Samstag, 24. August 2019

Sei doch nicht sauer!

Ausgabe 2019.06
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„Sauer macht lustig“, sagt der Volksmund. Doch ein Überschuss an Säuren kann unseren Säure-Basen-Haushalt auf lange Sicht aus dem Gleichgewicht bringen und krank machen. GESÜNDER LEBEN erläutert, wie wir durch richtige Ernährung, viel Bewegung und Stressreduzierung eine gesunde Balance behalten.


Foto: privat

80 Prozent Basen, 20 Prozent Säuren – so sieht der Säure-Basen-Haushalt eines gesunden Menschen aus. Chemisch betrachtet handelt es sich um eine Balance aus positiv geladenen Wasserstoff-Ionen und negativ geladenen Hydroxid-Ionen, die für die Funktion aller Stoffwechselwege ausschlaggebend ist und Körper wie Geist in Schuss hält. Beide nehmen wir über unsere Ernährung durch säure- und basenbildende Lebensmittel auf. „Gerät dieses Verhältnis kurzfristig aus dem Gleichgewicht, besitzt unser Organismus ein System an Mechanismen, um die Balance ganz automatisch wiederherzustellen“, nimmt Ernährungsexpertin Mag. Ruth Fiedler die gute Nachricht gleich vorweg. „So greift unsere Lunge über den Gasaustausch regulierend ein, die Nieren gleichen mit Ausscheidungsmechanismen aus und im Blut steht ein Bikarbonat-Puffer zur Verfügung, um den pH-Wert konstant zu halten.“ Dieser Wert ist ein Maß dafür, wie sauer oder basisch eine Lösung ist. Der pH-Wert des Blutes liegt auf der Skala von 0 bis 14 zwischen 7,35 und 7,45.

So bleiben Sie in Balance

Mit diesen 10 Tipps von Ruth Fiedler sorgen Sie für harmonische Verhältnisse in Ihrem Säure-Basen-Haushalt!

Sauer? Nein, basisch! Auch wenn Sie es nicht vermutet hätten: Die Zitrone ist ein Basenlieferant! Starten Sie mit einem Glas Zitronensaft in den Tag. Dafür einen Viertelliter lauwarmes Wasser mit dem Saft einer halben Zitrone vermengen – so unterstützen Sie Ihren Organismus optimal.

Basentage. Die Expertin rät, alle ein bis zwei Wochen einen Tag einzulegen, an dem Sie sich nur basisch ernähren. „An diesem Tag können Sie Obst, Gemüse, Pilze, Kräuter und Erdäpfel nach Herzenslust zu sich nehmen. Trinken Sie zudem ausreichend Wasser. Ihr Körper wird es Ihnen danken!“

Finger weg von Fertigprodukten. Diese enthalten viele Geschmacksverstärker, Konservierungs- und Farbstoffe, die die Säureproduktion ankurbeln. Besser: Frisch kochen und mit frischen Kräutern (vor allem Petersilie) würzen!

Gute und schlechte Säurebringer. „Meiden Sie schlechte Säurelieferanten wie etwa Süßigkeiten, Energydrinks und Limonaden“, so Fiedler. Fisch- und Fleischprodukte sind zwar auch Säurelieferanten, besitzen aber auch viele wichtige Inhaltsstoffe. Wichtig dabei: Setzen Sie auf biologische Herkunft und kombinieren Sie Fisch- und Fleischgerichte mit viel Gemüse oder Erdäpfeln.

Hautsache. Neben der Lunge und den Nieren sorgt auch die Haut für die Ausscheidung übermäßiger Säuren. Darum ist Schwitzen angesagt – beim Sport oder in der Sauna!

Bademeister. Entspannt ein Übermaß an Säuren loswerden? Funktioniert auch – in Form eines Basenvollbades! Hier reguliert der Körper den Säure-Basen-Haushalt über die Haut.

In Bewegung bleiben. Sport tut dem gesamten Körper gut – und trägt auch zu einem gesunden Säure-Basen-Haushalt bei. Durch Bewegung an der frischen Luft können Säuren über die Atmung ausgeschieden werden.

Wasser marsch! Wasser, Basentees sowie grüne Gemüsesäfte wirken basisch auf den Körper. Darüber hinaus ist ausreichend Flüssigkeit wichtig, um den Körper beim Ausscheidungsprozess von Stoffwechselprodukten zu unterstützen.

Vorsicht beim Abnehmen. „Beim Abbau von Fett fallen viele Säuren an, die mithilfe von Basen ausgeglichen werden müssen“, erklärt Fiedler. „Häufig kommt es bei einer größeren Gewichtsabnahme deshalb zu einer Stagnation: Plötzlich bewegt sich der Zeiger auf der Waage einfach nicht mehr weiter nach unten. Ein Zeichen für Übersäuerung!“

Stress ade! Sicher, so ganz vermeiden lässt sich Stress oft nicht in unserer schnelllebigen Zeit. Kurzfristige Stresssituationen kann der Körper auch problemlos meistern, dauerhaft macht Stress jedoch krank. Versuchen Sie, chronische Stressbringer in Ihrem Leben bewusst aufzudecken und zu reduzieren. Das tut nicht nur dem Säure-Basen-Haushalt gut, sondern hält den gesamten Organismus in Balance!

Säuren im Vormarsch
Gerade unser moderner westlicher Lebensstil macht es dem Körper schwer, Säuren und Basen in Zaum zu halten. „Bei der heutigen Säureflut entstehen so viele Säuren, dass unsere Ausscheidungsorgane mit der Entsorgung überfordert sind“, so Fiedler. Ein Zuviel an säurebildenden Lebensmitteln wie Fleisch- und Wurstwaren, Milch- und Weißmehlprodukten, Süßwaren, Kaffee und Alkohol und ein Zuwenig an basenliefernden Lebensmitteln wie Gemüse und Obst führt langfristig zu einer dauerhaften Übersäuerung des Körpers. Zusätzlich kann Bewegungsmangel das natürliche Gleichgewicht aus Säuren und Basen aus der Balance bringen. Denn: Der Körper scheidet überschüssige Säuren auch über die Haut und über die Atmung an der frischen Luft aus. Dritter Übeltäter im Bunde: Stress. „Stehen wir dauerhaft unter Stress, verändert sich unser Hormonhaushalt“, erklärt Fiedler. Es kommt zur verstärkten Ausschüttung von Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin – all diese Hormone haben Einfluss auf die Atmung, die Durchblutung und unser Verdauungssystem. Gestresste Menschen atmen zudem häufig hastiger und flacher, dadurch gelangt nicht genug Sauerstoff ins Blut, der jedoch für den Abtransport von sauren Abfallprodukten notwendig ist. Schließlich erhöht der Körper bei zu geringer Sauerstoffzufuhr auch die Milchsäureproduktion und steuert dadurch zur Übersäuerung bei. „Übersäuerung ist ein schleichender Prozess, der oft erst spät wahrgenommen wird“, weiß die Expertin. „Erste Anzeichen können Erschöpfungszustände, Antriebslosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Kopfschmerzen oder Schlafstörungen sein“, so Fiedler. „Häufig macht sich eine Übersäuerung auch durch Gelenks- und Muskelschmerzen, Durchblutungsstörungen, Gewichtsprobleme oder unelastische Haut bemerkbar.“

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