eingespart und die Lebensmittel können frischer verkauft werden. Das Gute daran: Die Nahrungsmittel schmecken besser und außerdem bleiben die Nährstoffe erhalten. Kauft man zum Beispiel Paradeiser aus Italien, müssen diese erst nach Österreich transportiert werden. Das kostet Treibstoff und die Paradeiser können nicht erntefrisch verkauft werden. Jeder Tag, der zwischen Ernte und Verzehr vergeht, kostet Nährstoffe. Generell gilt, so Olschewski: „dass man Qualität auf jeden Fall schmecken kann.“

Die Fakten. Mehr als zwei Drittel der österreichischen, Schweizer und deutschen Konsumenten kaufen monatlich mehrmals regionale Produkte. Dies zeigt eine vor Kurzem durchgeführte Studie, in deren Rahmen mehr als 1.000 Personen befragt wurden. Annähernd die Hälfte der Befragten kauft sogar wöchentlich regionale Lebensmittel. Die Österreicher liegen mit ungefähr 60 Prozent an der Spitze. Dahinter kommen die Deutschen mit knapp 50 Prozent, gefolgt von den Schweizern mit etwas über 40 Prozent. Besonders wichtig ist den Konsumenten Regionalität bei Eiern, Gemüse, Obst, Fleisch und Milchprodukten. Je nach Produkt besteht sogar die Bereitschaft, für regionales Essen mehr zu bezahlen.

Übersicht zu diesem Artikel:
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Seite 2 Mehr Geschmack genießen!

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